In deutschen Gärten gibt es weniger Spatzen als früher. Das ergab die „Stunde der Gartenvögel“, eine bundesweite Vogelzählung, zu der der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) die Bürger am zweiten Maiwochenende aufgerufen hatten. „Der Haussperling liegt zwar nach wie vor auf Platz eins unserer Rangliste der am meisten gemeldeten Vögel, aber er hat einen Verlust von neun Prozent zum Vorjahr eingefahren“, erklärte NABU-Vogelschutzexperte Martin Rümmler am Dienstag in Berlin. Damit setze sich bei den Spatzenarten der Negativtrend der vergangenen Jahre fort, hieß es zur Präsentation der Ergebnisse.
Vogelschutzexperte: „Alarmsignal für den Zustand der Natur“
Rümmler äußerte sich besorgt angesichts der Zahlen: Wenn so häufige Arten wie der Haussperling immer weniger gemeldet werden, könne dies „ein Alarmsignal für den Zustand der Natur in unseren Siedlungen sein“. Gründe dafür seien meist ein mangelndes Nahrungsangebot und der Verlust von Wohn- und Lebensraum in den Städten. Beim Feldsperling liege der Verlust bei 6 Prozent.
Weniger Sichtungen von Mauerseglern und Mehlschwalben
Die Sichtungen von Mauerseglern brachen im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent ein, die von Mehlschwalben um 12 Prozent. „Beide Arten sind Gebäudebrüter und Insektenfresser“, erklärte Rümmler. „Es könnten also Insektenschwund und nicht vogelfreundliche Sanierung alter Gebäude eine Rolle spielen.“ Möglich sei aber auch, dass ein Teil der Tiere später als üblich aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sei.
Finken wieder öfter gesichtet
Der NABU nennt aber auch positive Trends: Verschiedene Finken wurden nach einem zeitweiligen Rückgang wieder öfter gesichtet. „Bei den Buchfinken können wir sogar ein sattes Plus bei den Sichtungen von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen, auch der Grünfink machte bundesweit 3 Prozent Plus“, so Rümmler.
Grund für den vorherigen Einbruch könnten Krankheiten gewesen sein: „Eine Ursache ist vermutlich, dass der Grünfink stärker unten den Infektionswellen mit Trichomonaden gelitten hat als der Buchfink“, erläuterte Rümmler. Diese Erreger verbreiten sich vor allem an Futter- und Wasserstellen. „Wer Vögel füttert, sollte daher unbedingt auf die Hygiene achten. Am besten Futtersäulen nutzen und Wasser täglich wechseln.“ Amseln wurden laut NABU ähnlich häufig wie 2025 gesichtet.
„Stunde der Gartenvögel“: 56.000 Menschen beteiligt
Bei der „Stunde der Gartenvögel“ beteiligten sich vom 8. bis 10. Mai bundesweit mehr als 56.000 Menschen. Aus fast 38.500 Gärten seien weit über eine Million Vögel gemeldet worden. Dabei setzte sich der Abwärtstrend der Vorjahre fort: Wurden 2018 noch im Mittel knapp 34 Vögel pro Garten oder Park gezählt, so waren es 2026 nur noch etwa 28,4 Vögel.
Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel“, die laut NABU vom 8. bis 10. Januar 2027 stattfindet.

