Der Song wird zum Meme
Wie so oft im Internet wird etwas, was ursprünglich ernst gemeint war, aber schnell zum Meme – und damit ironisch aufgegriffen und weiter verbreitet. Das ist bei „Er hat sich das nicht ausgesucht“ nicht anders. So wurde das KI-Pathos des originalen Songs schnell weiter gedreht, und Nutzer machten sich darüber lustig.
Seinen bisherigen Höhepunkt erlebte der Song dann in den letzten paar Tagen – denn mittlerweile schafft er es sogar auf die ganz großen Bühnen. Bei den Zwillingsfestivals Rock am Ring und Rock im Park tauchte das Lied gleich mehrfach auf: Die Veranstalter spielten den Song zwischen Auftritten über die Lautsprecher und Rapper Finch brachte den Song selbst auf die Bühne.
Indie-Musiker Berq ging nun den nächsten Schritt und spielte diese Woche eine Cover-Version von „Er hat sich das nicht ausgesucht“ beim Asta Sommerfestival in Paderborn.
Und bei sämtlichen Auftritten sang das Publikum laut und hörbar mit.
Schafft es Timmy zur Wiesn?
Doch ob ein Hit sich tatsächlich auszahlt, zeigt sich erst, wenn er es bis aufs Oktoberfest schafft – und wie sieht es da aus? „Der KI-Podcast“, der Podcast von BR24 und SWR, hat mehrere Stamm-Bands auf der Wiesn angefragt: Könnten sie sich vorstellen, den Song zu spielen?
Michael Peyerl von der Band Cagey Strings, die man aus dem Hackerzelt kennt, hält „Er hat sich das nicht ausgesucht“ für ungeeignet – der Song treffe nicht die Stimmung, die man im Zelt erzeugen wolle. Grundsätzlich seien er und seine Kollegen keine Fans von KI-Musik. Allerdings: „Wenn diese Titel positive und gute Stimmung bei den (echten) Menschen im Hackerzelt auslösen, dann würden wir auch einen auf diese Art und Weise entstandenen Song zum Besten geben.“
Kritischer wird Wolfgang Köbele, Kopf der Band Münchner Zwietracht: „Leider ist die KI in der Musik der Tod der Kreativität“, meint er. Ein KI-Song im Bierzelt käme deshalb für ihn nicht in Frage. „Das wäre schlimmer als Tiefkühlbrezn auf der Wiesn oder ein Plastikmaibaum auf dem Dorfplatz.“
Prognose: Die KI kommt, aber nicht jetzt
Auch die Band Südherz, die im Schottenhamel durchaus für junge und party-taugliche Musik bekannt ist, winkt beim Wal-Song ab. Allerdings: „Wird in Zukunft ein KI-Song den Sprung auf die Wiesn schaffen: Ja, aber das hängt davon ab, wie sehr ein Song sich davor in der Öffentlichkeit schlägt“, meint Bandleader Michael Waltner.
Als Beispiel nennt Waltner einen Sommerhit, der vor über 20 Jahren ebenfalls aus dem Nichts kam und den so auch niemand kommen sah: den „Crazy Frog“. „Letztendlich hätte das auch ein KI-Produkt in der heutigen Zeit sein können.“

