Zubin Mehta in München
Festkonzert zum 90. Geburtstag
Festkonzert zum 90. Geburtstag
München feierte am Samstagabend nicht nur den 90. Geburtstag von Zubin Mehta, sondern auch die jahrzehntelange Verbindung des Dirigenten zur Bayerischen Staatsoper. Beim Festkonzert im Nationaltheater standen weniger Brahms und Schubert als vielmehr der Jubilar selbst im Mittelpunkt.
Bildquelle: Geoffroy Schied
Dass runde Geburtstage groß gefeiert werden, ist nicht ungewöhnlich. Aber über mehrere Monate hinweg, in verschiedensten Ländern und dann auch noch ein 90. Geburtstag – das ist in der Tat besonders. Anlässlich seines Jubiläums reist Zubin Mehta derzeit zu jenen Orchestern und Häusern, die seine Karriere geprägt haben. Eines davon ist München. Acht Jahre lang stand er hier als Generalmusikdirektor an der Spitze der Bayerischen Staatsoper. Dass die Verbindung zum Haus bis heute eng geblieben ist, daran ließ das Festkonzert im Nationaltheater keinen Zweifel.
Bayerisches Staatsorchester feiert Zubin Mehta
Eigentlich hätte Gustav Mahlers Dritte Symphonie auf dem Programm stehen sollen. Mit Rücksicht auf seine Gesundheit entschied sich Mehta jedoch für Brahms‘ Vierte und Schuberts Große C-Dur-Symphonie. Eine pragmatische Entscheidung, die dem Abend letztlich sogar entgegenkam. Denn es ging hier weniger um einen Kraftakt als um eine Begegnung. Schon vor Konzertbeginn hatte Intendant Serge Dorny den Jubilar als eine Persönlichkeit gewürdigt, die das Haus nachhaltig geprägt hat. Tatsächlich war schnell spürbar, dass dieser Abend für viele mehr bedeutete als die Aufführung zweier Repertoireklassiker. Die Stimmung des Konzerts erinnerte weniger an ein reguläres Akademiekonzert als an die Feier eines alten Freundes.
Alles, was ich versuche zu geben, bekomme ich von euch zehnfach zurück.
Zubin Mehta
Dabei zeigte sich der inzwischen 90-Jährige keineswegs als unermüdlicher Maestro, der dem Alter trotzt. Die vergangenen Jahre haben sichtbare Spuren hinterlassen. Gerade deshalb wirkte sein Auftritt umso bemerkenswerter. Nicht weil hier jemand gegen die Zeit und gegen die Gesundheit ankämpfte, sondern weil Mehta nichts beweisen musste. Seine Karriere ist längst geschrieben. Der Abend lebte vielmehr von der Selbstverständlichkeit, mit der er noch immer ans Pult eines Orchesters tritt, mit dem ihn eine lange Geschichte verbindet.
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Dirigent Zubin Mehta dirigiert das Bayerische Staatsorchester beim Akademiekonzert 2023. | Bildquelle: Bayerisches Staatsoper / Wilfried Hösl
Auch musikalisch stand weniger die große Deutung als das gemeinsame Musizieren im Vordergrund. Das Bayerische Staatsorchester begegnete Brahms und Schubert mit jener Klangkultur, die man von diesem Orchester kennt. Vieles wirkte vertraut, ausgewogen und bewusst frei von Effekten. Wer auf spektakuläre neue Lesarten gehofft hatte, wurde vermutlich nicht fündig. Darum ging es allerdings auch nicht. Viel interessanter war die Frage, warum ein Dirigent mit einer derart langen und erfolgreichen Karriere ausgerechnet jetzt noch einmal um die Welt reist. Die Antwort lieferte der Abend beinahe selbst. Diese Reise führt Mehta nicht zu irgendwelchen Orchestern, sondern zu jenen musikalischen Familien, die ihn über Jahrzehnte begleitet haben.
Konzert mit Standing Ovations und Bravorufen
Nach dem Konzert wurde diese Verbundenheit noch einmal offiziell sichtbar. Mehta bekam die Anstecknadel in Gold der Musikalischen Akademie verliehen. Viele der Musikerinnen und Musiker auf der Bühne hatten bereits während seiner Münchner Amtszeit unter ihm gespielt. Der bewegendste Moment des Abends kam schließlich ohne Musik aus. „Alles, was ich versuche zu geben, bekomme ich von euch zehnfach zurück“, sagte Mehta an das Orchester gewandt. Für einen Künstler, der seit Jahrzehnten auf den größten Bühnen der Welt steht, hätte man sich kaum eine passendere Bilanz vorstellen können. Das Publikum dankte es ihm mit lang anhaltendem Applaus, Standing Ovations und zahlreichen Bravorufen. Es war der lautstarke Schlusspunkt eines Abends, an dem ein großer Dirigent gefeiert wurde, dessen Geschichte mit München noch immer nicht zu Ende erzählt scheint.
Zubin Mehta war GMD an der Bayerischen Staatsoper
Zubin Mehta ist einer der berühmtesten Dirigenten der Gegenwart. Geboren wurde er 1936 in eine Musikerfamilie im indischen Mumbai. Mit 18 Jahren kam er aus Indien zum Studium nach Wien. Zum ersten Mal erlebte er ein Spitzenorchester live: die Wiener Philharmoniker. Diesem Klang eifert er bis heute nach. Mehtas Horizont ist weit: Er setzt sich für die radikale Moderne eines Anton Webern ein, dirigiert Uraufführungen, aber auch die „Drei Tenöre“ im Fußballstadion. Die Wiener Philharmoniker verpflichten ihn mehrmals fürs Neujahrskonzert, das Israel Philharmonic macht ihn 1981 zum Musikdirektor auf Lebenszeit (als Chefdirigent übergab Mehta 2019 an Lahav Shani). An der Bayerischen Staatsoper war er von 1998 bis 2006 Bayerischer Generalmusikdirektor.
Dokumentation: Zubin Mehta – Musik hat keine Grenzen
Bildquelle: dpa-Bildfunk/Britta Pedersen
Doku
Zubin Mehta – Musik hat keine Grenzen
Autorin: Larissa Schütz
Sendung: „Allegro“ am 1. Juni 2026 ab 6:05 Uhr auf BR Klassik und im Podcast „Klassik aktuell“ in ARD Sounds

