Bisher war jedes seiner Bücher ein gesetzter Bestseller: Ob „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“ oder „Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten“. Seit rund 30 Wochen steht er zudem mit „Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary“ auf der Spiegel-Bestsellerliste. Florian Illies ist einer der erfolgreichsten deutschen Sachbuch-Autoren, dessen Werke auch international wahrgenommen werden. Nun ist ein neues Buch des 55-Jährigen im Pfaueninsel-Verlag erschienen: „Träume aus Feuer – Der Alchemist von der Pfaueninsel“.
Rubinrotes Glas, das selbst die Venezianer staunen ließ
Darin erzählt Florian Illies die Geschichte Johannes Kunckels: ein geheimer Kammerdiener des Großen Kurfürsten, und der Mann, der „das vielleicht schönste Glas des deutschen Barocks ersonnen“ hat. Dazu sagt Illies: „Das würde ich nie behaupten, wenn es nicht von den Glasforschern und den ganzen Sammlern so bestätigt und gesehen wird.“ Im Rijksmuseum in Amsterdam steht etwa ein rubinroter Kelch Kunckels und die Sammlung des Stadtmuseums Berlin umfasst ihm zugeschriebene Kannen und Tassen.
Die Pfaueninsel nahe Potsdam diente Kunckel als Rückzugsort, an dem er in Ruhe und ohne neugierige Blicke seiner Arbeit nachgehen konnte. Selbst die Venezianer, die das berühmte Murano-Glas herstellten, staunten über das, was Johannes Kunckel an rubinrotem und kobaltblauem Glas in seinem Laboratorium herzustellen vermochte. Florian Illies schreibt, Kunckel wollte die Pfaueninsel „in der Lagune der Havel […] zu einem zweiten Murano werden lassen.“
Alchemist oder Wissenschaftler?
Er sei „nicht irgendein brandenburgischer Lokalheld“ gewesen, sondern ein europaweit bekannter Alchemist – und eine Figur an der Schwelle der Magie des Mittelalters und der modernen Wissenschaft. Die Alchemie interessiere heute immer mehr Menschen, so Illies. „Je rationaler eine Zeit wird, je künstlicher die Intelligenzen werden, umso größer wird unsere Sehnsucht nach den Alchemisten“.
In der Tat erlitt Johannes Kunckel bei allem Glück, das ihm in seiner Glasmacher-Kunst beschieden war, familiäre Schicksalsschläge – den frühen Tod gleich mehrerer seiner Kinder damals, als er 1685 für kurze Zeit die Berliner Pfaueninsel sein eigen nennen durfte. Florian Illies konzentriert sich auf diese wenigen Jahre in seinem Buch und lässt diese längst untergegangene Welt wiederauferstehen.
Ein schmales Buch
„Ich glaube, diesmal war die Notwendigkeit mehr auszumalen so groß wie nie, weil einfach die Faktenlage eine sehr dünne war und diesmal war es notwendig, Dialoge auch einzubauen und Erzählstränge aufzubauen, einfach, weil wir so wenig wissen“, sagt Florian Illies. Deshalb sei es auch ein kurzes Buch, „zu lesen an einem Sommernachmittag unter einem Baum im Schatten.“ Gerade mal 144 Seiten umfasst es.
Rückkehr zum erzählenden Sachbuch
Es ist ein schmales Buch, ein Zwischenbuch, das man durchaus als ein Experiment ansehen kann: Denn so weit ins Erzählen und Ausschmücken hat sich Florian Illies bei aller Recherche bisher noch in keinem seiner Bücher gewagt. Um aber ja nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, er nähere sich schreibend immer weiter dem Genre des historischen Romans an, versichert er sogleich: „Ich bin ganz glücklich im Bereich des erzählerischen Sachbuchs und werde in meinen nächsten Büchern auch glücklich in Gefilde zurückkehren, wo die Faktenlage reicher ist.“
„Träume aus Feuer“ sei vor allem ein Buch über die Natur. Florian Illies verbrachte viel Zeit auf der Pfaueninsel, „denn meine Versuche, Geschichte lebendig zu machen, sind vor allem getragen aus der Atmosphäre, der Sinnlichkeit heraus.“ Er hofft, dass die „Geschichte aus früheren Zeiten zu unserer Gegenwart spricht, weil sie herüberleuchtet – so wie das Rubinglas von Johannes Kunckel“.

