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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Blut ist Russlands Kunst!“: Proteste zum Biennale-Auftakt
Kultur

„Blut ist Russlands Kunst!“: Proteste zum Biennale-Auftakt

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 6. Mai 2026 17:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Dichter rosa Nebel umweht den russischen Pavillon. Ein martialisches Bild in den sonst so friedlichen Gärten der Biennale von Venedig. Die Mitglieder der russischen Punk-Combo Pussy Riot haben Rauchgranaten gezündet, ihre Gesichter verbergen sie hinter rosa Sturmhauben, sie skandieren: „Blut ist Russlands Kunst!“

Inhaltsübersicht
Nach Protesten: Russischer Pavillon bleibt für Publikum geschlossenProtestaktionen auch gegen Israels Palästina-PolitikUnd die Kunst? Ein Plattenbau für DeutschlandEmotionaler Abschied von verstorbener Künstlerin

Auf Pappschildern steht die zynisch gemeinte Aufforderung ans Publikum: „Genießt die Kunst, ignoriert den Krieg!“ Außerdem gibt es eine Gegenausstellung inhaftierter russischer Künstler, die zeigen soll, dass es auch ein anderes Russland gebe, so Pussy Riot-Mitgründerin Nadja Tolokonnikowa.

Nach Protesten: Russischer Pavillon bleibt für Publikum geschlossen

Die Aktivisten richten sich mit ihrem Protest gegen die Teilnahme Russlands, das seit 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt und nach vier Jahren Pause nun erstmals wieder seinen Länderpavillon in Venedig mit Kunst bespielen darf.

Als „Diplomatie der Schönheit“ und Dialoginitiative wollte Biennale-Chef Pietrangelo Buttafuoco das verstanden wissen, stieß damit aber auch in der italienischen Politik auf heftige Kritik. Nun wird der Pavillon laut einer Ankündigung des italienischen Kulturministeriums für das Publikum doch geschlossen bleiben, die Blumenskulpturen im Inneren werden nur von außen durch die Fenster zu sehen sein.

Protestaktionen auch gegen Israels Palästina-Politik

Bereits am Dienstag, dem ersten Öffnungstag für Presse und Fachpublikum, hatten teilnehmende Künstlerinnen und Künstler der Hauptausstellung mit einer Prozession und einem gesummten „Drohnenchor“ gegen Israels Palästina-Politik protestiert. So stehen also auch die ersten Tage dieser 61. Biennale von Venedig weiter im Zeichen weltpolitischer Konflikte, nachdem vergangene Woche die Biennale-Jury nach Verwerfungen geschlossen zurückgetreten war.

Zuvor hatte sie noch angekündigt, keine Preise an Länder zu vergeben, deren Regierungschefs vom internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesucht werden. Das hätte Russland und Israel von Preisen ausgeschlossen. Nun wird es laut Biennale-Chef Buttafuoco keine Preise geben, stattdessen darf das Publikum bis zum letzten Ausstellungstag im November über zwei „Besucherlöwen“ abstimmen.

Und die Kunst? Ein Plattenbau für Deutschland

Der künstlerisch überzeugende deutsche Pavillon hätte in diesem Jahr womöglich Chancen auf einen Preis gehabt. Das historische Gebäude im Stil klassizistischer NS-Architektur wurde mit drei Millionen Mosaiksteinchen äußerlich zum Plattenbau transformiert. Und zwar genau in die Optik jenes Plattenbaus für vietnamesische Vertragsarbeiter in Berlin Lichtenberg, in dem die Künstlerin Sung Tieu in den 90er Jahren selbst aufgewachsen ist. Ihr sei wichtig, die jüngere deutsche Geschichte in ihrer ganzen Komplexität zu zeigen, sagte sie im BR-Interview.

Emotionaler Abschied von verstorbener Künstlerin

So deutlich wie noch nie setzt sich der Pavillon mit ostdeutscher Geschichte und der Wende auseinander. Auch die zweite beteiligte Künstlerin, Henrike Naumann, hat eine ostdeutsche Biografie. Die Eröffnung des Pavillons war für das gesamte Team nun auch ein emotionaler Abschied: Naumann starb vor drei Monaten sehr plötzlich im Alter von 41 Jahren an Krebs.

Bis zuletzt hatte sie an der Umsetzung ihres Konzepts gearbeitet, das von der Überzeugung getragen ist, dass in alltäglichen Gegenständen wie Möbeln immer auch auch gesellschaftliche Zustände eingeschrieben sind. Naumann hängte etwa das Relief eines Nachwende-Wohnzimmers an die Wand des Pavillons, als eindrückliches Zeugnis der Spannungen, die entstanden, als dem Osten eine westdeutsche Ästhetik übergestülpt wurde.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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