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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Täglich 338 Wörter weniger“: Werden Gespräche immer kürzer?
Kultur

„Täglich 338 Wörter weniger“: Werden Gespräche immer kürzer?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 6. Mai 2026 15:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Laut Forschern der University of Arizona findet immer weniger mündliche Kommunikation statt. Für den Psychologen Matthias Mehl von der University of Arizona ist das ein messbares Zeichen für zunehmende Einsamkeit und den Verlust sozialer Kontakte [externer Link]: „Die geschätzte Anzahl der täglich gesprochenen Wörter sank jährlich um 338.“ Das habe die Auswertung von insgesamt 22 Studien mit rund 2.200 Probanden über einen Zeitraum zwischen 2005 und 2019 ergeben.

Inhaltsübersicht
Forscher: Alltagsgespräche nehmen ab„Rutschen wir in die Sprachlosigkeit?“„Das summiert sich“„Selbstreflexion macht Leben lebenswerter“

Dabei schließt Mehl aus, dass sich die Teilnehmer absichtlich in ihrem Wortschatz beschränkt haben, denn in den analysierten Studien sei es ausdrücklich nicht um Kommunikation gegangen, sondern um ganz andere Themen, etwa medizinische und soziale Fragen wie zum Beispiel die Bewältigung einer Scheidung.

Forscher: Alltagsgespräche nehmen ab

„Die Teilnehmenden hatten keine Ahnung, dass die Zahl ihrer gesprochenen Wörter jemals auf diese Weise analysiert würde, was jegliche Befürchtung ausschließt, dass sie ihr Verhalten einer Hypothese angepasst haben könnten“, so Mehl in einem Interview auf der Homepage der Universität.

Ein Grund für die gemessene Wortkargheit sei sicherlich der stetige Griff nach dem Smartphone, weshalb jüngere Leute unter 25 auch besonders wenig mündlich kommunizierten. Allerdings würden auch Ältere im Alltag viel weniger plaudern: „Wir haben viele kleine, beiläufige Gespräche aufgegeben: die Kassiererin um Hilfe bitten, einen Fremden nach dem Weg fragen, mit dem Nachbarn plaudern.“

„Rutschen wir in die Sprachlosigkeit?“

Hätten die Menschen im Jahr 2005 noch täglich rund 16.000 Wörter zur mündlichen Kommunikation verwendet, seien es 2019 nur noch 12.700 gewesen, so die viel beachtete Studie, die im vergangenen März unter dem Titel „Rutschen wir in die Sprachlosigkeit?“ in der Fachzeitschrift „Perspectives in Psychological Science“ veröffentlicht wurde [externer Link].

Mehl räumt ein, dass sich große Teile der menschlichen Kommunikation ins Netz verlagert haben: „Die Gesamtwortzahl über alle Kanäle hinweg ist vielleicht nicht gesunken, sondern hat sich sogar erhöht. Es ist aber die Frage, ob das den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Gesprochene Worte transportieren etwas, was geschriebenen Worten oft fehlt – Präsenz, Tonfall, die Spontaneität eines echten Austauschs. Ob Menschen, die mehr texten, aber weniger sprechen, sozial besser dran sind, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Ich denke nicht, dass wir annehmen können, dass beides gleichzusetzen ist.“

„Das summiert sich“

Da die statistischen Daten hauptsächlich aus den USA und Europa stammten, wollte der Psychologe den Trend nicht weltweit verallgemeinern. Womöglich sei „ungezwungene Kommunikation“ durch das gesprochene Wort anderswo noch geläufiger als in den westlichen Industrieländern. Andererseits sei die Auswertung der Studien bereits 2019 abgeschlossen worden und die nachfolgende Pandemie habe die gemessenen Trends sicherlich noch verstärkt.

Gefragt, ob es Grund zur Besorgnis gebe, verwies Matthias Mehl auf Erhebungen, wonach Einsamkeit und soziale Isolation den Westen immer stärker prägten. Es gehe nicht darum, dass die Menschen auf längere Gespräche verzichteten, sondern dass sie in zahlreichen Alltagssituationen einsilbiger würden: „Das summiert sich, und das Fehlen dieser Momente ebenfalls.“

„Selbstreflexion macht Leben lebenswerter“

Matthias Mehl hatte 2007 bereits untersucht [externer Link], ob Frauen wirklich gesprächiger sind als Männer, wie es ein verbreitetes Vorurteil will. Rund 400 Versuchspersonen bekamen damals Aufzeichnungsgeräte, die ihre mündliche Kommunikation festhielten. Ergebnis: Frauen und Männer nutzten seinerzeit noch gleichermaßen rund 16.000 gesprochene Wörter täglich.

2010 kam der Psychologe in einer Studie für die Fachzeitschrift „Psychological Science“ [externer Link] zum Ergebnis, dass ein Wortschwall als solcher, etwa während eines unverbindlichen, banalen Smalltalks, die daran beteiligten Akteure nicht glücklicher macht. Vielmehr seien es „tiefgründige Gespräche“, die das Wohlbefinden förderten. Sie könnten sinnstiftend sein, wie auch die Selbstoffenbarung, die Beziehungen ein „Gefühl von Intimität“ gäbe. Fazit: „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Menschen ihr Leben als lebenswerter empfinden, wenn sie es reflektieren – und zwar gemeinsam.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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