Frisch verliebt zu sein, kann so schön sein. Da steht man mit seinem Schwarm irgendwo eingepfercht in der Schlange zum Klo und hat nur Augen für ihn, der auch noch aussieht wie ein „Engel aus Versailles“. Man könnte tot umfallen vor Glück – so jedenfalls schwärmt US-Musikerin Olivia Rodrigo in dem Song „Drop Dead“.
Die 23-Jährige hat ein Album über eine große Liebe geschrieben. Genauer: über ihre erste große Liebe – und wie sie zerbrochen ist. Der Albumtitel „You Seem Pretty Sad For A Girl So In Love“ greift dieses Wechselbad der Gefühle zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt auf und folgt der altbekannten Dramaturgie, die dann doch immer wieder aufs Neue ziemlich herzzerreißend ist.
Vom 90er-Rock zum 80er-Pop
Der erste Song „Drop Dead“ ist eine perfekte kleine Pop-Rock-Symphonie mit jubilierenden Streichern und Synthies, bei denen einem das aufgeregt klopfende Herz von Rodrigo entgegenspringt. Das Glück hält dann ein paar Songs lang, bis zur Hälfte des Albums – wobei sich auch schon erste Risse auftun. Verliebtsein macht auch verletzlich und einsam, wenn der Partner nicht da ist.
Als ob sie Maden im Hirn hätte, so neben der Spur fühle sie sich, singt Rodrigo auf „Maggots for Brain“. Von dem Grunge-beeinflussten Alternative-Rock wie in den 90ern, den sie mit Produzent Dan Nigro auf ihren letzten beiden Alben zelebriert hat, ist hier nichts mehr zu hören. Der Song hat eine Bassline, wie man sie in den 80ern bei Bands wie New Order gehört hat, und eine Synthie-Melodie und Melancholie, die an The Cures Trauerpop-Hymne „Friday I’m In Love“ erinnert – übrigens einer ihrer Lieblingssongs. Und überhaupt: The Cure!
Duett mit Robert Smith von The Cure
Liebe ist nicht das Allheilmittel für alles. Zu dieser Erkenntnis kommt Olivia Rodrigo auf dem Song „The Cure“, eine weitere Anspielung auf die legendäre Goth-Rock-Band aus England. Und dann ist es zwei Songs später tatsächlich so weit: Sänger Robert Smith höchstpersönlich erscheint zum Duett für den Trennungssong „What’s Wrong With Me“.
Ein bisschen unwirklich ist sie schon, diese Freundschaft zwischen dem 67-Jährigen und der hinreißenden Popsängerin. Er sei schon Fan gewesen, bevor sie ihn um eine Zusammenarbeit gebeten hätte. Er hätte beide ihre Alben auf CD gehabt, hat Smith in einem Interview verraten. Auch wenn er nicht zur primären Zielgruppe gehöre, sei es schwer, sich nicht in ihre Musik zu verlieben. In Anbetracht des überaus gelungenen neuen Albums kann man ihm nur zustimmen.

