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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Corona-Schulschließungen vor 5 Jahren: Lehren und Erkenntnisse
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Corona-Schulschließungen vor 5 Jahren: Lehren und Erkenntnisse

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 13. März 2025 08:59
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Es ist Freitag, der 13. März 2020. Die Corona-Pandemie hat Deutschland überrollt. Aber noch keiner weiß genau, was das neuartige Virus Covid-19 wirklich anrichten kann und wird. In der Wissenschaft herrscht vor fünf Jahren die Annahme, dass Kinder und Jugendliche Infektionstreiber sein könnten. Es gibt keine Masken oder andere Schutzmaßnahmen.

Inhaltsübersicht
Holetschek: „Junge Menschen haben gelitten“Digitale Nomaden, Angststörungen und BildungslückenGrüne: Homeschooling in Bayern „abgrundtief gescheitert“„Hopplahopp und Symbolpolitik“ der StaatsregierungLehrerverbände: Heute gut auf Pandemien vorbereitetDistanzunterricht immer nur Notinstrument

Also verkündet Ministerpräsident Markus Söder an diesem Freitag, den 13.: „Ab kommenden Montag werden die Schulen und die Kindergärten geschlossen.“ Der damalige Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) gibt zudem das Versprechen ab, man werde faire Bedingungen für alle Schüler sicherstellen.

Holetschek: „Junge Menschen haben gelitten“

Das Versprechen der fairen Bedingungen für alle konnte die Staatsregierung nicht einhalten. Darüber sind sich im Nachhinein alle Fraktionen, Eltern- und Lehrerverbände einig. Soziale Unterschiede kommen deutlich zum Vorschein. Homeschooling klappt mit eigenem Laptop und Eltern, die sich kümmern können, gut – anders sieht es aber aus, wenn man sich das Gerät mit Geschwistern teilen muss und Eltern als Ansprechpartner nicht zur Verfügung stehen.

Daneben führt die Isolation in der Pandemie bei vielen Kindern und Jugendlichen zur Vereinsamung und zu psychischen Problemen. Der heutige CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek war damals Staatssekretär im Gesundheitsministerium und gibt heute zu, „dass junge Menschen unter dieser Zeit gelitten haben“. Die Folgen von Vereinsamung seien eine Aufgabe, die bis heute nicht voll bewältigt sei. Der CSU-Fraktionschef will daher die Kinder- und Jugendpsychiatrien stärken und die Versorgung verbessern.

Digitale Nomaden, Angststörungen und Bildungslücken

„Wir haben uns digitale Nomaden herangezüchtet“, sagt die Fraktionschefin der AfD, Katrin Ebner-Steiner. Sie hatte vor fünf Jahren unter anderem einen Erstklässler und einen Teenager mit völlig unterschiedlichen Bedürfnissen zu Hause. Zunächst habe sie die Schulschließungen befürwortet, aber bald hatte sie Zweifel. Bereits im April habe die AfD gefordert, die Maßnahmen zu überprüfen. Die Folgen seien zu groß, weil die Kinder Angststörungen und Bildungslücken bekämen, so Ebner-Steiner.

Grüne: Homeschooling in Bayern „abgrundtief gescheitert“

Die Grünen unterstützen die Maßnahmen der Staatsregierung damals länger als die AfD. Aber heute, im Nachhinein, sagt die Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze, die Schulen seien zu lange zu gewesen. Noch dazu habe der Distanzunterricht nicht gut funktioniert – im Gegenteil: Die von der Staatsregierung aufgesetzte Lernplattform „Mebis“ habe Lehrkräfte, Eltern und Schüler „tagtäglich zur Verzweiflung gebracht“, so Schulze. Es sei ein Armutszeugnis, dass das Homeschooling in Bayern so abgrundtief gescheitert sei.

„Hopplahopp und Symbolpolitik“ der Staatsregierung

Damals wie heute hieß die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD im Landtag Ruth Waldmann. Sie stört heute noch, dass die Staatsregierung während der Pandemie nicht dazu gelernt, sondern drei Jahre lang immer wieder das Gleiche gemacht habe.

Statt in Hotspots zu unterscheiden und sich die Ausbruchsgeschehen genau anzusehen, habe die Staatsregierung alles über einen Kamm geschoren. Vieles sei „hopplahopp“ gegangen. Ministerpräsident Markus Söder habe jeweils am Freitag verkündet, was die Schulen und Lehrer am Montag zu tun hätten. Und bei einigen Maßnahmen sei eher die Symbolpolitik statt echte Pandemie-Bekämpfung im Vordergrund gestanden, so Waldmanns Vorwurf.

Lehrerverbände: Heute gut auf Pandemien vorbereitet

Lehrerverbände wie der BLLV und der Philologenverband sind sich einig, dass sich in den vergangenen fünf Jahren viel getan hat. Es gebe weitaus mehr WLAN an den Schulen, mehr digitale Tools, die Distanzunterricht ermöglichen – und auch Unterstützung für Kinder, die sich kein eigenes Endgerät leisten können.

Laut bayerischem Kultusministerium ist der Anteil der mit WLAN erreichten Unterrichtsräume von 34 Prozent auf 89 Prozent angewachsen und statt 125.000 können die Schulen inzwischen 670.000 mobile Endgeräte nutzen (Stand: 31.12.2024). Die heutige Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) zählt zudem auf, dass sich auch personell viel getan habe. So gebe es Schulpsychologen, mehr Beratungslehrkräfte und eine deutliche Aufstockung der Lehrerfortbildung.

Distanzunterricht immer nur Notinstrument

In einem Punkt sind sich fünf Jahre nach den ersten Schulschließungen alle Fraktionen und Lehrerverbände in Bayern einig: Digitales Homeschooling kann niemals den Unterricht im Klassenzimmer ersetzen. Der BLLV schreibt in einer Stellungnahme: „Digitalisierung alleine macht keinen guten Unterricht.“ Oder einfacher ausgedrückt: Kinder brauchen Kinder, fürs Lernen und fürs Leben.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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