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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Missbrauchsvorwürfe: Fränkischer DJ von Festivals ausgeladen
Kultur

Missbrauchsvorwürfe: Fränkischer DJ von Festivals ausgeladen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 30. April 2026 08:48
Von Uta Schröder
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8 min. Lesezeit
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„Jetzt reicht’s“, sagt Anna in die Kamera. Anna heißt eigentlich anders, ihr echter Name ist dem Bayerischen Rundfunk bekannt. Sie sitzt auf einem weißen Sofa, für die nächsten 75 Minuten der Hintergrund für ein YouTube-Video. Ein Video, in dem Anna die Beziehung zu ihrem Ex-Freund, dem Dance/Electronics-DJ und Produzenten Avaion aufrollt und von massiven Grenzüberschreitungen berichtet. Laut ihrer Aussage soll es während ihrer fünfjährigen On-Off-Beziehung mit Avaion zu sexuellen Übergriffen gekommen sein.

Inhaltsübersicht
Ex-Partnerin schildert mehrere ÜbergriffeFall reiht sich in #MeToo-Bewegung in der DJ-Szene einWeitere Frauen schildern ähnliche VorfälleFestivals sagen Auftritte ab – auch Tour gestrichenBetroffene: Vorwürfe schon vor einem Jahr mitgeteiltAvaion widerspricht den Vorwürfen

Avaion ist 29 Jahre alt und stammt aus Fürth in Franken. Er produziert bereits seit 2010 Musik im Bereich Electronic Dance Music (EDM) und veröffentlichte 2018 seine Debütsingle „Pieces“. Seitdem ging die Karriere des Musikers steil nach oben: Er tourte europaweit, fuhr mehrere goldene Schallplatten ein und trat bei großen Festivals auf.

Ex-Partnerin schildert mehrere Übergriffe

Der BR hat persönlich mit Anna gesprochen. Unter anderem berichtet sie von mehreren Momenten, in denen Avaion ihr gegenüber sexuell übergriffig geworden sein soll. Laut ihren Angaben kam Anna 2021 in seinem Elternhaus unter. Als sie ihm einmal den Sex verweigerte, soll Avaion sie trotz verbaler Gegenwehr und ihrem Versuch, sich aus der Situation zu entfernen, vergewaltigt haben. Anschließend soll er ihr ins Gesicht geschlagen haben.

Weiter berichtet Anna davon, dass der Musiker über Jahre private Fotos, auf denen sie nackt zu sehen ist, verbreitet und unter Freunden herumgezeigt haben soll. Mehrere Versuche im Jahr 2025, die Angelegenheiten außergerichtlich und privat zu klären – auch unter Einbindung von Avaions Manager – sollen ins Leere gelaufen sein. Anna hat dem BR eine Versicherung an Eides statt übergeben, in der sie ihre Vorwürfe bekräftigt.

Fall reiht sich in #MeToo-Bewegung in der DJ-Szene ein

Der Fall Avaion reiht sich ein in eine Art neue #MeToo-Bewegung, die gerade durch die DJ-Szene geht. Erst im März lösten schwere Vorwürfe innerhalb der Techno-Szene eine Welle an Entrüstung, Solidarisierung und Wut in den sozialen Medien aus, auch tagesschau.de berichtete (externer Link).

Der aktuelle Fall sticht hervor, weil die Betroffene selbst die Vorwürfe publik machte. Auf eigene Faust, klar erkennbar und auf eine Art und Weise, wie es bisher selten passiert ist.

Weitere Frauen schildern ähnliche Vorfälle

Anna stützt ihre Behauptungen in dem Video nicht nur auf eine genaue Timeline der Ereignisse, sondern auch auf fast 800 Dokumente, Screenshots und Videos. Bemerkenswert ist, dass sie direkt auf mögliche Kritik an ihren Aussagen eingeht. Außerdem, so erzählt sie es auch dem BR, stehe sie in Kontakt mit weiteren Frauen, die zur gleichen Zeit ähnliche Erlebnisse mit Avaion gemacht hätten.

Neben Annas Aussagen liegen dem BR weitere anonyme Erfahrungsberichte vor, die von Erlebnissen mit Avaion in den vergangenen Jahren erzählen. Mit zwei Frauen konnte der BR persönlich Kontakt aufnehmen, sie haben ihre Berichte konkretisiert. So erzählt Laura (Name von der Redaktion geändert) von einem sexuellen Übergriff, nachdem der DJ sie zu einem Date eingeladen habe. Laura habe in dieser Nacht den Geschlechtsverkehr verweigert, so schildert sie es. Trotz ihres „Neins“ habe Avaion sie immer wieder berührt und zum Mitmachen genötigt. Auch Laura hat ihre Vorwürfe an Eides statt versichert.

