Eine Extrazulage, eine höhere Abfindung oder auch ein Tag mehr Urlaub im Jahr: Immer öfter werden solche Bonusforderungen in Tarifrunden von den Gewerkschaften für ihre Mitglieder gefordert und zum Teil auch durchgesetzt. Solche Differenzierungsklauseln kommen allerdings nicht gut an bei Arbeitgebern – bei organisierten Beschäftigten dagegen schon. Der Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie positioniert sich da jetzt wieder vor der im Herbst anstehenden Tarifrunde der Branche. Die IG Metall in Bayern auch.
Arbeitgeber: Gewerkschaftsbonus nicht zielführend
Ein tarifpolitischer Irrweg – so bringt Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Metallarbeitgeber, seine Kritik an dem auf den Punkt, was sich da in etlichen Tarifrunden durchgesetzt hat. Und was er auch auf seine Branche zukommen sieht. Wenn Mitglieder einer Gewerkschaft in Verträgen mehr Geld, mehr Urlaubstage, höhere Zulagen als Nichtorganisierte erhalten, dann gefährde das nicht nur den Betriebsfrieden. Es widerspreche auch dem Leistungsprinzip. Vergütung müsse sich an der Arbeit oder anderen betrieblichen Kriterien orientieren. Und ein Bonus würde dem Freiheitsprinzip widersprechen.
Keiner könne gezwungen werden, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Sonderregeln übten da jedoch Druck aus. Neue Mitglieder zu gewinnen, sei Aufgabe der Gewerkschaften. Und das gelinge nur durch eine gute Tarifpolitik. „Ich finde es schade, dass die IG Metall diesen Weg über das Geld geht. Ich hätte der IG Metall an diesem Punkt ein höheres Selbstbewusstsein zugetraut.“ Brossardt wartet da mit einem – wie er selber sagt – nicht ganz ernst zu meinenden Vorschlag auf: einem Rabatt bei künftigen Erhöhungen für tarifgebundene Firmen.
Gewerkschaften: Gewerkschaftsbonus stärkt Tarifpolitik
Die IG Metall wundert sich allerdings etwas über die Sicht der Metallarbeitgeber auf die im Herbst anstehende Tarifrunde der Branche in Bayern. Für Horst Ott, IG-Metall-Chef in Bayern, ist noch gar nicht entschieden, ob die Gewerkschaft diesmal einen Bonus überhaupt durchsetzen will. Die interne Debatte über die Forderung zur Tarifrunde habe gerade erst begonnen. Solche Bonusregelungen seien aber durchaus schon abgeschlossen worden, wie zuletzt beim Autozulieferer Mahle in Neustadt oder auch bei Audi.
Bei Mahle bekommen Beschäftigte mit Ausweis der IG Metall höhere Abfindungen – beim Ingolstädter Autobauer Audi erhalten Mitglieder, je nachdem, wie lange sie bei Audi sind, eine jährliche Einmalzahlung von bis zu 1.250 Euro brutto. Auch in der Leiharbeit, der chemischen Industrie, der Telekom, der Bahn und etlichen anderen Branchen gibt es inzwischen solche Bonusregelungen.
Aus Sicht der Gewerkschaften machen die Sinn, denn das steigert natürlich deren Attraktivität. Der Organisationsgrad ist nicht gerade hoch. Außerdem kritisieren Beschäftigte von jeher, dass sie einen Mitgliedsbeitrag zahlen – aber auch Nichtmitglieder im Betrieb von einem Tarifabschluss profitieren. Denn die meisten Arbeitgeber wenden den Tarifvertrag für alle Beschäftigten an.
Gewerkschaftsbonus ist juristisch umstritten
Ob ein Gewerkschaftsbonus zu rechtfertigen ist, da sind Arbeitsrechtler unterschiedlicher Meinung. Ein Senat des Bundesarbeitsgerichtes hat ihn 2009 unter bestimmten Bedingungen für zulässig erklärt. Er dürfe aber nur „Anreiz“ sein. Sprich: Einen Zwang, Mitglied zu werden, darf es nicht geben. Das entspräche nicht dem, was das Grundgesetz vorsieht.
Es billigt den Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu, die Arbeitsbedingungen frei zu regeln. Das jedoch dürfe nicht dazu führen, dass alle mitmachen müssen. Aber wie hoch darf solch ein Gewerkschaftsbonus ausfallen? Höchstrichterlich entschieden ist das noch nicht. Die Richtschnur: Der Bonus sollte nicht viel höher ausfallen als der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag.

