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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Massive Betrugswelle bei Neobrokern und Online-Banken
Wirtschaft

Massive Betrugswelle bei Neobrokern und Online-Banken

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 27. Januar 2026 08:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Die größte Schwachstelle im Onlinebanking: der Mensch. Es hilft wenig, dass Banken ihre Systeme durch zusätzliche Maßnahmen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung absichern, wenn Kriminelle die Bankkunden direkt dazu bringen, Fehler zu machen. Genau das passiert aber derzeit immer öfter.

Inhaltsübersicht
„Ihr Konto ist gefährdet!“Manipulative „Betrugsindustrie“Das Geld ist meist für immer wegWoher haben die Betrüger die Handynummer?Man ist nicht hilflos ausgeliefert

Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern spricht von einer regelrechten Betrugswelle, die seit etwa einem halben Jahr über die gesamte Bankenwelt schwappt. Er registriert monatlich mehrere hundert Betrugsfälle oder Betrugsversuche allein in Bayern: „Momentan wird alles, was mit Online-Banking, Online-Brokering zu tun hat, attackiert.“

„Ihr Konto ist gefährdet!“

Besonders häufig sind SMS oder Mails, in denen beispielsweise gewarnt wird, dass das Konto in Gefahr sei. In der Textnachricht steht dann eine Telefonnummer, die man anrufen soll, um zu erfahren, wie man sein Geld angeblich absichern kann. Tatsächlich passiert das Gegenteil, wie die jüngsten Fälle beim Neobroker Trade Republic zeigen.

Hinter der angeblichen Hotline stecken Betrüger, die verunsicherte Kundinnen und Kunden dazu bringen, ihr Kapital auf andere Konten oder an Krypto-Geld-Adressen zu schicken. Von dort aus können es die Kriminellen dann problemlos abziehen.

Manipulative „Betrugsindustrie“

Waren in der Vergangenheit Angriffe auf Bankkunden oft das Werk einzelner Täter, so handelt es sich jetzt um eine regelrechte Betrugsindustrie, wie Sascha Straub berichtet. Es gebe Callcenter, in denen Kriminelle spezielle Aufgaben hätten und genau wüssten, wer wann angerufen werden müsse.

Neu ist auch, dass Kriminelle nicht mehr so häufig versuchen, auf technischem Weg Zahlungen auszulösen, sondern die Klienten eben direkt angehen. Sie versuchen, die Opfer zu manipulieren, und setzen dabei alle möglichen Überredungskünste ein. Die Polizei berichtet von mehrstündigen Telefonaten, in denen die Verbrecher Kunden dazu brachten, Geld an das gewünschte Ziel zu schicken.

Das Geld ist meist für immer weg

Wer sich von den Betrügern breitschlagen lässt und sein Geld selbst in die Hände der Verbrecher lenkt, hat ein Problem: Die Bank trifft hier keinerlei Schuld. Bei technischen Angriffen müssen die Finanzinstitute den Kunden erst mal beweisen, dass diese grob fahrlässig gehandelt haben. Wer also auf einen falschen Link klickt und dadurch Geld an Betrüger verliert, hat eine gewisse Chance, es sich von der Bank wieder zurückzuholen.

Wurde jemand jedoch manipuliert und hat Überweisungen selbst getätigt, ist die Lage laut Verbraucherschützer Straub anders: „Da gibt es kein Geld zurück, weil letzten Endes ist es ja quasi in dem Moment auch komplett gewollt gewesen. Auch wenn sich im Nachhinein rausstellt, dass man übers Ohr gehauen worden ist.“

Woher haben die Betrüger die Handynummer?

Dass Betrüger immer wieder Erfolg haben, hängt auch damit zusammen, dass die Opfer glauben, ihre Handynummer sei ja nur dort bekannt, wo sie Kunde sind, also bei der Bank oder beim Neobroker. Doch die Telefondaten sind weit weniger privat als gedacht. Wer seine Handynummer im Internet bei einem Einkauf oder zum Anmelden bei einem Online-Dienst angibt, muss davon ausgehen, dass sie weiterkursiert.

Straub sagt: „Die sind im Netz und es ist dann nie auszuschließen, dass die irgendwann auch im Darknet landen.“ Und im Darknet werden Telefonkontakte unter Kriminellen regelrecht gehandelt. Betrüger probieren oft auch wahllos tausende von Handynummern durch – mit Hilfe von KI kein Problem mehr – bis sie auf einen „passenden“ Kunden stoßen.

Man ist nicht hilflos ausgeliefert

Gegen die professionell organisierte Betrugsindustrie, die oft aus dem Ausland agiert, ist offenbar derzeit kein Kraut gewachsen. Das heißt aber nicht, dass man auch in die Falle tappen muss (externer Link). Es gibt klare Alarmsignale. Wenn es angeblich sehr schnell gehen muss oder man sofort seine Daten ändern soll, sollte man hellhörig werden.

Neobroker und reine Online-Banken zeichnen sich zudem eher dadurch aus, dass sie ihre Kundschaft nicht so intensiv betreuen. Wenn nun ein Mitarbeiter aber plötzlich Zeit für ein stundenlanges Telefonat hat, meint Sascha Straub, solle man auch skeptisch werden.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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