Die bayerische Landeshauptstadt wird schon bald zum Schauplatz eines Verkehrsexperiments: Die Google-Schwesterfirma Waymo hat angekündigt, Ende 2027 fahrerlose Robotaxis durch die Stadt zu schicken. Schon jetzt startet Waymo erste Testfahrten – noch mit Fahrern an Bord.
Die Konkurrenz schläft nicht: Der US-Fahrdienstleister Uber verfolgt ähnliche Pläne und arbeitet dafür mit dem israelischen Start-up Autobrains zusammen. Nach BR-Informationen macht Autobrains derzeit Testfahrten auf Strecken zwischen Olympiapark und Hauptbahnhof. 2027 sollen die ersten Fahrgäste einsteigen dürfen.
Noch ist das Zukunftsmusik. Doch die Pläne zeigen: München ist für die Robotaxi-Anbieter nicht nur Teststrecke, sondern ein echter Markt. Wie kommt es dazu? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Lassen deutsche Gesetze Robotaxis zu?
2021 gab es eine Reform des Straßenverkehrsgesetzes, die den rechtlichen Rahmen für autonomes Fahren aufstellt (externer Link). Wichtig ist: Es muss sich um einen festgelegten Betriebsbereich handeln und es braucht eine sogenannte technische Aufsicht, die das Robotaxi jederzeit stoppen kann. Diese muss sich aber nicht an Bord befinden, ein Eingreifen aus der Ferne genügt.
Warum eigentlich München?
Waymo beschreibt München als „Top-Standort“ für Mobilität und Technologie. Für die Testphase gehe es darum, die eigene Technik an die Verkehrsbedingungen der Stadt anzupassen. Auch Uber argumentiert, München habe eine ausgeprägte Ingenieurstradition, eine starke Autoindustrie und ein Verkehrsnetz, das sowohl Stadtstraßen als auch schnellere Straßenverbindungen umfasst und damit zu einer guten Testumgebung mache.
Zudem ist München Standort der IAA Mobility – für das Großereignis sollen 2027 erstmals Robotaxis zum Einsatz kommen. Nicht zuletzt dürften politische Positionen den Ausschlag gegeben haben: So unterstützt das Wirtschaftsministerium Unternehmen, die das autonome Fahren im Freistaat voranbringen. Die Testfahrten von Waymo feierte Minister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) als „Meilenstein“.
Wer erlaubt Uber und Waymo den Betrieb in München?
Für die Genehmigung der fahrerlosen Taxis in München gibt es einen dreistufigen Prozess:
- Stufe 1: Betriebserlaubnis durch das Kraftfahrt-Bundesamt
- Stufe 2: Genehmigung für einen bestimmten Betriebsbereich (Bsp: Stadtgebiet München) durch die Landesbaudirektion Bayern
- Stufe 3: Zulassung zur Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr durch die Zulassungsstelle
Bisher befinden sich beide Anbieter noch im Testbetrieb, deshalb sind bei der Landesbaudirektion noch keine Genehmigungsanträge eingegangen, wie diese BR24 mitteilt. Alle am Genehmigungsprozess beteiligten Stellen seien aber bereits „im intensiven Austausch“.
Wer zahlt, wenn die Robotaxis einen Unfall bauen?
Für Schäden haftet der Halter. Das gilt, obwohl ihm kein persönliches Verschulden vorgeworfen werden kann, da er ja nicht im Auto sitzt. Hier greift die sogenannte Gefährdungshaftung: Allein vom Betrieb eines autonomen Autos geht eine Gefahr aus.
Für autonome Fahrzeuge hat der Gesetzgeber zudem eine höhere Haftungsobergrenze festgelegt. Bei normalen Autos liegt diese bei maximal fünf Millionen Euro für Personenschäden und einer Million Euro für Sachschäden. Anbieter von Robotaxis zahlen bis zu zehn Millionen Euro für Personenschäden und zwei Millionen Euro für Sachschäden (externer Link).
Solange sich die Robotaxis im Testbetrieb befinden, kann auch der Sicherheitsfahrer für einen Schaden haftbar gemacht werden, wenn er seine Überwachungspflicht vernachlässigt hat. Sollte der Unfall auf einen technischen Fehler zurückgeführt werden, kann der Hersteller zur Verantwortung gezogen werden.
Warum Waymo und Uber – und keine bayerischen Anbieter?
Markus Lienkamp, Professor für Autonomes Fahren an der TU München, kritisiert im Gespräch mit BR24, dass mit Waymo und Uber zwei US-Unternehmen in der bayerischen Landeshauptstadt aktiv werden. „Wir öffnen hier einen Markt und verschenken eine Technologie, die wir in Deutschland leider nicht beherrschen. Das ist meines Erachtens brandgefährlich“, so der Experte.
Auch der wirtschafts- und digitalpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn, kommentiert die Entwicklungen scharf: „Die Technik kommt aus Kalifornien, die Gewinne gehen auch dorthin – und was mit den Daten passiert, weiß niemand. Was bleibt für München dann, etwa nur Waymo-Autos waschen?“ Die Zukunftstechnologie Autonomes Fahren sei in Bayern jahrelang mit Steuergeldern gefördert worden. Jetzt gehe es darum, sie selbst umzusetzen.
Wirtschaftsminister Aiwanger entgegnete auf BR24-Anfrage, man werbe ebenso dafür, dass deutsche Hersteller „die Marktchancen des autonomen Fahrens ergreifen“. Bayern sei schon immer ein Land gewesen, das „offen für Innovationen und technischen Fortschritt ist“.

