Das Lagerfeuer knistert, langsam erwärmt es die Milch in dem eimerartigen Tongefäß vor Luise Tiemann. Mit einem aus einer Nadelbaumspitze geschnitzten Quirl rührt die Archäologin die Flüssigkeit immer wieder durch. Mit solchen Repliken vorgeschichtlicher Gefäße und Werkzeugen will die Forscherin Käse wie in der Frühgeschichte herstellen.
Prähistorischer Käseherstellung auf der Spur
„Ich versuche herauszufinden, welche Käsesorten man damit herstellen kann, also ob Hartkäse oder Weichkäse oder auch Quark“, sagt Luise Tiemann. Dazu experimentiert sie im Freilichtmuseum Bajuwarenhof [externer Link] in Kirchheim bei München.
Diesmal will sie aus drei Litern Rohmilch Weichkäse machen. Damit die Milch gerinnt, hat Luise Tiemann sie mit Lab versetzt, also Enzymen aus dem Magen von Kälbern, dazu eine Bakterienkultur, damit Käse daraus wird. Vorsichtig nimmt sie ein Stück der angedickten Masse aus dem Tongefäß und lässt es auf einen Stein fallen. Das Klümpchen zerplatzt und spritzt zu allen Seiten.
Heute würde man den Säuregehalt messen, erklärt Luise Tiemann. In der Vorgeschichte mussten die Menschen das anders bestimmen, in diesem Fall über die Konsistenz. Im Idealfall wird das Klümpchen nicht zerplatzen, sondern vom Stein abprallen. Für Luise Tiemann bedeutet das, vorerst weiterzurühren.
Warum Käse für Menschen in der Vorgeschichte wichtig war
Tiemann promoviert in München an der Ludwig-Maximilians-Universität, betreut von Prähistoriker Philipp Stockhammer. Für ihn geht es bei den Versuchen seiner Doktorandin um mehr als die Geschichte eines Nahrungsmittels. Für Menschen in der Vorgeschichte sei Käse generell sehr wichtig gewesen: Denn gereift enthält Käse kaum noch Milchzucker. Für die größtenteils noch laktoseintoleranten Menschen der Jungsteinzeit war das gut, weil sie so nahrhafte Milch auch als Erwachsene konsumieren konnten. „Und gleichzeitig war Käse auch eine Möglichkeit, Milch langfristig haltbar zu machen.“
Gefäßanalysen verraten frühe Käseproduktion
Doch die Jahrtausende überdauert Käse selten. Wichtig waren für die Forschenden daher Laboranalysen: Denn welche nachgebauten Gefäße Luise Tiemann im Experiment einsetzt, weiß sie aus Rückständen, die sie auf Scherben der vorgeschichtlichen Vorbilder gefunden haben. Sie legen nahe, dass einst Milch darin verarbeitet wurde. „Und Luise muss jetzt letztlich ohne Anleitung herausfinden, wie man mit Milch und diesen Gefäßen Käse herstellen kann“, erklärt Philipp Stockhammer.