Eine weitere Frau, Mara (Name von der Redaktion geändert), berichtet dem BR von einer ähnlichen Situation: Der Künstler habe sie Anfang 2025 in eine andere Stadt eingeladen und dann, so sagt Mara es wörtlich, „wie ein Stück Fleisch“ behandelt. Zum Geschlechtsverkehr sei es nicht gekommen, er sei aber körperlich deutlich über ihre persönliche Grenze gegangen. Außerdem habe Avaion in ihrer Anwesenheit pornografische Inhalte konsumiert, über sein Glied geprahlt und ihr eine Karriere auf der Plattform OnlyFans empfohlen – so die Nacherzählung der Frau. Auch Mara hat ihre Angaben an Eides statt versichert.

Festivals sagen Auftritte ab – auch Tour gestrichen

Infolge der Anschuldigungen haben reihenweise Veranstaltende den Künstler für 2026 aus dem Line Up gestrichen. Unter anderem positionierte sich die Agentur District Live auf Instagram und gab bekannt, dass die „MAKE PEOPLE HAPPY“-Tour des Künstlers restlos abgesagt werde.

Auch das Team des Electric Love-Festival in Salzburg schreibt: „Die Vorwürfe überschreiten eine Grenze, die nicht überschritten werden darf“. Das Team des Parookaville-Festivals in Weeze lässt verlautbaren: Die Vorwürfe „überschreiten aus unserer Sicht deutlich das, was als reine Privatangelegenheit gelten kann, und werfen für uns grundlegende Fragen in Bezug auf Haltung und Verantwortung auf“.

Auch das Open Beatz-Festival in Herzogenaurach postete ein Statement. Die Beziehung zwischen den Veranstaltenden und dem Künstler ist besonders eng. Die Festival-Basis liegt nah am Herkunftsort Avaions. Schon 2017, noch vor seinem Aufstieg zu größerer Bekanntheit, bekam er dort seinen ersten großen öffentlichen Auftritt auf der Main Stage.

Betroffene: Vorwürfe schon vor einem Jahr mitgeteilt

Auf Instagram erklären die Veranstaltenden des Open Beatz nun, dass auch sie den Künstler aus dem Line Up gestrichen haben und sich bei der Betroffenen entschuldigen möchten. Anna sagt, sie habe das Festival-Team bereits 2025 auf ihre Vorwürfe aufmerksam gemacht, per Kommentar auf Instagram.

Die Open Beatz-Veranstaltenden bestätigen das und kommentieren, sie hätten die Anschuldigungen damals „aufgrund der langjährigen Beziehung“ zu Avaion nicht weiter hinterfragt und einer Gegendarstellung des Künstlers geglaubt. „Ein großer Fehler“, wie sie im Statement formulieren. Auf Nachfrage des BR schreiben sie: „Aus heutiger Sicht hätten wir einzelne Hinweise sorgfältiger prüfen müssen und bedauern diesen Vorgang sehr.“

Avaion widerspricht den Vorwürfen

Die Gage von Avaion will das Open Beaz Festival an METOODJs spenden, eine – laut eigener Aussage – eingetragene, französische Non-Profit-Organisation, die Opfer von sexueller Gewalt in der DJ-Szene unterstützt. Die Spende des Open Beatz in Höhe von 10.000 Euro ist erfolgt und offen einsehbar, die Entscheidung wurde von vielen in der Kommentarspalte beklatscht. Unklar ist, wer genau hinter METOODJs steht, wie die Organisation agiert und wofür das Geld eingesetzt wird. Auf Nachfrage des BR hieß es, das Kollektiv bestehe aktuell aus fünf Personen mit Sitz in mehreren Ländern.

Sie schreiben außerdem: „Einige von uns arbeiten seit 2020 an Themen im Zusammenhang mit sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt. Aufgrund dieser Arbeit waren Mitglieder unseres Kollektivs bereits mit Drohungen und Belästigungen konfrontiert. Wir können in dieser Phase nicht vollständig öffentlich auftreten.“ Gegenüber den Betroffenen, die man unterstützt, sei man jedoch transparent.

Avaion selbst hat mit einem Statement via Instagram-Story reagiert. Darin gab er an, „bestürzt“ zu sein und sich bald äußern zu wollen, er müsse jedoch „zunächst rechtliche Schritte“ einleiten. Der BR hat den Künstler mit allen recherchierten Fällen und Vorwürfen konfrontiert und Nachfragen zu einzelnen Punkten gestellt. In einem anwaltlichen Schreiben, das dem BR vorliegt, bestreitet der Künstler alle in diesem Artikel genannten Vorwürfe. Für Avaion gilt die Unschuldsvermutung.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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