Islamischer Theologe Khorchide: Islamistischer Angriff gegen queere Community
Der mutmaßliche Täter war den Behörden als Islamist mit Sympathien für den sogenannten „Islamischen Staat“ bekannt und wurde beim Polizeieinsatz erschossen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: „Es war ein Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft.“
Noch wichtiger sei aber, dass sich der Angriff gezielt gegen die queere Community richtete, findet Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster. Islamisten seien davon überzeugt, dass Gott will, „dass Mann und Frau heterosexuell zusammenleben“, sagt Khorchide im WDR-Interview. „Alles, was davon abweicht, wird abgewertet.“
Queerfeindlichkeit auch in Moscheen?
Laut Verfassungsschutz verbreitet sich queerfeindliche Propaganda [Externer Link] vor allem in sozialen Medien, aber Moscheen spielen eine Rolle. „Natürlich gibt es schöne Ausnahmen, aber de facto sind die meisten Moscheegemeinden in Deutschland sehr konservativ“, sagt Leyla Jagiella, Ethnologin und Religionswissenschaftlerin. „Wenn sie das Thema Queerness angehen, dann aus einer regressiven und repressiven Haltung heraus“, sagt Jagiella über viele Moscheegemeinden.
Die trans Frau und Muslimin betont jedoch, dass diese Gemeinden nicht zu Gewalt aufriefen. Islamistische Täter würden in der Regel nicht in Moscheen radikalisiert, sondern vor allem im Internet.
Homosexualität im Islam: Sünde oder Teil der Schöpfung
Auch Religionspädagoge Mouhanad Khorchide bestätigt, dass in vielen Moscheegemeinden gelebte Homosexualität als Sünde gilt. „Manche vertreten die Position, das sei eine heilbare Krankheit“, so Khorchide. Es gebe aber auch liberale Moscheegemeinden, die Homosexualität als Teil des Schöpfungsplans Gottes sehen. Was keine Frage der Religionsfreiheit sei: Jede Interpretation, „sei es im Islam oder im Christentum“, die die Menschenwürde antaste, müsse „zurückgewiesen“ werden.
Dabei ist die Bewertung von Homosexualität in der islamischen Theologie durchaus nicht eindeutig. Im klassischen Islam gebe es viele Ansätze, auf denen eine queerfreundliche Interpretation des Islam aufbauen könne, so der islamische Theologe im Gespräch mit dem BR.
Positionierung muslimischer Gemeinden als „tröstlich empfunden“
„Als queere Muslima fand ich es tröstlich, dass sich viele muslimische Gemeinden klar positioniert haben. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, Teil von beidem sein zu können“, sagt Lisa Osman aus Günzburg, die aktuell in Köln wohnt. Unter anderem der Zentralrat der Muslime hat den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf Berlins Christopher Street Day verurteilt. Religion dürfe nicht missbraucht werden, um „Hass und Gewalt zu rechtfertigen“.
Das findet auch Lisa Osman: „In Sure 4, Vers 135 wird man dazu aufgefordert, standhaft für die Gerechtigkeit einzutreten. Und ich glaube, darin liegt etwas, das uns alle verbinden kann.“

