Deutlicher Jobabbau
Für die Beschäftigten bedeutet die Lösung dennoch einen deutlichen Einschnitt. Zu Beginn des Insolvenzverfahrens hatte Winora Staiger 187 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele davon sind seitdem vor allem durch Eigenkündigungen und andere Austritte ausgeschieden.
Mit der Übernahme werden nun weitere 73 Stellen abgebaut. Die verbleibenden 87 Beschäftigten sollen den Betrieb fortführen. Die sieben Ausbildungsplätze bleiben laut Unternehmen erhalten. Der Stellenabbau soll in Abstimmung mit dem Betriebsrat umgesetzt werden.
„Gute Nachricht“ und „Erfolg“
Sanierungsexperte Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger in Stuttgart, der das Verfahren begleitet, spricht von einer guten Nachricht für die Region. Mit Bike Tree habe ein starker Partner das Potenzial der Marken erkannt, heißt es in der Pressemitteilung der Unternehmensgruppe.
Auch Winora-Geschäftsführer van Schaik kommt zu Wort. Er sehe in der Fortführung einen Erfolg – bedauere aber die personellen Folgen: „Wir haben uns hier immer als große Familie mit enormem Teamgeist verstanden“, wird er zitiert. Er wünsche den betroffenen Kolleginnen und Kollegen, dass sie schnell eine neue berufliche Perspektive finden.
Was wird aus Ghost?
Während für Winora eine Lösung gefunden ist, bleibt die Zukunft zweier weiterer deutscher Accell-Tochterunternehmen ungewiss. Die Insolvenzverfahren über die Vermögen der Ghost-Bikes GmbH im oberpfälzischen Waldsassen und der Engelbert Wiener Bike Parts GmbH in Sennfeld sollen am 1. November eröffnet werden. Ob es auch für Ghost und den Fahrradzubehörhändler Bike Parts Investoren oder Fortführungslösungen geben wird, ist bislang nicht bekannt.
Fahrradbranche unter Druck
Die drei Unternehmen gehören zur niederländischen Accell Group. Der Fahrradkonzern war nach dem Ende des Corona-Booms in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Während der Pandemie waren Fahrräder und E-Bikes stark nachgefragt, Hersteller und Händler hatten ihre Lager aufgestockt. Als die Nachfrage anschließend zurückging, blieben hohe Bestände zurück.
Sinkende Verkaufszahlen und Preisdruck belasteten die gesamte Branche. Auch umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen bei Accell in den Jahren 2024 und 2025 brachten keine nachhaltige Stabilisierung. Am 5. August 2026 beantragten die deutschen Gesellschaften schließlich Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.
Mit dem Verkauf von Winora ist nun zumindest für zwei bekannte Fahrradmarken und einen Teil der Arbeitsplätze in Unterfranken eine Perspektive gefunden. Für die Beschäftigten von Ghost und Wiener Bike Parts steht diese Entscheidung noch aus.

