Das Cover des neuen Ebow-Albums „Typologie eines Lebens“ zeigt die Rapperin mit einem Lamm. „Ein echtes Lamm“, wie die gebürtige Münchnerin im Interview mit Bayern 2-Zündfunk verrät. Für das Cover hat die Rapperin mit dem Fotografen Andreas Mühe zusammengearbeitet, der beispielsweise auch schon Angela Merkel abgelichtet hat. Beim Location-Scouting seien sie aus Versehen auf einem Privatgrundstück mit Schafherde gelandet. Die Besitzer seien einverstanden gewesen, dass sie mit einem der Lämmer shooten. Das Lamm sei ein religiöses Symbol für so vieles, zum Beispiel Unschuld, Opferbereitschaft, Erlösung oder Wiedergeburt. Perfekt für ein Album-Cover, sagt Ebow.
Neues Ebow-Album ist persönlicher denn je
„Typologie eines Lebens“ ist das sechste Album der Münchnerin, die mittlerweile in Berlin lebt. Und es ist autobiografischer denn je. Die Idee einer Typologie habe sie aus ihrem Architekturstudium mitgenommen, sagt Ebow: „Wir waren in Athen und mussten eine Mappe erstellen über die Typologie der Stadt.“ Für den einen seien die Straßenschilder interessant gewesen, für den anderen die Pflanzen.
Daran angelehnt habe sie mit dem neuen Album eine Art Collage ihres Lebens erstellen wollen. Das Besondere an der Typologie: Sie sei einerseits persönlich, enthalte gleichzeitig jedoch auch allgemein vermittelbare Botschaften. Ihr Ziel, sagt die Rapperin: „Dass jemand, der vielleicht eine andere Biografie hat, diese Songs hört und sich darin wiederfindet.“
Ein kritischer Blick auf Glücksspielsucht und Online-Casinos
Im autobiografischen Song „Novoline“ thematisiert Ebow zum Beispiel die Glücksspielsucht ihres Vaters. Ebow erklärt: „Ich finde es schrecklich, wenn Musiker für Online-Casinos werben.“ Die Glücksspielsucht ihres Vaters habe sich für Ebow in jungen Jahren angefühlt, als würde er fremdgehen. Deshalb sei „Novoline“ aus der Perspektive der Sucht geschrieben. „Einen Elternteil zu haben, der süchtig ist, fühlt sich meistens so an, als hätte man eine weitere Person in der Dynamik drin“, sagt Ebow. Im Song lockt ein sirenenähnlicher Chor den Vater weg.
Ebow besingt München und die queere Liebe
Auch Ebows Geburtsstadt München darf in „Typologie eines Lebens“ nicht fehlen. Im Song „Club 1990“, der die Club-Euphorie der 1990er und 2000er aufleben lässt, taucht im Text beispielsweise die Münchner Vorwahl 089 auf. Die wichtigste Botschaft des Songs verstecke sich hier jedoch im Musikvideo: „Weil ich so lange schon Musik mache als queere Künstlerin und es kein einziges Video mit einer queeren Lovestory gab, die über Blicke hinausging“, sagt Ebow. Aus diesem Grund sei das Video eine lesbische Liebesgeschichte geworden – mit Kuss und Happy End.
„Arbayt“: Ausgrenzung über Generationen
Im bereits vorab erschienenen Song „Arbayt“ erzählt die Deutschrapperin, wie die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern, deren Erfahrungen sich mit jenen vieler sogenannter Gastarbeiter decken, sie geprägt hat. In einer Zeile heißt es: „Mal waren wir zu faul, hatten keinen Bock auf die Arbeit / Mal waren wir zu schlau, nahmen ihnen weg ihre Arbeit / Mal haben sie uns gebraucht für den Dreck ihrer Arbeit.“
Sie zitiert auf dem Album auch ein Gedicht mit dem Titel „Mein Name ist Ausländer“ von Semra Ertan, die sich 1982 in Hamburg aus Protest gegen Rassismus öffentlich verbrannte. „Ich habe gemerkt, wie aktuell das immer noch ist“, so Ebow.
Ebow-Album in Berlin als Ausstellung zu sehen
Das neue Album „Typologie eines Lebens“ können Ebow-Fans dabei kurzzeitig nicht nur hören, sondern auch sehen. In Berlin werden am 12. und 13. September im Rahmen einer Ausstellung Zeichnungen präsentiert. Jeder Song hat dabei eine eigene Zeichnung bekommen, die Ebow in einem gemeinsamen Workshop mit Studierenden der TU Wien angefertigt hat. „Mir war es wichtig, die Leute in einen Raum einzuladen, wo sie das Album auch visuell wahrnehmen können“, so die Rapperin.

