„Weltweit nehmen Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen zu, vor allem Darm- und Brustkrebs„, sagt Professor Jens M. Werner von der Universität Regensburg, Fachbereich Chirurgische Onkologie. In den drei Jahrzehnten seit 1990 ist die Zahl der Krebsdiagnosen bei unter 50-Jährigen weltweit um fast 80 Prozent gestiegen, berichtete eine internationale Forschungsgruppe im Fachjournal BMJ Oncology bereits 2023.
Kein Grund zur Panik, sagt Werner, wichtig sei vielmehr eine Sensibilisierung für körperliche Frühwarnsignale. Außerdem sei die Datenlage nicht so eindeutig, sagt das Deutsche Krebsforschungszentrum. Aufgrund des Bevölkerungswachstums gibt es nämlich insgesamt mehr junge Menschen und dadurch in absoluten Zahlen auch mehr junge Frauen und Männer mit Krebs.
Bayern: Zahl junger Erwachsener mit Darmkrebs-Diagnose steigt
Für eine Krebsart bestätigen jedoch auch deutsche Forscher steigende Zahlen bei jüngeren Menschen, nämlich Darmkrebs. Laut statistischem Bundesamt werden mehr Millenials, also 20- bis 29-Jährige, wegen Darmkrebs im Krankenhaus behandelt, von 2003 bis 2023 ist ihre Zahl bundesweit von 360 auf 520 gestiegen. Auch in Bayern belegen die Zahlen eine deutliche Zunahme.
Ein Vergleich über insgesamt 13 Jahre zeigt hier einen Anstieg von 19 Prozent in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen. Im Zeitraum von 2005 bis 2007 wurden pro Jahr circa 512 Personen diagnostiziert. In den Jahren 2017 bis 2019 stieg diese Zahl auf rund 608 Personen jährlich an. Veröffentlicht wurden diese Ergebnisse 2022 in der Fachzeitschrift „Frontiers in Oncology“ von einem Forscherteam um Sven Voigtländer vom Bayerischen Krebsregister.
Pflanzenschutzmittel als möglicher Darmkrebs-Verursacher
Neu in den Fokus der Forscher geraten sind Pflanzenschutzmittel. Darüber berichtete im April 2026 „Nature Medicine“, ein weltweit führendes Medizinisches Wissenschaftsjournal. Demnach gab es epigenetische Fingerabdrücke des Herbizides Picloram in den Tumoren der Patienten, vor allem bei den Jüngeren. Rückstände der Herbizide konnte man in Pflanzen und Fleischprodukten nachweisen.
Laut Publikation waren Ältere dieser Substanz noch nicht ausgesetzt waren, da sie erst 1964 in den USA eingeführt wurde. Die Studie liefert damit aber noch keinen Beweis. Den Wirkstoff Picloram enthalten auch einige Herbizide in Deutschland.
Anstieg an Darmkrebs: Lebensstil als einer von vielen Faktoren
Was genau den Anstieg von Darmkrebs-Diagnosen bei jungen Menschen begünstigt, ist bislang nicht eindeutig belegt. Fest steht aber: Es gibt nicht den einen Grund, sondern viele mögliche.
Internationale Studien zeigen: Wer sich zu wenig bewegt, übergewichtig ist und sich schlecht ernährt, der ist einem höheren Risiko ausgesetzt, an Darmkrebs zu erkranken. Auch der häufige Konsum von rotem Fleisch, von Süßgetränken und industriell verarbeiteten Lebensmittel fördern Darmkrebs, ebenso Alkohol und Rauchen.
Symptome frühzeitig erkennen – für bessere Heilung
Abgeschlagenheit, Blut im Stuhl, Verdauungsstörungen: Wenn junge Menschen diese Symptome haben, dann warten sie oft ab. Auch die Hausärzte schicken die Betroffenen oft nicht sofort zum Darm-Screening weiter, bestätigen Beratungsstellen.
Denn Patienten mit Darmkrebs sind zum Zeitpunkt der Diagnose in Deutschland durchschnittlich knapp 70 Jahre alt. Doch auch bei unter 50 Jahren kann eben eine Darmkrebserkrankung hinter den Symptomen stecken. Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen.
Wer die Diagnose Krebs erhält, ist unabhängig von seinem Alter erst einmal geschockt. Hilfe bietet das BürgerTelefonKrebs des Bayerischen Zentrums für Krebsforschung (BZFK). Hier erhalten Betroffene kostenlose Hilfe, vertraulich und anonym, und zwar unter der Telefonnummer 0800-85 100 80, Montag und Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr.

