Wie so oft in der Geschichte der Menschheit treibt der Krieg die Entwicklung voran: In der Ukraine haben sich die Entwicklungszyklen von Flugdrohnen nach dem Angriff Russlands dramatisch verkürzt. Zugleich sind Drohnen Mittel in einer hybriden Kriegsführung: bei einem Krieg ohne Kriegserklärung, im Verborgenen, mit Cyberangriffen oder Sabotage. Drohnen können außerdem den Flugverkehr stören: In Westeuropa müssen Flughäfen aufgrund von Drohnensichtungen immer wieder zeitweise den Betrieb einstellen, um Kollisionen auszuschließen. Schlagzeilen machte eine mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle.
Drohnenentwicklung im Innovationszentrum der Bundeswehr
Als eine Reaktion auf diese Entwicklungen wurde das Innovationszentrum der Bundeswehr im oberbayerischen Erding gegründet. „Es muss uns gelingen, bei diesen hochdynamischen Technologieentwicklungen Anschluss zu erhalten und rechtzeitig diese neuen Produkte in die Bundeswehr zu bringen“, sagt Jens Holtmannspötter, Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr, der dort mit seinem Team neue Systeme entwickelt.
„Unbemannte Systeme gegen unbemannte Systeme“
Das heutige Gefechtsfeld sei „bedeutend gefährlicher, bedeutend letaler für den Soldaten“, so Holtmannspötter. Unbemannte Systeme sollen ihn schützen – und gleichzeitig den Gegner effizienter bekämpfen. Das Ergebnis sei, „dass wir vermehrt den Einsatz von unbemannten Systemen gegen unbemannte Systeme sehen werden“, ist der Professor überzeugt. Zugleich wird Kosteneffizienz immer wichtiger: „Sie können keinen Flugkörper verschießen für mehrere Hunderttausend Euro, um eine Drohne abzuwehren, die nur ein paar Tausend Euro kostet“, sagt Holtmannspötter.
Software-Updates machen Drohnen leistungsfähiger
Um das zu gewährleisten sind Software und der Einsatz Künstlicher Intelligenz entscheidend. Unter dem Schlagwort Software-Defined-Defense wird die „Leistungsfähigkeit eines Systems nicht mehr durch die Hardware einmalig festgelegt“, erklärt Holtmannspötter: Software-Updates machen eine äußerlich unveränderte Drohne leistungsfähiger. Die KI stützt sich auf Daten von Kameras, Wärme- oder Akustiksensoren. Dadurch erkennt sie zum Beispiel Bedrohungen schneller und unterstützt Soldaten bei ihren Entscheidungen. Denn, so betont Holtmannspötter: „Das Ganze muss nach unserer Auffassung nach wie vor durch Soldaten entschieden geführt werden.“
Ziviler Drohnen-Einsatz: Kontrolle und Reparatur von Infrastruktur
Vieles von dem, was für den Krieg entwickelt wird, kommt auch im zivilen Umfeld zum Einsatz. So inspizieren Drohnen Offshore-Windräder, überwachen Stromleitungen oder kontrollieren Brücken. Tim Strohbach vom Fraunhofer IFAM in Bremen kann sich vorstellen, dass künftig Drohnen in „Windparks wohnen“ und dort die komplette Wartung selbst übernehmen. „Das heißt, dass eine Drohne nicht nur inspiziert, sondern eben auch das Blatt repariert.“
Schwieriges Umfeld: Drohneneinsatz unter Wasser
Unter Wasser könnten Drohnen künftig Pipelines inspizieren, Schiffsrümpfe reinigen oder kritische Infrastruktur überwachen. Doch der Bereich unter Wasser ist für die Technik der Herausforderndste, sagt Davide Scaramuzza von der Universität Zürich. Die Sicht ist schlecht, es gibt kein GPS und nur begrenzte Echolokation. Er und sein Team entwickeln gerade Systeme, die Tausende Kilometer Stromleitungen inspizieren oder einzelne Pflanzen intelligent bewässern und mit Pflanzenschutzmitteln behandeln.
Dabei verschwimmt die Begriffsgrenze zwischen Drohne und Roboter: Ein fliegendes System mit Armen kann schrauben und streichen, ein Radroboter mit Sensoren kann Gelände überwachen. In Bad Windsheim patrouilliert ein „Roboter“ versuchsweise durch das Freilichtmuseum – ausgestattet mit ähnlichen Sensoren, wie eine Drohne.
Lärm und Absturzgefahr: Protest gegen Drohneneinsatz
Doch mit zunehmendem Drohneneinsatz wächst auch der Widerstand: Drohnen stören durch Lärm, verletzen die Privatsphäre, und die Menschen haben Angst, dass eine Drohne über ihnen abstürzen könnte. In Zürich wurde eine Drohnen-Transportroute über der Stadt aus solchen Gründen wieder eingestellt.
Experten: Viel Nutzen, aber auch Gefahren der Entwicklung
Für viele Experten überwiegt der Nutzen für Sicherheit, Infrastruktur und Versorgung. Und sie sind sich einig, dass unbemannte Systeme zunehmend riskante, monotone und gefährliche Aufgaben übernehmen. Diese Systeme machen vieles schneller, präziser und günstiger als Menschen – im Krieg wie im Zivilleben. Aber Experten warnen auch: Die Gesellschaft sollte darauf achten, die Kontrolle zu behalten: technisch, rechtlich und moralisch.
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