Auf Kriegsfuß mit dem sozialistischen Realismus
Außerdem machte er keine Kompromisse. Weil er sich beim Kunststudium in der DDR nicht mit dem verordneten „sozialistischen Realismus“ anfreunden wollte, legte er sich so lange mit dem Kunstregime an, bis er wegen „gesellschaftlicher Unreife“ in den Westen Berlins wechseln konnte.
Dort stand er dann gleich wieder quer zum Trend und zu allen Moden. Es war die Zeit, in der sich nur abstrakte Malerei modern nennen durfte. Georg Baselitz aber schuf fast ausschließlich Figuratives. Er stellte sich damit in eine in den 60er Jahren nur noch von dem Engländer Francis Bacon gepflegte Tradition.
Immer expressiv
Und dann die Motive: Soldaten mit offenen Hosen. Tiefbraun-hässliche Wälder. Und: Ein kleines Männchen, das in einen Eimer onaniert. „Die große Nacht im Eimer“ heißt dieses Gemälde, das 1963 einen Kunstskandal provozierte. Langfristig sollte diese erfolgreiche Provokation der Bekanntheit von Georg Baselitz zuträglich sein. Kurzfristig brachte sie ihn an den Rand der Privatinsolvenz.
Typisch für Baselitz ist auch sein expressiver Farbeinsatz. Baselitz malte gern mit der Leinwand auf dem Fußboden. Spuren seiner Finger und sogar seiner Füße sind die logische Folge. Seine Holzskulpturen schuf der Sammler afrikanischer Plastiken und von Alt-Meister-Graphik mit der Kettensäge.
Bis ins hohe Alter veränderungsbereit
Bis ins hohe Alter blieb Georg Baselitz also ein junger, wilder Künstler. Immer wieder verstand er es, durch neue Werkideen seinen Kunstgenerator anzuwerfen. Einmal entstanden acht Jahre lang „Russenbilder“, Werke des Sozialistischen Realismus seiner Jugend, nachgemalt mit der Baselitz-Pranke. Danach „Remix“: Sein eigenes Frühwerk noch einmal neu interpretiert – sehr viel bunter, weniger dunkeldeutsch.
Schon zu Lebzeiten war Baselitz ein Klassiker. Und auch ein Künstlerfürst, irgendwie.

