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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Ausbruch auf Kreuzfahrt: Alles Wichtige über das Hantavirus
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Ausbruch auf Kreuzfahrt: Alles Wichtige über das Hantavirus

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 5. Mai 2026 15:48
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Obwohl zwischen Kap Verde und Bayern fast 5.000 Kilometer liegen: Die Situation auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff „Hondius“, das derzeit vor der afrikanischen Nordwestküste liegt, sorgt auch hierzulande für Schlagzeilen. Bisher sind drei Teilnehmende der Kreuzfahrt gestorben, höchstwahrscheinlich an einer Infektion mit dem Hantavirus. Was man darüber wissen sollte und was den Ausbruch besonders macht – alles Wichtige im Überblick.

Inhaltsübersicht
Welche Krankheitsbilder verursachen Hantaviren?Wie gut kann man Erkrankungen behandeln?Wie wird das Virus übertragen?Wie viele Fälle gibt es hierzulande?Wie hoch ist die Dunkelziffer?Wie kann man sich schützen?Wie ist die Lage auf dem Kreuzfahrtschiff?

Welche Krankheitsbilder verursachen Hantaviren?

Hantaviren lösen vor allem zwei Krankheitsbilder aus. In Europa und Asien dominiert die HFRS-Form. Die Symptome: plötzliches hohes Fieber, starke Kopf‑, Muskel‑ und Rückenschmerzen, später Nierenbeteiligung bis zum akuten Nierenversagen, teils mit Blutungsneigung. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) liegt die Sterblichkeit für die in Deutschland vorkommenden Hantavirus-Erkrankungen insgesamt deutlich unter einem Prozent.

In Nord- und Südamerika steht das Hantavirus‑Lungen- beziehungsweise kardio‑pulmonale Syndrom (HPS/HCPS) im Vordergrund. Nach grippeähnlichem Beginn kann es rasch zu schwerer Atemnot, Lungenödem und Kreislaufversagen kommen – mit deutlich höherer Sterblichkeit von bis zu 40 Prozent je nach Viruslinie und Versorgungssituation. Ebenfalls wichtig zu wissen: Die Inkubationszeit, also die Zeit bis zum Auftreten von Symptomen, ist mit zwei bis vier Wochen relativ lang.

Wie gut kann man Erkrankungen behandeln?

In Europa gibt es weder eine zugelassene Standardimpfung noch ein breit eingesetztes spezifisches Medikament gegen Hantaviren. Die Behandlung konzentriert sich auf die Symptome: Fiebersenkung, Schmerztherapie, Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, bei Bedarf Dialyse. Vor allem bei den in Deutschland typischen Verläufen genesen die meisten Betroffenen ohne bleibende Schäden. In schweren Fällen können allerdings dauerhafte Nierenschäden zurückbleiben.

Wie wird das Virus übertragen?

Hantaviren werden in der Regel von infizierten Nagetieren wie Rötelmäusen oder Wanderratten auf den Menschen übertragen. Die Viren stecken in Urin, Kot und Speichel der Tiere. Menschen infizieren sich meist, wenn sie virusbelasteten Staub einatmen oder wenn kontaminiertes Material auf verletzte (Schleim-)Haut gelangt. Für die in Europa vorkommenden Hantaviren gilt: Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach heutigem Wissen äußerst unwahrscheinlich.

Allerdings wurde in Südamerika für das Andes-Virus (eines der Hantaviren) eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung in Einzelfällen nachgewiesen. Das scheint auch für das Kreuzfahrtschiff zu gelten: Wie die WHO am Dienstag mitteilte, gehe man von einer Übertragung von Mensch zu Mensch „bei sehr engem Kontakt“ aus. Der erste auf dem Schiff erkrankte Passagier habe sich wohl infiziert, bevor er an Bord gegangen sei. Die Kreuzfahrt hatte Ende März in Argentinien begonnen.

Wie viele Fälle gibt es hierzulande?

In Bayern verzeichnete das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) für das Jahr 2024 insgesamt 56 bestätigte Hantavirus-Fälle (externer Link). Seit dem Jahr 2000 schwanken die jährlichen Zahlen im Freistaat zwischen 12 und 438 Fällen. Deutschlandweit wurden im Jahr 2024 insgesamt 425 Fälle gemeldet.

Wie hoch ist die Dunkelziffer?

Das LGL geht davon aus, dass ein „nicht unerheblicher Teil“ der Hantavirus-Infektionen ohne oder nur mit unspezifischen Symptomen verläuft. Laut dem RKI zeigen Antikörperstudien, dass rund ein Prozent der Bevölkerung Kontakt mit dem hierzulande vorherrschenden Hantavirus hatte. Beides spricht dafür, dass die „echte“ Zahl der Infektionen deutlich höher liegt als die offiziell gemeldeten Fälle.

Wie kann man sich schützen?

Kein direkter Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren: Das ist die wichtigste Regel. Allerdings kann es schon reichen, das Virus über aufgewirbelten Staub einzuatmen – etwa beim Fegen eines Schuppens oder Kellers. Deshalb können Staubmasken, Handschuhe und feuchtes Wischen statt trockenem Fegen helfen.

Wie ist die Lage auf dem Kreuzfahrtschiff?

Auf dem vor Kap Verde festsitzenden Kreuzfahrtschiff „Hondius“ hat sich die Zahl der Hantavirus-Fälle bis Dienstagmittag weiter erhöht. Laut WHO-Angaben wurden inzwischen sieben bestätigte oder vermutete Infektionen registriert. Darunter sind drei Tote (zwei Niederländer, ein Deutscher), eine schwer erkrankte Person sowie drei weitere Passagiere mit milden Symptomen.

Rund 150 Menschen – überwiegend aus Großbritannien, den USA und Spanien – sind weiter auf dem Schiff. Es soll nun Kurs auf die Kanarischen Insel nehmen. Spanien erklärte sich laut der WHO bereit, die „Hondius“ anlegen zu lassen. An Bord gelten laut dem Betreiber strenge Vorsichtsmaßnahmen wie „Isolationsmaßnahmen, Hygieneprotokolle und medizinische Überwachung“.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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