Warum sind die Renditen für Staatsanleihen gerade so hoch?
Dass die Renditen steigen, hat mehrere Gründe. Viele Staaten benötigen derzeit viel Geld – für Verteidigung, Transformation der Wirtschaft oder Sondervermögen. Sie bringen entsprechend mehr Anleihen auf den Markt. Steigt das Angebot, drückt das die Kurse. Hinzu kommt die Inflation. Höhere Preise erhöhen den Druck auf Notenbanken, die Zinsen anzuheben oder zumindest hochzuhalten.
Wer mit weiter steigenden Zinsen rechnet, kauft nur dann langlaufende Staatsanleihen, wenn der Staat attraktivere Konditionen bietet. Das treibt die Renditen – und die Zinskosten für Staaten und Kreditnehmer. Menschen, die einen Immobilienkredit aufnehmen, bekommen das aktuell zu spüren und müssen höhere Zinsen zahlen.
Was bedeuten hohe Zinskosten für Staaten?
Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit einer Schuldenquote von rund 63 Prozent der Wirtschaftsleistung relativ solide da. Andere Länder sind deutlich stärker belastet: Italien kommt auf etwa 140 Prozent, die USA auf rund 125 Prozent. Dennoch steigt auch hierzulande die Zinslast. Das zeigen die Haushaltspläne des Bundes: Für 2027 sind Zinsausgaben von rund 42 Milliarden vorgesehen, bis 2030 könnten sie bereits auf knapp 81 Milliarden steigen.
Hinzu kommt, dass Deutschland mit den anderen Volkswirtschaften eng verflochten ist. Die Player auf den Finanzmärkten erinnern sich an die Euro-Schuldenkrise und die beinahe Staatspleite Griechenlands vor 15 Jahren – damals waren die Renditen ebenfalls hoch. Ökonomen warnen daher vor einer neuen Staatsschuldenkrise.
Droht wirklich eine Schuldenkrise?
Der Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank, Jürgen Michels, sagt, dass wir uns noch keine Gedanken über eine Schuldenkrise machen müssen. Aber: „Wenn wir sorglos weiterhandeln, wird es ungemütlich.“ Das Worst-Case-Szenario: Unternehmen halten sich wegen der hohen Zinsen und der Unsicherheit bei Investitionen zurück. Menschen könnten ihre Jobs verlieren oder auch große Teile ihres Vermögens. Das Land würde in eine tiefe Rezession schlittern.
Jetzt sparen – und Schulden vermeiden: Davon hält der Chefvolkswirt nichts. Die Bundesregierung solle das geliehene Geld „geschickt“ einsetzen und in den kommenden Jahren ein interessanter Ort für Anleger werden.

