Wie können wir das Rentensystem entlasten? Damit beschäftigt sich die Rentenkommission der Bundesregierung und will noch im Juni Reformvorschläge liefern. Denn: Immer weniger Beitragszahler müssen künftig für immer mehr Rentner aufkommen.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hält deswegen an ihrem Vorschlag fest: Beamtinnen und Beamte sollten in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Doch senkt das wirklich die Rentenbeiträge für die Beitragszahler?
Zahl der pensionierten Beamten zuletzt nur leicht gestiegen
In Deutschland gibt es knapp zwei Millionen Beamtinnen und Beamte. Im Alter bekommen die keine Rente, sondern eine Pension. Dafür zahlen sie nicht etwa einen Teil ihrer Bezüge während ihrer Dienstzeit ein – der Staat finanziert den Verdienst sowohl während als auch nach Ende des Berufslebens.
Am Stichtag 1. Januar 2025 gab es rund 1,4 Millionen Pensionäre [externer Link]. Das teilte das Statistische Bundesamt im Mai mit. Die Zahl der Pensionäre ist damit im Jahr 2024 um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. In der Vergangenheit waren das noch deutlich mehr: Zwischen 2000 und 2020 hatte sich die Zahl der Pensionäre um knapp 54 Prozent erhöht. Das sei auf Lehrerinnen und Lehrer zurückzuführen, die in den 1960ern, also während der geburtenreichen Babyboomer-Jahre, eingestellt wurden.
Der Reformvorschlag: Mehr Beiträge durch neue Beitragszahler
Die Babyboomer drohen jetzt, das Rentensystem erneut auf den Kopf zu stellen: Mit ihrem Renteneintritt kommen immer mehr Beitragsempfänger auf immer weniger Beitragszahler. Um das System am Laufen zu halten, gibt es laut Joachim Ragnitz vom ifo-Institut Dresden drei Hebel: Die Beiträge für die Rentenversicherung steigen, der Staat muss mehr zur Rentenversicherung zuzahlen. Oder: Mehr Menschen zahlen in die Rentenversicherung ein.
Hier rechnete sich Arbeitsministerin Bas Anfang Juni mit Blick auf die knapp zwei Millionen Beamten Chancen aus. „Wenn alle einzahlen, dann hätten wir mehr im Topf und der Staat muss nicht so viel zuzahlen“, sagte sie bei einer Veranstaltung in Düsseldorf.
Das Problem: Auch Beamte werden alt – und sogar älter?
Kurzfristig könnte sich der Staat Pensionszahlungen sparen und die Rentenversicherung mehr Beitragsgelder kassieren. Langfristig erwerben jedoch auch die Beamten Ansprüche. Und: Beamte leben im Schnitt länger. Das hat zuletzt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergeben. „Zumal die Beamten ja im Zweifel auch ein höheres Gehalt aufweisen“, fügt Ragnitz hinzu. Und: „Kurzfristig könnten die Beiträge somit gesenkt werden, langfristig müssten sie umso stärker steigen.“
IW: Integration von Beamten brächte 20 Milliarden Euro Mehrkosten für den Staat
Denn: Wer würde die Beiträge der Beamten an die Rentenversicherung zahlen? Beamtengehälter sind aus den Haushalten von Bund und Ländern finanziert. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) berechnete, dass mit einer solchen Reform 20 Milliarden Euro an Mehrkosten auf den Staat zukämen – das IW rechnet hier jedoch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil, die die Dienstherren für die rund zwei Millionen Beamtinnen und Beamten zahlen müssten.
Mehr Bruttogehalt für Beamte? Neue Ausgaben für den Staat
Übernähmen künftig die Beamten selbst einen Teil des Rentenversicherungsbeitrags, müsste der Staat die Brutto-Gehälter der Beamten erhöhen, gibt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung in Nürnberg zu bedenken.
Außerdem hinkt ein Vergleich der Rente mit der Pension: Beamte verdienen während des Berufslebens oft weniger als in der freien Wirtschaft. Dafür sind Pensionen in der Regel höher als gesetzliche Renten. Dahinter steht die Logik: Der Staat belohnt die Beamten am Ende für ihre Treue gegenüber dem Grundgesetz mit einer großzügigen Absicherung im Alter.
Kritik aus Bayern: Beamte in der Rentenversicherung „schlicht nicht finanzierbar“
Vor allem für die Länder würde die Reform enorme Kosten bedeuten, gibt das Bayerische Finanzministerium zu bedenken. Für die rund 164.000 Beamten in Bayern sind im aktuellen Haushaltsjahr bereits 7,8 Milliarden Euro eingeplant.
Würde Bas‘ Vorschlag umgesetzt, müssten aber nicht nur die aktuellen Pensionen bezahlt werden, sondern auch die neuen Beiträge zur Vorsorge geschultert werden, kritisiert Finanzminister Albert Füracker (CSU). Bas‘ Vorschlag ist für ihn deshalb „schlicht nicht finanzierbar“.
So zumindest das Urteil aus Bayern. Wie viel Potenzial die Rentenkommission dem Vorschlag zuschreibt, bleibt die nächsten Tage abzuwarten.

