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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Europa und KI: Es wird Zeit für ein digitales Apollo-Programm
Netzwelt

Europa und KI: Es wird Zeit für ein digitales Apollo-Programm

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 16. Juni 2026 15:47
Von Benjamin Lehmann
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3 min. Lesezeit
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Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und Ihr Laptop geht nicht an, weil Washington gesagt hat, dass Sie Windows nicht mehr nutzen dürfen. Klingt absurd? Ist es nicht.

Inhaltsübersicht
US-Exportsperre stoppt KI-ModellEuropas KI-Dilemma: Abhängigkeit wächstWarum Europas Zaudern uns zum Bittsteller machtTechnologiepolitik ist Zukunftspolitik

US-Exportsperre stoppt KI-Modell

Die US-Regierung hat für die leistungsfähigsten KI-Modelle der Firma Anthropic Exportbeschränkungen verhängt. Damit ist der europäischen KI-Hoffnung mit dem mächtigen und bekannten Modell Claude der Stecker gezogen. Das Unternehmen reagierte, indem es seine spektakulärste Neuentwicklung vorerst komplett vom Netz nahm. Unternehmen, Forschern, Entwicklern, aber auch ganz normalen Bürgern, die mit den Systemen nur ein bisschen herumspielen wollten, wurde über Nacht der KI-Teppich unter den Füßen weggezogen.

Warum genau? Darüber wird noch gestritten. Die offizielle Begründung lautet: nationale Sicherheit. Ob dahinter tatsächlich Sicherheitsbedenken stehen oder politische Machtspiele, ist letztlich aber egal.

Europas KI-Dilemma: Abhängigkeit wächst

Viel wichtiger ist eine andere Frage: Warum kann Europa bei einer der wichtigsten Technologien des 21. Jahrhunderts überhaupt so einfach der Stecker gezogen werden? Und warum wird das in der deutschen Politik und Öffentlichkeit kaum wahrgenommen? Dabei müsste das eigentlich ein Weckruf sein. Mal wieder. Denn wenn es Europa an einem nicht mangelt, dann sind es Weckrufe – an leistungsfähigen KI-Modellen hingegen mangelt es durchaus.

Die Anthropic-Sperre zeigt etwas, das in Sonntagsreden über „digitale Souveränität“ gerne untergeht: Wer die Technologie kontrolliert, kontrolliert am Ende auch den Zugang zu ihr. Und Europa kontrolliert bei KI derzeit so ziemlich gar nichts. Anstatt endlich mal darüber zu diskutieren, wie man eigene Modelle, eigene Rechenzentren und eine eigene digitale Infrastruktur aufbaut, diskutieren wir hierzulande lieber darüber, ob der Digitalminister zu viel KI in seinen Texten benutzt.

Warum Europas Zaudern uns zum Bittsteller macht

Das ist typisch. Zu oft wurde in Europa die Digitalisierung behandelt wie ein lästiges Hobbyprojekt für Nerds, Spekulanten oder Silicon-Valley-Freaks. Zu oft wurde über die Risiken der Digitalisierung gesprochen und zu wenig darüber, dass es auch Risiken mit sich bringt, wenn man fast nur über Risiken spricht und kaum über die Chancen. Wer jahrelang seine German Digitalisierungsangst pflegt wie andere ihren Vorgarten, darf sich nicht wundern, wenn die großen Technologien des 21. Jahrhunderts woanders entstehen und man selbst am Ende nur noch Bittsteller ist.

Technologiepolitik ist Zukunftspolitik

Was Deutschland und Europa also brauchen, sind nicht mehr Weckrufe, sondern mehr Rechenleistung. Wir müssen anfangen, digitale Souveränität zu finanzieren, statt sie nur zu beschwören. Wir müssen Entwickler fördern, anstatt Bürokratie. Und wir müssen endlich begreifen, dass Technologiepolitik heute Wirtschafts-, Sicherheits-, Standort-, und vor allem Zukunftspolitik ist.

Was Europa braucht, ist ein digitales Apollo-Programm, also ein milliardenschweres, gemeinsames Zukunftsprojekt nach dem Vorbild der Mondmissionen. Nicht nur für KI, sondern für die gesamte digitale Infrastruktur. Für Rechenzentren, Cloud-Dienste, Open-Source-Software, Betriebssysteme, Messenger und Plattformen. Kurz gesagt: Für eine lebendige, souveräne, eigenständige Digitallandschaft, die nicht von den Entscheidungen anderer abhängt.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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