US-Tech-Giganten hängen den Dax ab
Ein Großteil des Wachstums geht auf die Tech-Riesen zurück, die meist aus dem Silicon Valley stammen, einem Tal südlich von San Francisco. Dort entstanden in den 70er- und 80er-Jahren die ersten PCs, Microsoft und Apple machten ihre Gründer zu Milliardären.
Die Dynamik der vergangenen Jahre stellt aber selbst das in den Schatten. NVIDIA, der US-Konzern, der mit seinen Chips Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) ausstattet, machte im ersten Quartal 2026 53,5 Milliarden US-Dollar operativen Gewinn. Das ist in etwa so viel wie die 40 deutschen Dax-Konzerne zusammen. Und NVIDIA ist nur der Primus einer ganzen Reihe von Unternehmen, die gemessen an ihrer Marktkapitalisierung inzwischen mehrere Billionen wert sind. Mehrere sind alleine jeweils mehr wert als die 40 deutschen Dax-Konzerne zusammen.
Scheitern als Teil des Erfolgs begreifen
Bernhard Gold hat im Silicon Valley 13 Jahre lang Risikokapital verwaltet – und damit Start-ups finanziert. Inzwischen lebt er mit seiner Familie wieder in München. Er sieht für den Erfolg des Silicon Valley mehrere Faktoren: Die Nähe von enormem Kapital und Gründern. Und die Mentalität, Scheitern als Teil des Erfolgs zu begreifen und sich große Ziele zu setzen, statt auf den kurzfristigen finanziellen Erfolg zu schielen, sagt er im Interview mit dem ARD-Politikmagazin report München.
Zurück in Deutschland musste er sich erstmal umgewöhnen, denn auch hier hat er einen neuen Wagniskapital-Fonds mitgegründet – und brauchte Monate, nur um seine Konten bei Banken zu eröffnen. Im Silicon Valley könne eine Unternehmensgründung an einem Tag erledigt sein, es reiche, ein Online-Formular auszufüllen. Ein Notarbesuch sei nicht nötig.
Gold gilt als ein wichtiger Netzwerker unter deutschstämmigen Unternehmensgründern und Mitarbeitern der Tech-Industrie im Silicon Valley. Er hat dort die sogenannte German Tech Mafia gegründet – das größte Netzwerk der deutschen Tech-Community in der Bay Area. Bei regelmäßigen Treffen geht es um Austausch und darum, Trends in der Branche vorzustellen.
München als Silicon Valley der Defense Tech?
Gold ist seit seiner Rückkehr optimistisch, dass Deutschland nun aufholen könnte. Gerade entwickle sich etwas rund um München, wo viele Start-ups neue Militärtechnik erforschen. „Dass eine Firma zwei, drei Jahre alt ist und schon mit Milliarden bewertet wird“ – wie beispielsweise der Münchner Drohnen-Hersteller Helsing – sei ein „starkes Signal“. Zuvor habe er so etwas nur im Silicon Valley erlebt. Mit dem Defense Tech Innovation Fund will er gezielt in solche Unternehmen investieren.
Bei einem Besuch am Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding zeigt sich Gold beeindruckt von AVILUS – einer Gründung, an der auch Studenten der TU München beteiligt sind. Sie entwickeln Drohnen, um verletzte Soldaten aus dem Gefecht zu bergen. Erste Prototypen werden bereits getestet. Mitgründer Max Söpper kann sich einen Umzug ins Silicon Valley nicht vorstellen: „Ich bin stolzer Bayer und Deutscher, ich fühle mich hier wohl. München ist zumindest wie ein kleines Silicon Valley für Defense Tech.“
Aktuell sucht die Firma keinen Investor – schade eigentlich, findet Bernhard Gold, er will die Entwicklung der jungen Firma in jedem Fall weiter beobachten. Er glaubt daran, dass aus dieser Defense-Tech-Zelle um München eine neue Dynamik entstehen kann – im Silicon Valley sei der Erfolg schließlich auch nicht über Nacht gekommen.

