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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Wusste nicht genug von Frauen“: Streit um Wim Wenders-Film
Kultur

„Wusste nicht genug von Frauen“: Streit um Wim Wenders-Film

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. Juni 2026 14:47
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Sie war als 13-Jährige mit nacktem Oberkörper in Wim Wenders Film „Falsche Bewegung“ (1975) zu sehen und fand es schon damals „nicht in Ordnung“, so die Schauspielerin Nastassja Kinski gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Deshalb fordert sie, die Szene nachträglich zu entfernen, und löste damit eine breite Debatte in den Medien und unter Filmschaffenden aus.

Inhaltsübersicht
„Sie wollten mein sexuelles Erwachen vermarkten“Wenders: „Ich weiß heute viel mehr“„Steven Spielberg bedauerte Änderung“Filmwissenschaftlerin nennt Wenders „infantil“

Mit ihrem umstrittenen Anliegen steht Kinski keineswegs allein da: Die inzwischen verstorbene Schauspielerin Olivia Hussey und ihr Filmpartner Leonard Whiting, Hauptdarsteller einer „Romeo und Julia“-Verfilmung von 1968, hatten im Dezember 2022 wegen Nacktaufnahmen vergeblich auf Schadenersatz geklagt [externer Link] und der Produktionsfirma Paramount „sexuelle Ausbeutung“ vorgeworfen.

„Sie wollten mein sexuelles Erwachen vermarkten“

Eine ähnliche Debatte gab es um den einstigen Erfolgsfilm „Die Blaue Lagune“ (1980) mit Brooke Shields und Christopher Atkins in den Hauptrollen. Beide waren in der aus heutiger Sicht fragwürdigen Tropen-Romanze überwiegend spärlich bekleidet zu sehen. „Sie wollten eine Reality-Show daraus machen“, so Shields im Nachhinein [externer Link]: „Sie wollten mein angebliches sexuelles Erwachen vermarkten. Ironischerweise hatte ich überhaupt keinen Zugang zu meiner eigenen Sexualität.“

Wenders: „Ich weiß heute viel mehr“

Wim Wenders („Ich bin von dem sogenannten Neuen Deutschen Film der Letzte“) hatte zu Nastassja Kinskis Vorwürfen lange geschwiegen und bei der Verleihung des Ehrenpreises der Deutschen Filmakademie am vergangenen Wochenende in Berlin darauf hingewiesen, dass „Falsche Bewegung“ mit Filmbändern „überhäuft“ worden sei: „Der junge Mann, der ich war, war etwas aus der Fassung.“

Der Film sei ab zwölf Jahren freigegeben und als „besonders wertvoll“ eingestuft worden. Gleichwohl sei das Werk ein „schwieriges Kapitel in seinem Leben“. Er sei „ratlos“ beim „Aufbegehren“ von Kinski und der Frage, ob Filme im Nachhinein gekürzt werden sollten: „Ich weiß heute mehr, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten. Wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren.“ Der mehrfach für den Oscar nominierte und vielfach ausgezeichnete Regisseur wörtlich: „Dem jungen Mann von damals kann ich keinen Vorwurf machen, auch wenn ich weiß, dass würde ich nie mehr so tun.“

„Steven Spielberg bedauerte Änderung“

Wenders kam bei der Gelegenheit auf seine Erfahrung als 27-jähriger Filmemacher mit Weltstar Senta Berger zu sprechen: „Ich konnte einer Frau nicht richtig was sagen, was sie da machen soll. Ich wusste nicht genug von Frauen. Ich kannte die Seele einer Frau nicht. Ich war stumm, weil ich nichts wusste.“

Hollywoodstar Steven Spielberg, ergänzte Wenders, habe es sich jedenfalls selbst nicht verziehen, dass er den Film „E.T.“ ausnahmsweise im Nachhinein verändert habe. Letztlich müsse sich die Deutsche Filmakademie mit dieser grundsätzlichen moralischen Frage, die das Filmerbe betreffe, befassen.

Für diesen Auftritt wurde Wenders in der Presse teils herbe kritisiert, etwa in der taz [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt], wo der Kommentator hoffte, dass Kinski nun versuchen werde, ihr Anliegen juristisch durchzusetzen. 2024 hatte die Schauspielerin den Medienanwalt Christian Scherz beauftragt, gegen Szenen aus der Tatort-Produktion „Reifezeugnis“ vorzugehen: „Nastassja Kinski war damals faktisch ohne Begleitung am Set, als die Szenen gedreht wurden – eine rechtswirksame Einwilligung als Minderjährige ist damit denklogisch ausgeschlossen gewesen“, so der Jurist gegenüber dem Spiegel [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt].

Filmwissenschaftlerin nennt Wenders „infantil“

Der queere Schauspieler und Tatort-Star Julius Feldmeier riet Wenders auf seinem Instagram-Kanal unterdessen, dem Wunsch von Nastassja Kinski zu entsprechen und die fragliche Szene zu schneiden.

Filmwissenschaftlerin Annette Brauerhoch sagte im Deutschlandfunk [externer Link], der Auftritt von Wenders in Berlin sei „ausgesprochen unangemessen“ gewesen: „Vom Sprachgebrauch und der Geste her hat er sich infantil und unreif geäußert, denn die Verantwortung, die eigentlich bei ihm liegt, hat er mit dem Appell an das Publikum und die Akademie auf Tausende verteilt.“

Das Filmerbe habe „wirklich gar nichts“ mit dem Problem zu tun, ob man eine Szene nachträglich herausnehmen solle oder nicht: „Wenders versucht, ein Bild der höchsten Bewusstheit von sich zu erzeugen, und entzieht sich der eigenen Verantwortung.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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