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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > DOK.fest eröffnet mit einem Film über Ingeborg Bachmann
Kultur

DOK.fest eröffnet mit einem Film über Ingeborg Bachmann

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 6. Mai 2026 15:47
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Ein früher Morgen in Rom. Und eine Frau – Ingeborg Bachmann – auf einer Dachterrasse, auf zwei Stühlen schlafend. Dann erwacht sie, bewegt langsam den Kopf, schaut in den Himmel. Über ihr die Stare. Beeindruckende Formationen.

Inhaltsübersicht
Sandra Hüller spielt Ingeborg BachmannZerrissenheit, Traurigkeit und SelbstbehauptungLesungen und Texte von Ingeborg Bachmann

Ganz behutsam eröffnet Regina Schilling ihren Dokumentarfilm über Ingeborg Bachmann. Das Bild der Starenschwärme taucht darin immer wieder auf, eine markante Setzung. Die Filmemacherin (und Vielleserin) beschäftigt sich seit langem mit dem Werk der Schriftstellerin. „Bei Bachmann habe ich das erste Mal gemerkt: Ah, okay, das ist doch eine weibliche Perspektive, aus der hier geschrieben wird. Und irgendwie sind die Frauenfiguren hier vollkommen anders. Und das hat mich sehr berührt.“

Sandra Hüller spielt Ingeborg Bachmann

Der Film „Ingeborg Bachmann. Jemand, der ich einmal war“ erkundet das Leben und Schreiben der 1926 geborenen Schriftstellerin auf verschiedene Weise. Es gibt Archivmaterial, Fotos, Film- und Tonsequenzen, Interviews und öffentliche Auftritte. Es gibt aber auch eine zentrale fiktive Ebene: Sandra Hüller spielt Ingeborg Bachmann, einen Tag lang, in und um Rom.

Bachmann sei damals ihrer Zeit weit voraus gewesen, sagt Schilling. „Sprache, Gender, die ganze Thematik um patriarchale Strukturen – ohne, dass sie das jemals so genannt hätte. Das hat mich wirklich angesprungen. Und darum war meine Hoffnung von Anfang an: Wie kann ich das in die Gegenwart bringen, ohne dass es peinlich wird?“

Zerrissenheit, Traurigkeit und Selbstbehauptung

Die Übernahme der Rolle wird im Film thematisiert, als „Geisterbeschwörung“. Auch verschmelzen Gegenwart und historisch rekonstruiertes Setting immer wieder miteinander: Einmal etwa, als Sandra Hüller als Ingeborg Bachmann mit dem E-Roller zum Zeitungskiosk fährt. Es ist bewegend, ihr dabei zuzuschauen, wie sie sich die Lebensgeschichte aneignet. Und wie es ihr gelingt, Zerrissenheit, Traurigkeit und ebenso Selbstbehauptung Ingeborg Bachmanns dazustellen.

Bachmann sei in der Rezeption oft als Opfer stilisiert worden: die leidende Frau, das Opfer, sagt Regina Schilling. „Und in meinem Film, je weiter er fortschreitet, möchte ich auch dieser Opferrolle entgegenarbeiten. Und das war auch ein ganz großes Anliegen von Sandra Hüller: Dass wir sie nicht als Opfer zeigen wollten.“

Lesungen und Texte von Ingeborg Bachmann

Regina Schilling folgt der Biographie Ingeborg Bachmanns chronologisch, beginnend in der Kindheit in Kärnten. Die Beziehungen zu Paul Celan, Hans-Werner Henze und Max Frisch werden gespiegelt. Ebenso literarische Ehrungen, die Gruppe 47, ihre „Übersiedlung“ von der Lyrik in die Prosa, die oft befremdlichen Reaktionen des weitgehend männlichen Literaturbetriebes. Zu den vielen Bildern kommen beständig – im Originalton und in Lesungen – Texte von Ingeborg Bachmann. Der Kern. „Das war mir wichtig, den geistigen Prozess, den Bachmann durchgemacht hat, darzustellen oder näher zu bringen“, sagt Regina Schilling.

Und das ist ihr gelungen, auf eine intensive und zugleich im schönen Sinn spielerische Weise, ohne jedes Pathos. Eine besondere Annäherung. In Ingeborg Bachmanns Literatur ist noch so viel zu entdecken.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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