Die Gnadenkapelle im oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting ist am Wochenende das Ziel tausender Jugendlicher und junger Erwachsener. Aus dem ganzen Bistum Passau sind sie am Donnerstag und Freitag aufgebrochen – zu Fuß, mit Etappenstopps auf dem Weg.
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Isabella Jaufmann ist in Grafenau losgelaufen. 137 Kilometer Fußmarsch von Altötting entfernt. „Um kurz nach drei bin ich dafür aufgestanden“, sagt sie am ersten Tag. Aber sie findet, es hat sich gelohnt. Bei traumhaften Wetter und angenehmen Temperaturen führt der wildromantische Weg sie und etwa 30 weitere Pilger ihrer Gruppe am Ufer der Oberen Ilz entlang, gesäumt von von bemoosten Felsen und Baumwurzeln.
Aufatmen nach der Nazizeit
Tagesetappen von bis zu 50 Kilometern schafft man nur im Team, ist die junge Frau überzeugt: „Da trägt jeder seinen Teil dazu bei, dass man bis nach Altötting kommt.“ Neben ihrem Rucksack trägt sie eine große, mintgrüne Fahne mit dem Logo KLJB, der Katholischen Landjugendbewegung Bayern. In diesem Jugendverband engagiert sich Jaufmann im Vorstand. Viele der Jugendverbände sind bei der Fußwallfahrt mit dabei.
Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg, 1946, fand sie das erste Mal statt. Ein Jahr nach dem Ende des Kriegs waren die Nachwirkungen des nationalsozialistischen Terrors immer noch spürbar. Die katholische Jugendarbeit hatte unter der NS-Diktatur stark gelitten. „Alle Jugendlichen, Mädchen wie Buben, mussten ja in die sogenannte Hitlerjugend gehen“, erinnert der heutige Altöttinger Wallfahrtsdirektor Pfarrer Klaus Metzl an die historische Bedeutung der Jugendfußwallfahrt. „Und deswegen war nach dem Krieg ein großes Aufatmen und eine große Begeisterung: Jetzt können wir wieder unseren Glauben leben und auch öffentlich zeigen.“
Beziehungen und Ideen, von denen man das ganze Jahr zehrt
Eine Begeisterung, die auch heute noch spürbar ist. Viele Teilnehmer gehen jedes Jahr mit. So auch Studentin Pauline. Zum neunten Mal ist sie dabei – erkennbar an den vielen kleinen Holz-Kreuzen, die an ihrem Rucksack baumeln. Jedes Jahr gibt es ein neues. Heuer ist es aus Buchenholz. Pauline ist gemeinsam mit ihren Freundinnen unterwegs. Jedes Jahr läuft sie aus einem anderen Grund, mal sieht sie die Wallfahrt als persönliche Challenge, um an ihre Grenzen zu kommen, mal geht sie wegen der Gemeinschaft mit. „Dieses Jahr ist ein neuer Lebensabschnitt für mich.“ Was genau das bedeutet, will sie nicht verraten, aber sie hofft, dass die Wallfahrt zur Schwarzen Madonna dazu beiträgt, dass es auch auf ihrem neuen Weg „läuft, wie man sich das vorstellt“.
Eine Frau mittleren Alters läuft sogar mit einem großen Holzkreuz. Zum 29. Mal pilgert sie mit. Angefangen hat sie mit 22 Jahren. „Damals hab ich eine Prüfung gemacht und versprochen, wenn ich das schaffe, dann gehe ich mit.“ Das gemeinsame Wallfahrten verbinde ihre ganze Familie, sagt sie. Als ihre Mutter schwerkrank war, ist sie für sie gelaufen. Und auch nach ihrem Tod läuft sie weiter.
6.000 Pilger in Altötting erwartet
Immer wieder halten die Wallfahrer auf ihrem Weg inne, um sich in kurzen Andachten auf das Wesentliche ihres Weges zu besinnen. Johannes Geier ist Jugendseelsorger in der Diözese Passau, begeisterter Pilger und hat die Wallfahrt mitorganisiert. Die Jugendfußwallfahrt ist für ihn wie ein Familientreffen, mit alten Gesichtern, aber auch neuen Bekanntschaften. „Da entstehen neue Ideen, neue Gespräche, neue Beziehungen und die kann man einfach das ganze Jahr über brauchen.“
Bis Samstagabend rechnen die Veranstalter mit insgesamt rund 6.000 Teilnehmenden, die von den drei Hauptrouten zum abendlichen Gottesdienst in Altötting einziehen werden.

