Ein Bier zum Fußball gehört für viele immer noch dazu. Und zur Weltmeisterschaft ist der Preiskampf zwischen Großkonzernen und kleinen Traditionsbrauereien wieder voll entbrannt. An der allgemeinen Tendenz, dass immer weniger Bier in Deutschland getrunken wird, kann das aber auch nichts ändern.
Fußballnation Deutschland – aber nur noch bedingt „Bierland“
Auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika macht deutschen Brauereien insgesamt wenig Hoffnung auf eine Trendwende. Selbst der DFB-Partner Bitburger setzt bei der WM angeblich vor allem auf den US-Markt. Denn bei uns ist der Absatz nun schon seit vielen Jahren rückläufig. Das einzige Bier, bei dem die Nachfrage steigt, ist das Alkoholfreie, das den allgemeinen Abwärtstrend aber nicht stoppen kann.
Mal liegt es am Wetter – mal an ungünstigen Übertragungszeiten
Sogar bei der Heim-EM von 2024 wurde erneut weniger Bier ausgeschenkt. Vor zwei Jahren schob man es auf den mäßigen Sommer mit Biergartenwetter nur an wenigen Tagen. Diesmal scheint das Sommerwetter pünktlich zum Turnierbeginn zu stimmen. Aber die Spiele finden wegen der Zeitverschiebung häufig am späten Abend oder gar mitten in der Nacht statt, wenn kaum jemand bei uns zuschauen kann oder mag. Die Wahrheit ist wohl, dass der Bierdurst einfach nachgelassen hat.
Ein Kasten Bier zur WM zum halben Preis
Um den Verdrängungswettbewerb zwischen Groß und Klein auf dem deutschen Biermarkt zusätzlich anzuheizen, gibt es zur aktuellen WM wieder Kampfpreise. Vor allem Braukonzerne, die bundesweit und international unterwegs sind, bieten ihr Bier häufig für 9,99 Euro pro Kasten an. Die zehn Euro gelten nun schon seit Jahren als psychologisch wichtige Marke, unter der in Deutschland große Anteile des Bieres verramscht werden.
In Aktionswochen wie jetzt zur Fußball-WM gehen große Anteile womöglich nicht einmal kostendeckend über die Ladentheke. Vor allem, wenn man den extremen Anstieg der Energiepreise bei der Herstellung sowie die steigenden Kosten für Logistik und die allgemeine Inflation einbezieht.
Nur wenige große Marken spielen in der „Fußballbier-Liga“ mit
In der deutschen Heimat können die Fußball-Fans bei den internationalen Großereignissen immer wieder von solchen Angeboten profitieren. Das hat es auch zu den letzten Weltmeisterschaften schon gegeben. Bei den Rabattaktionen sinken die Preise, laut dem Fachblatt Lebensmittelpraxis, bei einzelnen Händlern um bis zu 50 Prozent.
Neu ist, dass es diesmal auch viel Alkoholfreies zu Sonderpreisen gibt, wobei natürlich nicht alle Brauer mitmachen. Viele können sich das angesichts der allgemein rückläufigen Absatzzahlen beim Bier gar nicht leisten, auch noch das Alkoholfreie billiger abzugeben.
Bayerische Brauereien verweigern sich dem Preiskampf
Der Verband Privater Brauereien Bayern e. V. kritisiert diese Tiefstpreise scharf, da sie mittelständische Strukturen gefährdeten. Typische Regionalbiere bewegten sich in bayerischen Getränkemärkten regulär bei Preisen von 14 bis 22 Euro pro Kasten. Einige Brauereien im Freistaat setzten statt Preisdumping auf Sonderaktionen zur WM: Dazu gehören Gratis-Gläser für Fans oder Gewinnspiele um mögliche Fußball-Ergebnisse.
Ausnahmen: Stadionbier auch bei uns immer teurer
Zehn Dollar verlangt der DFB während der Fußball-Weltmeisterschaft in seinem „Deutschen Haus des Fußballs“ für ein Glas Bier, was aber in New York als vergleichsweise günstig gilt. In den US-Stadien liegen die Preise bei 13 Dollar und mehr, was laut Nachrichtenagentur Bloomberg ein Anstieg um mehr als 20 Prozent gegenüber der letzten Fußball-WM ist.
In heimischen Bundesliga-Stadien zahlen die Fans im Schnitt um die fünf Euro für eine Halbe Bier wie für nichtalkoholische Getränke. Bei der Heim-EM 2024 waren es bei uns allerdings auch schon sieben Euro plus drei Euro fürs Pfand. Ähnlich wie in der Gastronomie, zum Beispiel beim Public Viewing, zeigt zumindest hier auch der Bierpreis deutlich nach oben.

