2019 erhielt John Davidson (heute 54) den Orden des British Empire. Und das in prunkvollem Ambiente, einem Palast in Edinburgh. Davidsons Reaktion? „Fuck the Queen!“
Am Ende von der Queen geehrt
Im Biopic über Davidson (im Film verkörpert von Robert Aramayo) steht diese Szene ganz am Anfang. Immerhin ist sie der Beleg einer eindrucksvollen Emanzipation. Und nicht nur des Preises wegen. Davidsons Beleidigung wird im Saal mit einem wohlwollenden Lächeln quittiert. Inzwischen weiß jeder: Dieser Mann leidet am Tourette-Syndrom, einer neuropsychiatrischen Erkrankung, die motorische und verbale Tics mit sich bringt.
Von der Queen wird er für seinen jahrelangen Einsatz geehrt, die Krankheit bekannt und den Betroffenen das Leben damit erträglicher zu machen. Denn, wie der Film in Rückblicken erzählt: Sein eigenes war lange Zeit unerträglich.
Mit zwölf Jahren entwickelt John im Schulunterricht plötzlich nervöse Tics. Zusammenreißen soll er sich, sagen Lehrkräfte, Direktor und Eltern. Sie unterstellen ihm Ungezogenheit, schlechtes Benehmen. An Krankheit denken sie nicht, wenn einer zuckt, spuckt, um sich schlägt und flucht.
Tourette-Erkrankung lange nicht diagnostiziert
Es ist fast schmerzhaft, diesem Missverständnis zuzusehen. Zu sehen, wie John gehänselt, bestraft, und als unverbesserlicher Freak ausgegrenzt wird, dem auch kein Schulabschluss mehr ermöglicht wird. Erst Jahre später, John ist inzwischen Mitte Zwanzig, bekommt er eine medizinische Erklärung für sein Verhalten.
Zum Wendepunkt wird für ihn die Wiederbegegnung mit seinem alten Schulfreund Murray. Dessen Mutter Dottie hat als Krankenschwester in der Psychiatrie nämlich bereits Erfahrung mit Tourette-Patienten. Sie ist die erste Person in Johns Leben, die ihn zu „nehmen“ weiß.
Nicht nur erfährt John hier erstmals im Leben Wärme und Zuspruch. Die Krankheit wird nun – bei all ihrer Tragik – im Film auch von einer komischeren Seite gezeigt. Und mindestens genauso wichtig: John findet nun auch beruflich ein Zuhause – als Hausmeister-Gehilfe in einer Kirchengemeinde, mit dem verständnisvollsten Chef, den man haben kann.
Hauptdarsteller Aramayo bei den British Academy Film Awards geehrt
Für seine Darstellung des John bekam Robert Aramayo im Februar bei den British Academy Film Awards den Preis als bester Hauptdarsteller. Zu Recht: Immerhin verkörpert er ihn absolut glaubwürdig.
Man muss Regisseur Kirk Jones wirklich zugutehalten, dass er außerordentlich sensibel mit dem Thema umgeht. Sämtliche Tourette-Patienten in Nebenrollen sind mit tatsächlich Betroffenen besetzt. Für die Hauptrolle wünschte er sich allerdings einen professionellen Darsteller. Aramayo ließ sich dann von John Davidson persönlich für die Rolle coachen.
Am Ende ist „Verflucht normal“ eine gelungene Verschmelzung des Realismus des britischen Sozialdramas mit der Leichtigkeit einer Brit-Komödie. Die Lebensgeschichte von John Davidson, der aller Demütigung und Abwertung zum Trotz die Kraft findet, für Akzeptanz zu kämpfen, ist hier zutiefst berührend eingefangen.

