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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Bayreuther Festspiele: Wirbel um verschobenes Gedenk-Konzert
Kultur

Bayreuther Festspiele: Wirbel um verschobenes Gedenk-Konzert

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 16. Juni 2026 10:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Bis jetzt war das Gedenkkonzert, das die Bayreuther Festspiele für den Vormittag des 26. Juli planten, noch nicht öffentlich angekündigt worden. Erst durch die Berichterstattung der „Süddeutschen Zeitung“ wurde es Thema [externer Link] und löste prompt Wirbel aus. Grund dafür: Zum Auftakt der diesjährigen Saison kann das Konzert wenige Stunden vor der Premiere der Wagner-Oper „Rienzi“ wider Erwarten nicht stattfinden.

Inhaltsübersicht
Problematische NS-Vergangenheit„Mit wem auch immer“Katharina Wagner will „problematische Kapitel“ thematisieren

Dazu der Interims-Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele, Hans-Dieter Sense, gegenüber dem BR: „Weil man zwei Mal hintereinander die höchste Sicherheitsstufe im Festspielhaus nicht bewältigen kann. Der Zeitraum zwischen dem Ende der Vormittagsveranstaltung und dem Beginn der Nachmittagsveranstaltung ist zu kurz. Es sind bei der derzeitigen Weltlage alle ungeheuer vorsichtig. Wenn mir keiner garantieren kann, dass das durchführbar ist, dann kann ich die Veranstaltung nicht machen.“

Problematische NS-Vergangenheit

Das Gedenkkonzert war für 11 Uhr angedacht, die Opernpremiere beginnt, wie in Bayreuth üblich, am selben Tag um 16 Uhr. „Das hätten wir uns vorher überlegen können, haben wir aber nicht, weil wir zu dem Zeitpunkt, wo wir das Gedenkkonzert geplant hatten, noch nicht wussten, welchen Umfang die ‚Rienzi‘-Premiere haben würde, da war das ja alles noch im Werden“, so Hans-Dieter Sense.

Dirigieren sollte das jetzt fraglich gewordene Konzert der Bayreuther Publikumsliebling Christian Thielemann, auf dem Programm sollte unter anderem Wagners „Siegfried-Idyll“ stehen. Der Publizist und Anwalt Michel Friedman war als Redner angefragt, um über Richard Wagners Antisemitismus und die höchst problematische Vergangenheit der Festspiele während des Nationalsozialismus zu sprechen.

„Mit wem auch immer“

Ein düsteres Kapitel, das im Bayreuth der Nachkriegszeit beharrlich beschwiegen beziehungsweise beschönigt wurde. Hausherrin Winifred Wagner blieb bis zu ihrem Tod 1980 eine überzeugte Hitler-Bewunderin und löste mit einem entsprechenden Interview 1975 einen Skandal aus („Wenn Hitler heute hier zur Tür reinkäme, ich wäre genauso fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer.“)

Die Festspiele wollen nach Auskunft von Hans-Dieter Sense unbedingt an dem Gedenkkonzert festhalten und haben es nun für den August ins Auge gefasst („mit wem auch immer“), möglicherweise während einer Aufführungsserie des vierteiligen „Ring des Nibelungen“, wenn das Publikum sowieso einige zusammenhängende Tage auf dem Grünen Hügel verweilt.

Katharina Wagner will „problematische Kapitel“ thematisieren

Katharina Wagner ist das Gedenkkonzert jedenfalls eine Herzensangelegenheit, wie sie dem BR sagt: „Zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele möchten wir nicht nur feiern, sondern auch kritisch auf unsere Geschichte blicken. Das Jubiläum bietet die Gelegenheit, sowohl die künstlerischen Leistungen zu würdigen als auch die problematischen Kapitel unserer Vergangenheit offen zu thematisieren.“

Die Veranstaltung werde „selbstverständlich stattfinden“, so die Festspielchefin: „Nach eingehender Prüfung hat sich jedoch gezeigt, dass eine Durchführung am Premierentag von ‚Rienzi‘ aufgrund organisatorischer und sicherheitsrelevanter Anforderungen nicht möglich ist. Zwar wäre dieser Termin [der 26. Juli] aus verschiedenen Gründen wünschenswert gewesen, jedoch ist er nicht realisierbar.“

Es ist nicht die einzige kurzfristige Programmänderung in der Jubiläums-Saison. Die Stadt Bayreuth hatte zum 150. Geburtstag eigentlich eine „Festmeile“ am Luitpoldplatz angekündigt, die der neue Oberbürgermeister Andreas Zippel aus finanziellen Gründen absagte. Im städtischen Haushalt gebe es „überraschend große Deckungslücken“.

Ursprünglich sollten in der Jubiläums-Saison alle zehn festspieltauglichen Wagner-Opern gespielt werden, ergänzt um „Rienzi“, ein frühes Stück, das Wagner selbst nicht für geeignet hielt, auf dem Grünen Hügel zur Aufführung zu kommen. Auch dieser Plan musste aus finanziellen Gründen zusammengestrichen werden. Neben „Rienzi“ und dem vierteiligen „Ring“ sind „nur“ noch der „Fliegende Holländer“ und „Parsifal“ zu sehen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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