In diesen Tagen wird deutlich, wie ein Skandal und seine politische Aufarbeitung starke Verbesserungen bringen können: Im Frühjahr 2025 berichteten Medien, wie die bayerischen Museen, insbesondere die Staatsgemäldesammlungen, jahrelang zusammen mit dem Kunstministerium die Rückgabe von während der nationalsozialistischen Diktatur meist jüdischen Sammlerinnen und Sammlern geraubter Kunst zumindest verzögert haben. Da war von Verschweigen, Verweigern und mangelnder Auskunftsbereitschaft die Rede. Wie sehr seither mehr Bewegung in die Abläufe der Kunstrückgabe gekommen ist, zeigen am Freitag veröffentlichte Zahlen.
Allein die Staatsgemäldesammlungen gaben in zwölf Monaten fünf Werke an die Erben der jüdischen Sammler zurück. Seit der Washingtoner Erklärung, die von 1998 an Staaten zur Rückgabe (= Restitution) solcher Kunst verpflichtet, ist die Gesamtzahl damit auf 39 gestiegen. Vor 2025 war also gerade mal im Schnitt ein Werk pro Jahr restituiert worden. Aus dem Bayerischen Nationalmuseum wurden bisher über 100 Silberobjekte zurückgegeben, davon allein 13 im vergangenen Jahr.
Beste Lösung in der Staatlichen Graphischen Sammlung
1909 konnte der deutsche Impressionist Max Slevogt auf Einladung von Prinzregent Luitpold einige Zeit auf Schloss Hohenschwangau verbringen. In dieser Zeit entstanden mindestens 15 Aquarelle mit Motiven aus dem Umfeld Luitpolds, die fortan unter dem Gruppennamen „Prinzregentenzyklus“ firmierten und später von den jüdischen Brüdern Leo und Salo Lewin (Berlin und Breslau) erworben worden sind. Anderen Erben wurden jetzt zwölf Aquarelle zurückgegeben, die sich zwischenzeitlich in der Staatlichen Graphischen Sammlung München befunden haben.
Indes erlitt die Museumsszene dadurch keinen Verlust: Aufgrund der großen Bedeutung der Arbeiten Slevogts für die bayerische Geschichte und Kunstgeschichte wurden die Blätter vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds wiedererworben und liegen in den Safes der Staatlichen Sammlung.
Reformen bei der Kunstrückgabe
Vor zwei Wochen stellte Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) im Landtag eine in den nächsten Monaten einzurichtende Neuorganisation bei der Bearbeitung von Restitutionsanfragen vor. Sehr bewusst wird dabei auf Objektivität, also auf möglichst große Museums- und Staatsferne, geachtet.
Danach soll künftig ein Zentrum für Restitutionsforschung, also zur Erforschung von Rückgabefragen, am Institut für Zeitgeschichte in München installiert werden, das zu den Leibniz-Instituten gehört. Dazu werden acht Forschungsarbeitsplätze und eine Geschäftsstelle geschaffen. Darüber hinaus tritt als beratendes Gremium eine unabhängige Kommission zusammen. Eine Art runder Tisch, zu dem Raphael Groß vom Deutschen Historischen Museum in Berlin, der Provenienzforscher Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Seite sowie weitere Historikerinnen und Historiker gehören sollen.
Diese Kommission wird selbst Herkunftsforschung an bayerischen Museen anregen, im Zentrum für Restitutionsforschung, aus eigenem Verdacht oder nach Anregung von außen. Danach soll der runde Tisch eine Empfehlung abgeben, über die letztlich allerdings weiterhin der Kunstminister entscheidet, denn hier geht es ja um Eigentum des Freistaats. Darüber hinaus bleibt den Erben beraubter Kunstsammler aber natürlich auch der Rechtsweg über die vor sieben Monaten bundesweit geschaffenen Schiedsgerichte.

