Eine letzte Vorstellung zeigt das Stadttheater im sogenannten Hämer-Buro-Bau noch, danach muss das Theater dort raus. Das 60 Jahre alte, nach dem Architektenpaar Hardt-Waltherr Hämer und Marie-Brigitte Hämer-Buro benannte Gebäude muss dringend saniert werden. Und das eigentlich schon seit vielen Jahren, wie sich Schauspielerin Renate Knollmann aus dem Ensemble erinnert: „Als ich 2008 herkam, war schon klar, es muss saniert werden.“
Überfällige Sanierungsarbeiten
Über die Jahre hat sich die Situation verschärft. Intendant Oliver Brunner, der seit 2024 im Amt ist, beschreibt die ganze Haustechnik als desolat: „Es gibt teilweise Schmauchspuren an den Wänden, weil irgendwelche Leitungen durchbrennen. Die Bühnentechnik ist sehr überholungsbedürftig.“ Und auch was den Brandschutz betrifft, seien die Sicherheitsbedenken mittlerweile zu groß.
Kurzum: Das Haus ist nicht mehr betriebssicher. Gespielt wurde dennoch weiter – so lange es gerade noch irgendwie vertretbar war. Aber damit ist nun Schluss. Auf dem Spielplan steht als letzte Vorstellung am Sonntagabend Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“.
Nach Horváth gehen die Lichter aus
Horváths Volksstück spielt in Zeiten wirtschaftlicher Depression. Karoline möchte sich trotzdem vergnügen auf dem Oktoberfest. Kasimir dagegen ist so gar nicht nach Amüsement zumute. Er wurde „abgebaut“, wie es im Stück heißt. Ein düsteres Stück, sehr passend zum Anlass.
Julia Prechsl hat es inszeniert und schwärmt vom Hämer-Buro-Bau: ein Musterbeispiel des Beton-Brutalismus, nicht nach jedermanns Geschmack. Für viele eher eine Liebe auf den zweiten Blick. Etwa dank der großen Glasfronten, die für Transparenz zwischen der Stadt draußen und dem Foyer drinnen sorgen, sowie einem Zuschauerraum, so schlicht wie stilvoll, mit ansteigenden samtroten Sitzreihen, der gute Sicht für alle garantiert. Für Prechsl schafft es der Bau, „seine eigene Marke zu sein und gleichzeitig der Kunst nicht im Weg zu stehen“.
Stadt kann Sanierung nicht zahlen
Der Fortsetzung der Theaterkunst darin steht die Finanzlage Ingolstadts im Weg. Im Haushalt klafft ein 66-Millionen-Euro-Loch. Auf 240 Millionen Euro werden die Kosten für die Sanierung geschätzt. Derzeit unbezahlbar. Das Theater zieht nun in ein Holztheater am Rande der Altstadt. Ansprechend für ein Ausweichquartier. Aber technisch limitiert.
Keine schöne Vorstellung daher, dass diese Übergangs- zur Dauerlösung werden könnte. Aber eine sehr wahrscheinliche nach der Schließung des Hämer-Buro-Baus, glaubt Schauspielerin Renate Knollmann. „Als noch wirklich viel Geld in der Stadt war, wurde diese Sanierung nicht gemacht“, beklagt sie. „Und jetzt ist die Kasse leer.“
Die Stadt hat die Sanierung verschleppt. So sehen das viele, die es mit dem Theater halten, auch Kulturreferent Marc Grandmontagne, der seit rund zwei Jahren im Amt ist, also keine Schuld an der Misere trägt. Mehr als einen kämpferischen Appell kann aber auch er vorerst nicht bieten: „Die Hände in den Schoß zu legen und zu seufzen ist jedenfalls keine Strategie. Wir müssen weiter an dem Thema dranbleiben. Und Schritt für Schritt gucken, dass wir den Haushalt konsolidieren und loslegen.“
Ab 2027 auch kein Festsaal mehr
Im Festsaal, der ebenfalls im Hämer-Buro-Bau untergebracht ist, läuft der Betrieb vorerst noch weiter. Kabarett und Konzerte finden dort statt, aber auch Abibälle. 2027 muss der Festsaal allerdings ebenfalls dicht machen. Buchstäblich düstere Aussichten, findet Ingolstadts Theaterintendant Oliver Brunner: „Dann ist dieses Gebäude geschlossen und dunkel. Und das genau in der Mitte der Stadt.“ Für manche sei das Gebäude jetzt schon der prominenteste Lost Place Deutschlands.

