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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Weniger Pestizide nötig: Drohnen spüren Unkraut auf
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Weniger Pestizide nötig: Drohnen spüren Unkraut auf

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 15. Juni 2026 08:47
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Besorgt bückt sich Simon Loefflad zu einem ganzen Nest an Disteln auf einem Zuckerrüben-Acker des Bayerischen Staatsguts Schwarzenau. Die Disteln müssen dringend und schnell bekämpft werden, weil sie sich unterirdisch immer weiter vermehren. Das Problem: Disteln wachsen nicht verteilt auf der gesamten Ackerfläche, sondern immer nur inselartig, als Nester. Deshalb will er nicht mit großflächig Pestizide ausbringen, sondern gezielt die Disteln treffen. Loefflad lässt eine rund 4.000 Euro teure Spezialdrohne aufsteigen und das Feld nach dem Unkraut absuchen.

Inhaltsübersicht
Drohne erkennt Unkraut anhand von Sensoren und KIDrei Jahre Praxisversuch auf dem FeldDigitale Unkrautbekämpfung punktgenauDrohne als neue Landmaschine?

Drohne erkennt Unkraut anhand von Sensoren und KI

Die Drohne findet mit speziellen Sensoren und anhand von Künstlicher Intelligenz Disteln, speichert ab, wo genau sie wachsen. Das funktioniert in Kombination mit Geodaten von Satelliten auf den Zentimeter genau. Nach nur 15 Minuten ist der fünf Hektar große Acker abgeflogen. Nach der Landung entnimmt Loefflad aus der Drohne die auf einer Speicherkarte gesammelten Daten und lässt am Computer im Büro eine digitale Applikationskarte berechnen – für die Pflanzenschutzspritze, damit diese dann beim Ausbringen des Spritzmittels genau weiß, wo sie Düsen öffnen soll und wo nicht. Auf der Applikationskarte sieht der Praktiker am Bildschirm orange markiert die dokumentierten Distelpflanzen.

Drei Jahre Praxisversuch auf dem Feld

Loefflad ist Projektleiter eines auf drei Jahre angelegten Praxisversuchs auf Flächen der Bayerischen Staatsgüter Schwarzenau, Almesbach und Grub. Er will mit seinem Team herausfinden, wo und wie sich Pflanzenschutzmittel mit modernster Technik einsparen lassen – im praktischen Feldversuch.

Konstantin Rhöther, der Betriebsleiter Staatsguts Schwarzenau, kommt mit einem USB-Stick aus dem Büro: Darauf ist die berechnete digitale Applikationskarte gespeichert. Er lädt die Daten in den Bordrechner der Pflanzenschutzspritze und weiß auch genau, dass er beinahe 90 Prozent weniger Spritzmittel einfüllen muss, als wenn er die gesamte Fläche spritzt.

Auch bei der Distelbekämpfung im Mais oder in Getreide kommt Röther stets auf mindestens 50 Prozent Einsparung. Das spart Geld, entlastet die Umwelt und nebenbei auch die jeweilige Kultur. Denn: Jede Herbizid-Maßnahme, jede chemische Unkrautbekämpfung stresst immer auch die Kulturpflanze.

Digitale Unkrautbekämpfung punktgenau

Konstantin Röther hat seine Spritze mit der am Rechner kalkulierten Menge befüllt, steigt auf den Traktor, steckt den USB-Stick mit der Applikationskarte in den Bordrechner für die Pflanzenschutzspritze und fährt los. Tatsächlich sprühen eine oder mehrere Düsen immer nur genau über den Disteln auf das Unkraut.

„Es funktioniert wirklich auf den Zentimeter genau“, sagt Röther. Er gibt aber zu bedenken, dass diese ganze Technologie für einzelne Landwirtinnen und Landwirte eine große Herausforderung ist. Da müsse man sich erst aufwendig „hineinfuchsen“ wie er es nennt. Man brauche eine teure Spezialdrohne, den Drohnenführerschein und vor allem viel Zeit für die Bildanalyse und die Erstellung der Karten.

Drohne als neue Landmaschine?

Die bisherigen Erfahrungen der Bayerischen Staatsgüter zeigen, dass die digitale Unkrautbekämpfung besonders gut in Reihenkulturen wie Rüben, Mais, Soja oder Zwiebeln funktioniert. Aber die KI lernt ständig dazu, erkennt immer besser auch etwa im Getreide Unkraut. Schwierig sei für die Drohne das Unterscheiden etwa von Ackerfuchsschwanz und anderen Schadgräsern im dichten Getreidebestand, da stoße die Technik an ihre Grenzen.

Das Mitarbeiterteam veranstaltete auf den Staatsgütern Almesbach und Grub Feldvorführungen mit professionellen landesweit tätigen Start-up-Unternehmen, die digitale Unkrautbekämpfung als Dienstleistung anbieten. Für rund 30 Euro pro Hektar erfassen sie mit der Drohne Unkraut und liefern dem Landwirt eine digitale Applikationskarte, die in jeder modernen Pflanzenschutzspritze dann punktgenaues und sparsames Spritzen ermöglicht. Vielleicht kann die Drohne künftig als neue Landmaschine eingesetzt werden, ganz selbstverständlich, wie Mähdrescher oder Traktor.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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