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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Sie verrotten dort“: Beschwerde an Putin sorgt für Aufsehen
Kultur

„Sie verrotten dort“: Beschwerde an Putin sorgt für Aufsehen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 1. Juli 2026 09:50
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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„Die Geschichte dahinter ist schwer nachzuvollziehen“, so der kremlkritische Publizist Ilja Remeslo zu einem aufsehenerregenden Soldatenprotest, der Russlands Militärszene in Atem hält [externer Link]. Im Ausland hat der Fall bereits viele Schlagzeilen gemacht, auch bei der britischen BBC [externer Link] und in der BILD-Zeitung („Putin fürchtet Aufstand der eigenen Armee“).

Inhaltsübersicht
Kremlsprecher: „Recht merkwürdig“„Nerv getroffen“„Der Zar ist gut, die Bojaren sind schlecht“

Es geht dabei um den höchst dubiosen, angeblichen russischen Kriegsveteranen Alexander Lunin, der in Netz-Videos über die Zustände an der russischen Front klagte und damit drohte, die Armee werde auf Moskau marschieren, wenn er nicht bald mit Putin im Fernsehen auftreten dürfe, um über die Missstände zu sprechen.

„Im Moment sitzen Zehntausende unserer Soldaten in Erdlöchern, bestraft von ihren Kommandeuren. Sie verrotten dort, Folter und Gewalt durch die sogenannte Gestapo ausgesetzt“, so Lunin: „Weil sie sich weigerten, dumme, selbstmörderische Befehle auszuführen. Weil sie sich weigerten, ihr Geld herauszugeben. Und schließlich werden sie ausgelöscht, als vermisst gemeldet.“

Kremlsprecher: „Recht merkwürdig“

So undurchsichtig Lunins Rolle auch sein mag, fest steht, dass er auf Instagram mit seiner öffentlichen Beschwerde gegen die russischen Befehlshaber in kürzester Zeit zwölf Millionen Abrufe hatte. Der oben erwähnte Kommentator Ilja Remeslo (124.000 Fans) schließt nicht aus, dass es sich dabei um eine ukrainische Geheimdienstaktion oder sonst eine Instrumentalisierung von Lunin handelt.

Auffällig, dass sich umgehend Kremlsprecher Dmitri Peskow zu Lunins Auftritt äußerte [externer Link], wenn auch ausweichend: „Uns wurde von einer solchen Anfrage berichtet, aber wir hatten noch keine Gelegenheit, sie zu lesen. Dem Anschein nach zu urteilen, klingt das recht merkwürdig; wir müssen das erst einmal lesen.“ Ob Lunin wirklich nach Moskau eingeladen wurde, wie er selbst behauptete, blieb zunächst offen.

„Totale Zensur“ helfe nicht gegen die „tiefe Unzufriedenheit“ der Soldaten, meinte einer der russischen Beobachter, der eine Meuterei „nur noch für eine Frage der Zeit“ hält [externer Link]: „Neue radikale Appelle von der Front zeigen, dass der blinde Glaube des Kremls an seine eigene Unfehlbarkeit zu einer weiteren Führungskrise führt.“

„Nerv getroffen“

Journalist Dmitri Kolesjew bemerkte [externer Link], die Gründe für Lunins Beschwerde seien „durchaus real“, gleichwohl handle es sich wohl eher um eine „Einzelmeinung“. Das könne den Kreml jedoch kaum beruhigen: „Putins Zögern, den Krieg zu beenden, lässt sich vielleicht teilweise durch die Befürchtung erklären, dass eine große Anzahl solcher Menschen Ansprüche gegen die politische Führung des Landes wegen des verlorenen Krieges und des sinnlosen Todes Hunderttausender Menschen erheben wird.“

„Der Zar ist gut, die Bojaren sind schlecht“

Politikberater Abbas Galljamow (87.000 Fans), jetzt im Exil lebend und früher Redenschreiber im Kreml, verweist darauf [externer Link], dass die russischen Soldaten eine „starke Abneigung“ gegen Armeechef Waleri Gerassimow hätten: „Veteranen und aktive Soldaten haben sich ein klares Bild von einem Befehlshaber gemacht, der – sei es aus Inkompetenz oder aus anderen Gründen – die Armee zerstört hat.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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