Früher war vieles billiger. Früher hat Tanken nicht mal eben 100 Euro gekostet, vom Essengehen mit der Familie oder von der Stromrechnung ganz zu schweigen. Diese frustrierenden Gedanken kennen viele – von dem viel zitierten Wirtschaftsaufschwung ist in solchen Momenten nichts zu spüren. Aber es gibt Fakten, die diesem negativen Bauchgefühl etwas entgegenhalten.
Dem Bauchgefühl stehen gute Neuigkeiten gegenüber
Etwas, das bei der Einordnung helfen kann: Studien belegen, dass die Kaufkraft sich mittlerweile wieder auf dem Niveau vor der Pandemie eingepegelt hat. Es stimmt zwar, dass Tanken und Essengehen im Vergleich zu 2020 teurer geworden ist, aber es ist im Durchschnitt auch mehr Geld im Haushalt verfügbar als noch 2020.
Eine Studie des IMK, des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, kommt zu dem Ergebnis, dass trotzdem fast 60 Prozent der Befragten überzeugt sind, dass sie real weniger Geld zur Verfügung haben als damals.
Teurer „persönlicher Warenkorb“
Und das muss nicht mal eine Täuschung sein. Denn für viele Menschen hat sich der sogenannte „persönliche Warenkorb“ verändert. Wer beispielsweise viel mit dem Auto unterwegs ist, der tankt öfter und muss tatsächlich mit hohen Benzinpreisen klarkommen. Im August zum Beispiel lag die Gesamtinflationsrate zwar bei 2,9 Prozent, die Teuerung bei den Kraftstoffen aber bei zehn Prozent. Soll heißen: Benzin oder Diesel waren zehn Prozent teurer als noch vor einem Jahr.
Ähnlich geht es Menschen, die eine hohe Miete zahlen, die mit Gas oder Öl heizen oder die Wert auf hochwertige Lebensmittel legen. Sie alle zahlen anteilig mehr als „früher“ und müssen entsprechend an anderen Stellen sparen. Dieses Gefühl, den Gürtel enger schnallen zu müssen, während andere von Aufschwung sprechen, kann Misstrauen oder sogar Wut hervorrufen.
Schlechte Stimmung als Risikofaktor für den Wirtschaftsstandort
Dieses Misstrauen wiederum hat konkrete Konsequenzen für die Volkswirtschaft. Denn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird zur Hälfte durch den privaten Konsum generiert. Wer aber verunsichert ist, gibt weniger Geld aus, nimmt Investitionen im Privaten zurück und wartet ab – das BIP wächst nicht so sehr, wie es eigentlich könnte. So wird aus dem Gefühl „Es gibt in Wahrheit keinen Aufschwung“ eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Um die Stimmung zu drehen, braucht es Visionen
Der Berater für Krisenkommunikation, Marcus Ewald, beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, wie sich Stimmungen in Unternehmen zum Positiven drehen lassen. Er sagt im ARD-Interview: „Wenn man weiß, dass man einer Vision folgt, einem großen Bild, dann machen da häufig viel mehr Leute viel motivierter mit.“
Überträgt er das auf die aktuelle Politik, sieht Ewald ein Defizit: „Es gibt ja Reformpakete, Rente und Gesundheit und so weiter. Das ist aber alles defensive Arbeit. Da wird reformiert, was eh schon marode ist. Es fehlt die offensive Arbeit, es fehlt, dass wir sagen, das Geschäftsmodell Deutschland soll in 20 Jahren so oder so aussehen.“ Ewald hat den Eindruck, dass viele Menschen „hungrig“ sind. „Die sehnen sich danach, dass es irgendeine Vision gibt und die sehnen sich auch danach, anzupacken.“
Visionen fürs Handgepäck
Die große Vision kann nur in der öffentlichen Debatte entstehen. Aber auch im Privaten lassen sich Hebel in Bewegung setzen, um aus dem Stimmungstief zu kommen. Es hilft, sich einen Plan für das eigene Leben zu gestalten: Was soll in drei oder fünf Jahren besser sein als heute?
Außerdem könnte ein Vergleich der eigenen Steuerbescheide helfen: Was stand 2020 unterm Strich und was heute? Bleibt am Ende wirklich weniger übrig?

