Durch einen Zufall konnten zwei Reliefs, die im Bayerischen Nationalmuseum in München hingen, als NS-Raubkunst eingestuft werden. Jetzt werden die beiden Werke an die Erben des jüdischen Bankiers Jakob Goldschmidt zurückgegeben. Ein fast 100 Jahre altes Foto hat dabei den entscheidenden Hinweis geliefert.
Schwarz-Weiß-Foto von 1933 zeigt die Reliefs
Das Schwarz-Weiß-Foto stammt aus der Villa von Jakob Goldschmidt, der nicht nur Bankier, sondern auch Kunstsammler war. Eindrucksvoll beweist das Foto, mit wie vielen Kunstwerken und alten, prachtvollen Möbeln Goldschmidt seine Villa in Berlin, nahe des heutigen Kulturforums, ausgestattet hat.
Seine Erben fanden das Foto erst kürzlich und haben es nun als belastbaren Hinweis herangezogen. Wer nämlich genau hinsieht, erkennt darauf auch zwei kleine Holzreliefs aus dem späten 15. Jahrhundert aus Nürnberg, die auf dem Foto von 1933 über einer barocken Kommode an der Wand hängen. Sie zeigen die männlichen und die weiblichen Mitglieder einer sogenannten Stifterfamilie neben einem Familien-Wappenschild. Ein eindeutiger Beweis, neben weiteren Recherchen, dass diese beiden Reliefs damals im Besitz der Bankiersfamilie Goldschmidt waren.
Wie die Reliefs ins Bayerische Nationalmuseum kamen
Jakob Goldschmidt emigrierte nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 erst in die Schweiz und dann in die USA. Im Juni 1936 wurde seine Kunstsammlung beim Auktionshaus Helbing in Frankfurt versteigert. Der Berliner Justizrat Gerhart Bollert, ein deutscher Liebhaber mittelalterlicher Kunst, ersteigerte die Reliefs damals. Nach seinem Tod 1947 und der Übernahme seiner Privatsammlung seitens des Bayerischen Nationalmuseums landeten auch die beiden Reliefs dort.
Rückgabeoffensive seitens Kunstminister ist erfolgreich
Deutschland hat sich 1998 mit der Washingtoner Erklärung dazu verpflichtet, von Nazis geraubte Kunst, die sich jetzt im Staatsbesitz befindet, ohne Verjährungsfrist an die Sammler oder die Erben zurückzugeben.
Die Rückgabeoffensive durch Kunstminister Markus Blume (CSU) ist seit April 2025 durchaus erfolgreich. Das Bayerische Nationalmuseum hat vor diesen beiden Reliefs schon über einhundert Silberobjekte zurückgegeben, davon allein dreizehn im vergangenen Jahr. Aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gingen in den letzten zwölf Monaten fünf Werke an die Erben jüdischer Sammler zurück. Davon das Gemälde „Kinderzimmer“ des Berliner Impressionisten Lesser Ury an die Familie Goldschmidt.
Mit Informationen von dpa.

