Gerade auf langen Autofahrten mit Kindern, im Reisebus oder auf der Fähre kann der Magen protestieren. Wer die ersten Anzeichen von Reiseübelkeit erkennt, kann oft noch gegensteuern, bevor aus dem flauen Gefühl echte Übelkeit wird.
Warum wird einem im Auto, Bus oder Schiff schlecht?
Kinetose ist der medizinische Begriff für Beschwerden, die durch Bewegung ausgelöst werden. Daher wird sie auch als Reisekrankheit, Reiseübelkeit, Seekrankheit oder Bewegungskrankheit bezeichnet. Kinetose entsteht, wenn Sinnesorgane widersprüchliche Signale senden: Das Gleichgewichtsorgan meldet Bewegung, die Augen sehen den ruhigen Innenraum eines Autos oder Schiffs. Fachleute sprechen von einem sensorischen Konflikt. Typische Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Blässe, kalter Schweiß, Kopfschmerzen, Müdigkeit und vermehrtes Gähnen.
Wer ist besonders anfällig für Reiseübelkeit?
Grundsätzlich kann jeder reisekrank werden. Studien (externer Link) zeigen jedoch, dass vor allem Frauen und Kinder betroffen sind. Besonders anfällig sind Kinder zwischen etwa sechs und zwölf Jahren. Auch Migräne, Schlafmangel und bestimmte Sitzpositionen, etwa das Mitfahren auf der Rückbank im Auto, können das Risiko für eine Reisekrankheit erhöhen.
Was hilft schnell gegen Reiseübelkeit?
Am besten hilft es, die widersprüchlichen Sinneseindrücke wieder zusammenzubringen: Nach vorn zu schauen und den Horizont oder einen festen Punkt in der Ferne zu fixieren, kann dem Gehirn helfen, die Bewegung besser einzuordnen. Zusätzlich können frische Luft und regelmäßige Pausen bei längeren Fahrten die Beschwerden lindern. Wer während der Fahrt liest oder aufs Handy schaut, kann die Übelkeit dagegen verstärken.
Auch die Platzwahl kann einen Unterschied machen: Im Auto und Bus sind die vorderen Sitze meist besser geeignet. Im Flugzeug und auf dem Schiff ist die Mitte in der Regel am ruhigsten. Auf dem Schiff kann es zusätzlich helfen, sich hinzulegen.
Was sollte man vor der Reise essen – und was besser nicht?
Sehr fettige oder schwere Mahlzeiten und Alkohol vor Reisebeginn können Beschwerden verstärken. Sinnvoller sind leichte, gut verträgliche Speisen und ausreichend Flüssigkeit. Manche Menschen berichten von Beschwerden, nachdem sie stark histaminhaltige Lebensmittel wie gereiften Käse, verarbeitetes Fleisch oder fermentierte Produkte gegessen haben. Als gesicherter Auslöser für Reisekrankheit gilt Histamin bisher jedoch nicht.
Hilft Ingwer wirklich gegen Reisekrankheit?
Ingwer gilt seit Langem als Hausmittel gegen Übelkeit. Studien liefern bisher keine eindeutigen Ergebnisse, ob er tatsächlich zuverlässig gegen Reisekrankheit hilft. Wer Ingwer in höherer Dosierung einnehmen möchte, schwanger ist, gerinnungshemmende Medikamente einnimmt oder an einer Vorerkrankung leidet, sollte vorher in der Arztpraxis oder Apotheke nachfragen. Bei starkem Erbrechen reicht Ingwer allein nicht aus.
Welche Medikamente helfen gegen Reisekrankheit?
Viele rezeptfreie Mittel gegen Reisekrankheit enthalten Dimenhydrinat oder Diphenhydramin. Sie können Übelkeit und Erbrechen vorbeugen oder die Beschwerden lindern, können aber häufig müde machen. Je nach Präparat nimmt man sie etwa 30 bis 60 Minuten vor Reisebeginn ein. Wichtig ist, die Angaben im Beipackzettel zu beachten, besonders zur Dosierung und zu Altersgrenzen.
Wann sind Pflaster gegen Reiseübelkeit sinnvoll?
Scopolamin-Pflaster können eine Option für längere oder besonders belastende Reisen sein, zum Beispiel bei längeren Schiffsfahrten. Das Pflaster wird vor Reisebeginn hinter dem Ohr aufgeklebt und kann bis zu etwa drei Tage wirken. Da Scopolamin Nebenwirkungen verursachen kann und nicht für alle Menschen geeignet ist, sollte die Anwendung vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden. Als Nebenwirkungen können Müdigkeit oder Benommenheit auftreten. Häufig können außerdem trockener Mund, Sehstörungen oder Verwirrtheit auftreten.
Bringen Akupressur-Armbänder bei Reisekrankheit etwas?
Akupressur-Armbänder drücken auf den P6-Punkt am Handgelenk. Einige Menschen berichten, dass sie dadurch weniger Übelkeit verspüren. Die Studienlage zur Wirksamkeit bei Reisekrankheit ist jedoch nicht eindeutig. Als ergänzende Maßnahme können die Armbänder ausprobiert werden. Bei starken Beschwerden oder wiederholtem Erbrechen reichen sie jedoch nicht aus.
Reisekrankheit: Wann sollte man zum Arzt gehen?
Wenn Betroffene ständig erbrechen, kaum Flüssigkeit bei sich behalten können, stark benommen wirken oder Vorerkrankungen haben, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Besonders bei Kindern kann der Flüssigkeitsverlust schnell problematisch werden, weil häufiges Erbrechen zu einer Austrocknung führen kann. Schwangere, ältere Menschen und Personen mit Dauermedikation sollten die Einnahme von Mitteln gegen Reisekrankheit vorher abklären. Für Reisen empfiehlt das LMU Klinikum München (externer Link) zudem, wichtige Dauermedikamente im Handgepäck mitzunehmen und die Reiseapotheke an persönliche Bedürfnisse anzupassen.

