Der Schulalltag ist eng getaktet. Viele Schülerinnen und Schüler sind nach sechs Wochen Unterricht, Tests, Hausaufgaben und Lernen erschöpft. Ab heute haben Schüler in Bayern eine Woche Herbstferien. Soll die Zeit zum Ausruhen oder doch eher zum Üben genutzt werden, vor allem wenn Vierer, Fünfer und Sechser auf den Proben stehen?
Freizeit – ohne Leistung erbringen zu müssen
„Ferien sollten in erster Linie dazu dienen, dass Kinder sich vom Schulalltag erholen“, betont Alexandra Langmeyer-Tornier vom Deutschen Jugendinstitut (DJI). „Kinder brauchen Zeit, in der sie nicht ständig Anforderungen erfüllen und Leistungen erbringen müssen.“ Ausflüge, Ferienfreizeiten, freies Spielen oder einfach einmal Langeweile zu haben – das alles seien wichtige Erfahrungen. „Ferien sind deshalb keineswegs eine lernfreie Zeit“, sagt Langmeyer-Tornier. „Kinder lernen auch beim Spielen, Entdecken und Zusammensein mit anderen – nur ohne den schulischen Leistungsdruck.“
Kurze, überschaubare Lerneinheiten
Das bedeute aber nicht, dass in den Ferien nicht auch gezielt schulische Inhalte wiederholt werden können, so die DJI-Expertin. „Kurze, überschaubare Lerneinheiten können durchaus sinnvoll sein, insbesondere wenn ein Kind in bestimmten Bereichen noch Unsicherheiten hat.“ Zwar ließen sich Lücken meist nicht in einer Woche schließen – dafür brauche es eine kontinuierliche Förderung. Aber einzelne Inhalte könnten aufgefrischt, Unsicherheiten abgebaut oder „einem Kind wieder mehr Zutrauen in seine Fähigkeiten“ vermittelt werden. Wichtig sei es aber, „realistische Ziele zu setzen“.
Langmeyer-Tornier: „Für Grundschulkinder würde ich beispielsweise etwa 15 bis 20 Minuten an einzelnen Tagen empfehlen.“ Vor allem in der Grundschulzeit sei zudem die Förderung der Lesekompetenz zentral. Die Ergebnisse der IGLU- und PISA-Studien (externe Links) zeigten, dass die Lesekompetenz vieler Schüler Anlass zur Sorge gebe. Bei Leseschwierigkeiten mache es deshalb Sinn, „auch in den Ferien regelmäßig kurze Lesezeiten einzuplanen“.
Auf größte Lücken konzentrieren
Bei älteren Kindern und Jugendlichen können Übungseinheiten etwas länger ausfallen. Das Sachgebiet Schulpsychologie und Beratungslehrkräfte des Bayerischen Philologenverbands betont, dass sich in einer Woche einiges aufholen lasse, aber nicht alles. „Wichtig ist, sich auf die größten Lücken zu konzentrieren und die Zeit auch zu nutzen, um herauszufinden, wie man künftig besser und regelmäßiger üben kann.“ Generell gelte: „Lieber jeden Tag ein wenig zu üben als an einem Tag fünf Stunden und die restlichen Tage nicht zu üben“. Der Verband der Lehrkräfte an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen rät deshalb, sich bereits am letzten Schultag gemeinsam mit dem Kind zwei bis drei Aspekte vorzunehmen, die in den Ferien geübt werden sollen.
Lernen in den Ferien funktioniere allerdings oft nur, wenn Eltern Kindern begleiten können, sagt die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann. Nach dem Motto: „Wir haben ausgemacht, dass du eine Stunde liest oder Matheübungen machst. Mach das jetzt und dann schauen wir uns das zusammen an. Aber das geht halt nur, wenn die Eltern im Homeoffice sind oder Urlaub haben.“ Nicht alle Eltern könnten das leisten. Viele finanzstarke Familien schickten ihre Kinder deshalb zur Nachhilfe oder in Lerncamps.

