Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber in diversen Verhandlungsrunden feilschen, beispielsweise über Dinge wie die Höhe von Einkommen, dann spricht man in Deutschland in der Regel von der Tarifpartnerschaft. In der aktuellen Auseinandersetzung zwischen der Lufthansa und den Fachgewerkschaften Vereinigung Cockpit (Piloten) und UFO (Flugbegleiter) fällt es allerdings schwer, überhaupt noch Ansätze von Partnerschaft zu erkennen.
Zu kompromisslos wirken die jeweiligen Positionen, zu aggressiv ist der Ton. Sprach man früher in der Frankfurter Zentrale gerne über die große Lufthansa-Familie, wirkt diese derzeit höchst dysfunktional.
CityLine-Aus als Karte im Machtpoker?
Auf der Arbeitgeberseite wirft der normalerweise besonnen auftretende Personalvorstand Michael Niggemann der Gewerkschaft UFO vor, ihr sei das Schicksal der Fluggäste und die Zukunft der Lufthansa insgesamt „völlig gleichgültig“. Umgekehrt keilte UFO-Verhandlungsführer Harry Jäger, das Verhalten des Konzerns sei „offener Krieg gegen die eigenen Leute“.
Jüngster Höhepunkt in der Auseinandersetzung ist die Ankündigung der Lufthansa, die Tochter CityLine mit sofortiger Wirkung stillzulegen. Davon betroffen sind 27 Flugzeuge und rund 2.200 Beschäftigte, die bisher vor allem Regionalstrecken zu den beiden Konzern-Drehkreuzen München und Frankfurt bedienten. Zwar war schon länger bekannt, dass CityLine mittelfristig vor dem Aus stand. Zum aktuellen Zeitpunkt kam die Entscheidung aber völlig überraschend.
Besonders pikant im zerrütteten Verhältnis zwischen Konzern und Gewerkschaften: Lufthansa begründete die Stilllegung der nach Firmenangaben defizitären CityLine nicht nur mit hohen Betriebskosten der vergleichsweise alten Flotte oder dem sprunghaften Anstieg der Kerosinpreise, sondern explizit auch mit den jüngsten Streiks und deren finanziellen Folgen.
Unter Kennern des Unternehmens gilt der harte Schnitt auch als Machtbeweis und Beleg dafür, dass Konzernchef Carsten Spohr inzwischen auch bereit ist, mit harten Bandagen zu kämpfen.
Streiks kosten Geld und Ansehen
Wieviel Geld die jüngsten Arbeitskämpfe die Lufthansa gekostet haben, ist bisher nicht genau bekannt. Nimmt man jedoch Erfahrungswerte aus vergangenen Jahren zum Maßstab, dann dürfte die Belastung deutlich im dreistelligen Millionenbereich liegen. So entgehen dem Unternehmen nicht nur Umsätze. Die betroffenen Passagiere haben zu einem Großteil auch Anspruch auf Entschädigungen sowie in vielen Fällen auf Verpflegung und Unterbringung.
Dazu kommt der Schaden für das Image: Galt die Lufthansa einst als Inbegriff von Stabilität, spotten Vielflieger heute über die „Streikhansa“, deren Flugplan inzwischen ähnlich unzuverlässig sei wie bei der viel gescholtenen Deutschen Bahn.
Unzufriedene Vielflieger
Für Unmut unter Vielfliegern, und damit eigentlich den treuesten Lufthansa-Kunden, sorgen aber auch andere Entscheidungen des Konzerns. So gestaltete sich der Wechsel des Kreditkartenanbieters (externer Link, eventuell Bezahlinhalt) für das firmeneigene Treueprogramm Miles and More zu einem Imagedesaster. Viele Kunden beschwerten sich über einen bürokratischen und schwer durchschaubaren Umstellungsprozess, der ihnen aufgebürdet werde.
Dazu kommt die schleppende Umrüstung der Kabinen der Langstreckenflotte auf den neuen Standard „Allegris“. Und selbst diese jahrelang vorbereitete Renovierung läuft nicht ohne Probleme ab. So ist das angeblich umfassend getestete Sitzkonzept gar nicht für alle Flugzeugtypen geeignet. In entsprechenden Foren ist deshalb längst von einem Schildbürgerstreich die Rede.
Und nicht zuletzt beschweren sich zahlreiche erfahrene Kunden über einen hochnäsigen Umgang mit Beschwerden und eine nachlassende Qualität der Hotlines, gerade in Notfällen. Für den Lufthansa-Vorstand ist der aktuelle Tarifkonflikt also nur eine von zahlreichen Baustellen.

