Immer härter wird bei der Commerzbank gespart und Personal abgebaut, um damit profitabler und attraktiver für die Aktionäre zu werden. Ob sich die drohende Übernahme durch Unicredit damit verhindern lässt, ist offen. Aber für Kunden und Kundinnen ändert sich damit so einiges.
Drohende Commerzbank-Übernahme als Argument für Sparkurs
Bei Unicredit bereitet man sich weiter auf die Übernahme der Commerzbank vor. Die zweitgrößte deutsche Privatbank scheint ihren italienischen Hauptaktionär nicht mehr loszuwerden. Aber was könnte auf die Kunden und Kundinnen der Commerzbank zukommen, wenn die Gewinnziele immer weiter hochgeschraubt werden?
Selbst ohne Fusion wurden rund 4.000 Arbeitsplätze bereits abgebaut im Abwehrkampf gegen Unicredit. 3.000 weitere Stellen stehen nun im Feuer, damit die Commerzbank bis 2030 fast sechs Milliarden Euro Gewinn abliefern kann. Diese rosigen Aussichten sollen die Aktionäre davon abhalten, ihre Aktien in die angebotenen Unicredit-Anteile umzutauschen.
Auf Privatkunden bei der Commerzbank kommen einige Umstellungen zu
Wie bei vielen anderen Banken und Sparkassen gab es auch bei der Commerzbank in den letzten Jahren bereits viele Veränderungen durch die Digitalisierung oder den Wegfall von Filialen, die häufig auch durch Automaten ersetzt wurden. Wie es im Fall einer Fusion weitergeht, hängt auch davon ab, ob man Privatkunde oder Geschäftskunde ist, meinen Experten.
Für private Verbraucher und Verbraucherinnen geht es meist um die Schließung von Standorten und die Standardisierung mit neuer IT. Computersysteme und Finanzprodukte wurden und werden neu aufgestellt und vereinheitlicht. Das kann einen Wechsel der IBAN und anderer Kontodaten bedeuten oder eine neue Internet-Oberfläche fürs Online-Banking mit einer anderen Smartphone-App, etc.
Banking ist schon teurer geworden für viele Kunden
Außerdem, und das ist insbesondere bei der Commerzbank bereits im Vorfeld der möglichen Fusion mit Unicredit zu spüren: Häufig wird es teurer, weil die Gebühren steigen. So hat die Commerzbank früher kostenlose Konten abgeschafft und verlangt im Schnitt nun deutlich mehr für vergleichbare Dienstleistungen.
Das haben andere Banken und Sparkassen in den letzten Jahren allerdings ähnlich gemacht. Banking zum Nulltarif, wie es eine Zeit lang üblich war, ist heute nur noch auf einige Online-Angebote von Direktbanken beschränkt. Trotzdem sollte ein Girokonto nicht mehr als 60 Euro im Jahr kosten, sagt die Stiftung Wartentest.
Geschäftskunden und Mittelständler im Fokus von Veränderungen bei Banken
Experten wie Professor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim weisen darauf hin, dass fusionierte Banken häufig Risiken zurückfahren, also weniger Kredite vergeben als die ursprünglichen Institute.
Für Unternehmenskunden und andere Kreditnehmer kann das bedeuten, dass sie bei der neuen Großbank nicht mehr dieselben Darlehen erwarten dürfen wie vorher. Denn für die neue Bank kann es ein Klumpenrisiko bedeuten, wenn einfach alle alten Kredite zusammengelegt werden.
Mit der Fusion von Commerzbank und Unicredit könnte sich so gut wie alles ändern
Häufig geht bei so einer Bankenfusion der persönliche Ansprechpartner verloren, wobei ein Wechsel bei der Kundenbetreuung von Zeit zu Zeit ja durchaus normal ist im Bankbetrieb. Viele mittelständische Kunden legen auch einen besonderen Wert auf eine regionale Verankerung. Durch die Zentralisierung können bei einer Großbank individuelle Kenntnisse wie über einzelne Geschäftsmodelle von Firmenkunden verloren gehen.
Burghoff betont in diesem Zusammenhang immer wieder, welche wichtige Rolle kleine, regional verwurzelte Institute (wie Sparkassen oder Volksbanken) für die lokale Wirtschaft in Deutschland haben: die seien oft wertvoller für ihre Kunden und Kundinnen als systemrelevante Großbanken.
Einlagensicherung von Sparguthaben nach einer Fusion
Die gesetzliche Einlagensicherung für Bankguthaben endet bei 100.000 Euro pro Kunde, die nach einer Fusion von Commerzbank und Unicredit für beide Institute zusammen gelten würde. Wenn es zur Übernahme kommt, bleiben aber noch einige Monate Zeit, bis Veränderungen auch umgesetzt werden.
Es gilt als unwahrscheinlich, dass Privatkunden nach der Übernahme weggeschickt werden. Das dürfte eher mit Geschäftskunden wie Unternehmen passieren. Denn im Firmenkundenbereich sind die Unterschiede von Bank zu Bank wesentlich größer als im Verbrauchergeschäft.
So versteht sich die Commerzbank als Mittelstandsbank, während Unicredit zumindest in Italien lieber Großunternehmen finanziert. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbständige könnten künftig nicht mehr so gut zur Commerzbank passen. Darauf hat die Bank im Zusammenhang mit der möglichen Übernahme selbst hingewiesen.

