Ein Hoffnungsschimmer am dunklen Autohimmel über Ingolstadt: der neue Audi A2 e-tron. Damit will der Autobauer wieder punkten. Und mit dem E-Modell an die Erfolge des alten A2 anschließen. Das kann Audi brauchen. Denn auch hier schlägt die Krise voll durch: US-Zölle, wegbrechende Märkte, die Konkurrenz aus China. Weder das Ingolstädter Werk noch das in Neckarsulm sind derzeit ausgelastet. Es braucht also dringend Lösungen.
A2 e-tron wird in Ingolstadt produziert
Laut Unternehmen werden rund 700 Mitarbeitende am Standort Ingolstadt künftig den Audi A2 e-tron montieren. Dazu kommen weitere Mitarbeitende, etwa im Karosseriebau und in der Lackiererei. Schneller, einfacher und effektiver solle die Produktion ablaufen, so das Unternehmen. „Er ist der effizienteste Audi, den wir jemals gebaut haben“, so Audi-Chef Gernot Döllner beim offiziellen Produktionsstart.
Das Modell läuft erstmal im Einschichtbetrieb. Nach und nach solle die Fertigung dann hochgefahren werden, so ein Pressesprecher. Genaue Produktionszahlen nennt das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt nicht und verweist auf die Jahresbilanz.
Ministerpräsident Söder: „Bayern ist Audi-Land“
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch, dass beim Produktionsstart des neuen Modells in Ingolstadt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vor Ort war. „Bayern ist Audi-Land“, sagt Söder beim Audi-Besuch. Er betont die wirtschaftliche Bedeutung des Werks für Bayern: „Wir wollen, dass Arbeitsplätze weiter am Auto gehalten werden.“ Um im Wettbewerb mit China zu bestehen, brauche es nicht nur effiziente Modelle, sondern auch passende Rahmenbedingungen. Das heißt für Söder: kein Verbrennerverbot – und die E-Auto-Prämie für Gebrauchtwagen und Plug-ins soll geöffnet werden.
Den A2 e-tron nennt Söder ein „Mutmachersignal“ für den Automarkt. Künftig sollen in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Ingolstadt Innovation und Know-how am Standort weiter gestärkt werden. Am Rande der Veranstaltung traf sich Söder zu Gesprächen mit der Geschäftsführung.
Standortsicherung für Ingolstadt
Gesamtbetriebsratschef Jörg Schlagbauer sieht den A2 e-tron als einen wichtigen Schritt für den Standort in Ingolstadt. Denn die Sorgen sind auch bei Audi groß. Das Unternehmen gehört zum VW-Konzern. Und dort wird ein großes Sparprogramm diskutiert. Auch die Schließung von Werken steht zur Debatte. Darunter das Audi-Werk in Neckarsulm mit rund 15.000 Beschäftigten.
Wie geht es weiter? Das ist die Frage, die die Mitarbeiter umtreibt. Und das zu Recht, meint Betriebsratschef Schlagbauer. Die Lage sei ernst, sehr ernst. Das schrieb er in diesen Tagen an die Mitarbeiter. Und verweist darauf, dass man sich in den bevorstehenden Gesprächen mit klaren Forderungen einbringen will.
Audi will wettbewerbsfähig bleiben – doch die Konkurrenz ist stark
Die deutsche Autobranche steht derzeit unter Druck: Seit 2025 erheben die USA auf zahlreiche importierte Autos und Autoteile Zusatzzölle von 25 Prozent. Das belastet die Exportperspektiven – insbesondere bei Audi, da das Unternehmen kein eigenes Werk in den USA hat. Am größten Automarkt der Welt, in China, verlieren deutsche Hersteller zunehmend Preiskämpfe gegen heimische Hersteller wie BYD und MG. Der neue Audi A2 e-tron ist mit einem Einstiegspreis von 38.200 Euro günstiger als viele bisherige Elektroautos der Marke, liegt aber weiterhin über vielen chinesischen Wettbewerbern.
Zwar verdienen deutsche Autobauer noch immer Milliarden, trotzdem laufen in der gesamten Branche Sparprogramme und Umstrukturierungen. Hohe Gewinne, die die Hersteller jedoch auch brauchen, um in den Umbau zur Elektromobilität zu investieren. Zuletzt kündigte der Münchner Autobauer BMW an, weltweit 8.000 Stellen zu kürzen. Die Münchner fahren bei ihren neuen Elektrofahrzeugen der „Neuen Klasse“, dem iX3, eine andere Strategie: Mit neuen Batterien, mehr Reichweite, kürzeren Ladezeiten und einer grundlegend neuen Software setzen sie auf Modelle im Premiumsegment.

