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Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres etwa 116.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Doch etwa jeder zehnte junge Mensch hat weder Job, noch Studien-, noch Ausbildungsplatz. Der Anteil ist mit 10,0 Prozent höher als in den Niederlanden (5,6 Prozent), Schweden oder Tschechien, aber liegt unter dem EU-Schnitt von 12,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt [externer Link] berichtet.
Bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen befürchten die Forscher des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen historischen Tiefstand. „Der Ausbildungsmarkt hat nie mehr nach der Corona-Krise das Niveau von vor der Corona-Krise erreicht“, sagt der Direktor des Instituts, Bernd Fitzenberger.
Wie passt das zusammen, fragten sich BR24-User wie „Sokrates_MI“: „Auffällig ist, dass so viele ‚arbeitssuchend‘ gemeldet sind, aber trotz so vieler offener Ausbildungsplätze nicht finden. (…)“
Das Wort, das Ökonomen oder Arbeitsmarktexperten oft benutzen, ist „mismatching“. Beim Thema Ausbildung bedeutet das: Es gibt Bewerber mit einem Ausbildungswunsch und es gibt Betriebe und Unternehmen, die Auszubildende oder Beschäftigte suchen. Aber beide Seiten kann man nicht wie eine Schablone zusammenführen. Denn vielleicht wünscht sich der junge Mann oder die junge Frau eine Ausbildungsstelle in der öffentlichen Verwaltung oder bei einer Versicherung. Die Berufe sind begehrt und auf jede Auszubildendenstelle gibt es mehrere Bewerberinnen und Bewerber.
Im Baugewerbe ist es genau andersherum. Hier bleiben 2025 laut IAB-Bericht [externer Link] fast die Hälfte aller angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt, in der Forst- und Landwirtschaft waren es 39 Prozent. Manche Betriebe, besonders Kleinstbetriebe, erhalten gar keine Bewerbung.
Regionales Mismatching
Manchmal ist es aber auch so, dass ein Bewerber und eine Ausbildungsstelle zueinander passen, allerdings ist der Ausbildungsplatz in einer anderen Stadt oder in einem anderen Landkreis als der aktuelle Wohnort. Gründe für junge Menschen, für eine Ausbildungsstelle nicht umzuziehen, sind hauptsächlich das persönliche Umfeld, also Familie oder Freunde. Allerdings wollen sie auch nicht umziehen, weil die Wohnkosten am Ort der Ausbildung zu hoch sind. Einige geben auch an, dass familiäre Verpflichtungen sie von einem Umzug für eine Ausbildung abhalten. Familiäre Verpflichtungen können Aufgaben der Betreuung, Erziehung und Unterstützung von Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen oder Eltern sein.
So etwas vermutete auch BR24-User „Federkiel“ und wünschte sich mehr Zahlen zu den Gründen: „(…) Wie viele davon erziehen Kinder ohne einen Kita-Platz, wie viele pflegen Angehörige, wie viele jobben, während sie auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz warten. (…)“
Was machen die jungen Menschen ohne Job und Ausbildung?
Doch es gebe keine genauen Erkenntnisse darüber, was diese jungen Menschen stattdessen machen, sagt Direktor Fitzenberger. Es gebe zum Beispiel das Gap Year nach dem Abitur. Das heißt, Abiturientinnen und Abiturienten würden sich ein Jahr nach dem Schulabschluss erst einmal orientieren, was sie anschließend machen wollen. „Viele machen dann Reisen, machen aber auch freiwillige Dienste.“ Und für manche sei es nicht einfach, einen beruflichen Weg zu finden. „Es ist aber sehr schwierig, hier allgemeingültige Aussagen zu machen, weil die individuellen Lebenssituationen sehr, sehr unterschiedlich sind.“
BR24-User: Fehlt es an der Qualifikation oder Motivation?
Die Corona-Pandemie sei ein entscheidender Einschnitt gewesen. Damit seien auch die Schulleistungen eingebrochen, so der Ökonom und Arbeitsmarktforscher. „Wir haben sehr hohe Leistungsdefizite beim Schulabschluss, das merken wir auch an den Universitäten“, sagt Fitzenberger. Und da sei es schwer, den Einstieg in Ausbildung und in den Arbeitsmarkt zu finden.
Besondere Herausforderungen gebe es bei der Ausbildung bei jungen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Sie davon zu überzeugen, dass die duale Ausbildung der bessere Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt ist, sei ein Versäumnis der Vergangenheit. „Weil man langfristig bessere Verdienstchancen, geringere Arbeitslosigkeitsrisiken hat, als wenn man direkt in den Arbeitsmarkt in einem Helferjob einsteigt.“
Bernd Fitzenberger registriert außerdem eine Tendenz des Abwartens bei Jugendlichen. Die jungen Menschen seien nicht orientierungslos und besäßen viel Wissen über die Berufskunde und Berufsberatung. „Aber dieser nächste Schritt, das dann in eine Entscheidung für einen bestimmten Beruf zu übersetzen, sich einzulassen, mal eine betriebliche Praxis auch zu erleben, das kann gar nicht früh genug passieren.“ Er sieht eine Möglichkeit, das zu verbessern: Praktika an Schulen intensivieren, diese dann aber auch entsprechend in den Schulen zu diskutieren und nachzubereiten.

