Nach Angaben des Landratsamt Kelheim wurden bei Wasserproben aus der Donau Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, nachgewiesen. Hinweise auf ein massenhaftes Vorkommen giftbildender Arten gebe es allerdings nicht. Einen Zusammenhang mit den Erkrankungen von zwei Menschen und mehreren Hunden schließt die Behörde dennoch nicht aus. Das Gesundheitsamt empfiehlt deshalb vorerst nicht in der Donau zu baden oder zu schwimmen. Anderen Landratsämtern entlang der Donau – etwa in Neuburg, Straubing, Deggendorf und Passau – sind auf BR-Nachfrage bislang keine vergleichbaren Krankheitsfälle bekannt.
Warum Cyanobakterien gefährlich sein können
Nicht jede Cyanobakterien-Art produziert Giftstoffe. Einige Arten bilden jedoch sogenannte Cyanotoxine, die bei Menschen und Tieren gesundheitliche Beschwerden auslösen können. Dazu gehören Hautausschläge, Übelkeit, Durchfall, Atemnot oder Muskelkrämpfe. Besonders riskant ist es, wenn belastetes Wasser verschluckt wird oder Giftstoffe über die Schleimhäute aufgenommen werden. Vor allem Kleinkinder gelten deshalb als gefährdet, weil sie häufig im flachen Wasser spielen, dabei auch Steine oder Sand in den Mund stecken.
Für Hunde können bereits geringe Mengen lebensgefährlich sein. Sie trinken aus flachen Uferbereichen oder lecken Steine und Wasserpflanzen ab. Erste Warnzeichen für eine mögliche Vergiftung sind laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) starker Speichelfluss, Zittern oder Krämpfe. Dann sollten Tierhalter umgehend einen Tierarzt aufsuchen.
Warnung vor Blaualgen in Flüssen ungewöhnlich
Warnungen wegen Cyanobakterien sind bislang vor allem von Seen und Weihern bekannt. Dort können sich die Bakterien bei sommerlichen Temperaturen stark vermehren und die typischen grünlichen Algenblüten bilden. Seit Juni gab es an mehreren Badeseen in Bayern entsprechende Warnungen, unter anderem am Bodensee bei Lindau. Dass nun auch für einen Fluss wegen eines möglichen Zusammenhangs mit Cyanobakterien vom Baden abgeraten wird, ist dagegen ungewöhnlich. Nach Einschätzung von Forschern der Technischen Universität München könnte das künftig häufiger vorkommen.
Klimawandel schafft günstigere Bedingungen
Am Lehrstuhl für aquatische Systembiologie der TU München untersucht das Team um Prof. Jürgen Geist seit Jahren, wie sich der Klimawandel auf Gewässer und die Verbreitung von Cyanobakterien auswirkt. Der Nachweis der Bakterien in der Donau überrascht die Wissenschaftler deshalb nicht. Steigende Wassertemperaturen verlängern die Vegetationsperiode der Mikroorganismen. Gleichzeitig führen längere Hitzephasen, niedrigere Wasserstände und eine geringere Durchmischung zu Bedingungen, unter denen sich Cyanobakterien leichter ausbreiten können. Solche Bedingungen treten inzwischen auch in Flüssen häufiger auf.
Nicht jede Blaualge ist sichtbar und gefährlich
Die Forscher unterscheiden grundsätzlich zwischen zwei Gruppen von Cyanobakterien. Planktische Arten schweben frei im Wasser und verursachen die bekannte grünliche Algenblüte, die Badende meist leicht erkennen können. Daneben gibt es benthische Cyanobakterien. Sie wachsen auf Steinen, Kies oder Wasserpflanzen und bleiben deshalb oft unbemerkt. Einige dieser Arten können hochgiftig sein und sind insbesondere für Hunde lebensgefährlich, weil sie am Ufer trinken oder Steine und Pflanzen ablecken. Hinzu kommt: Selbst wenn Cyanobakterien sichtbar sind, bedeutet das nicht automatisch, dass Giftstoffe vorhanden sind. Umgekehrt können bereit kleine Bestände hochtoxisch sein. Ob von einem Gewässer tatsächlich eine Gefahr ausgeht, lässt sich deshalb mit bloßem Auge oft nicht beurteilen.
Bekämpfung ist nur langfristig möglich
Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) benötigen Cyanobakterien vor allem Sonnenlicht sowie Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff. Besonders nährstoffreiche Gewässer begünstigen deshalb ihre Ausbreitung. Die nachhaltige Reduzierung der Nährstoffeinträge stelle daher die einzige brauchbare Möglichkeit zur Eindämmung des Wachstums dar, so das LfU. Aus Sicht der Wissenschaftler der TU reicht das allein jedoch nicht aus. Die Gewässer müssten als funktionierende Systeme erhalten werden. Dazu gehören möglichst naturnahe Flussverläufe mit wenigen Staubereichen, sowie Maßnahmen, die einer weiteren Erwärmung der Gewässer entgegenwirken.
Nicht nur Cyanobakterien können krank machen
Auch unabhängig von Cyanobakterien bleibt das Baden in Seen und Flüssen mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit stellen vor allem Durchfallerreger eine häufige Gefahr dar. Sie gelangen unter anderem durch Fäkalien ins Wasser, verstärkt nach Starkregenereignissen. Warme Temperaturen und Trockenheit hätten dagegen meist keine negativen Auswirkungen auf die hygienisch-mikrobiologische Qualität der Badewässer, so das LGL.
Wie schützen sich Mensch und Tier
Neben dem naheliegenden Hinweis, entsprechende Badeverbote zu beachten, rät das LGL bei grünlich oder rot trübem Wasser sowie bei sichtbaren Schlieren oder Belägen auf der Wasseroberfläche nicht zu baden, Hautkontakt zu vermeiden. Besonders Kinder sollten sich dann nicht im Wasser aufhalten.
Eine weitere, einfache Prüf-Variante des LGL: Langsam knietief ins Wasser gehen, ohne das Sediment aufzuwirbeln. Wenn die Füße nicht zu sehen sind, nicht baden. Prof. Jürgen Geist von der TU München weist allerdings darauf hin, dass sich insbesondere benthische Cyanobakterien mit bloßem Auge häufig gar nicht erkennen lassen. Eine Sichtprüfung allein könne deshalb keine Entwarnung geben. Gerade deshalb sollten Warnungen der Behörden ernstgenommen und Vorsichtsmaßnahmen konsequent beachtet werden.

