Heute wird es vor vielen Werkstoren laut, wenn die Beschäftigten von Metall- und Elektro-Unternehmen ihre Arbeit niederlegen und stattdessen Kundgebungen abhalten. Erste kleinere Aktionen hatte es bereits am Sonntag gegeben, etwa beim Mobilfunkzulieferer RF 360 Europe/Qualcomm in München.
Ein größerer Demozug ist heute etwa in Königsberg bei Schweinfurt geplant, wo sich Arbeitnehmer mehrerer Betriebe an den Warnstreiks beteiligen. In Memmingen nehmen etwa Mitarbeiter von Rohde & Schwarz teil und in Nürnberg von Leoni. Betroffen ist auch Kaeser Kompressoren in Coburg, das Unternehmen des Arbeitgeber-Verhandlungsführers Thomas Kaeser.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld
In Coburg ist vergangene Woche auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen ergebnislos zu Ende gegangen. Denn die Positionen liegen weit auseinander: Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Lohn – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem mehr Geld für Auszubildende und eine Gewinnbeteiligung für Mitarbeiter von Unternehmen, denen es gut geht.
Manche Metall- und Elektro-Unternehmen stehen gut da – andere nicht
Die Arbeitgeber hingegen bieten eine Einmalzahlung von einem Prozent für Mitte 2027 und ein Jahr später 1,3 Prozent mehr Geld – bei einer Laufzeit bis Ende 2028. Die gewünschte Tarifsteigerung würde die Unternehmen inakzeptabel belasten, heißt es vom Verband der Metall- und Elektroindustrie (vbm). Eine tarifliche Gewinnbeteiligung, also wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen extra zur Kasse zu bitten, lehnen die Arbeitgeber entschieden ab. Dies würde das System des Flächentarifvertrages grundsätzlich in Frage stellen.
Was die Tarifverhandlungen besonders kompliziert macht, ist die Tatsache, dass es manchen Teilen der Branche schlecht geht, anderen hingegen ziemlich gut. So freut sich die Rüstungsindustrie über immer neue Aufträge, die für Bayern so wichtige Automobilindustrie kämpft dagegen mit Umsatzeinbrüchen und Entlassungen.
Warnstreiks und Aktionen der IG Metall bis tief in die Nacht
Auf der einen Seite weisen die Arbeitgeber darauf hin, dass man sich in einer Konjunktur- und Strukturkrise befinde. Auf der anderen Seite kritisiert die Gewerkschaft, die Arbeitgeber würden Beschäftigte nur als Kostenfaktor sehen.
Die Warnstreiks heute werden bis tief in die Nacht gehen. So wird es etwa um 23 Uhr eine Kundgebung bei Schaeffler in Herzogenaurach geben, zur gleichen Zeit spricht dann der bayerische IG-Metall-Chef Horst Ott auf einer Kundgebung bei Audi in Ingolstadt. Voraussichtlich nächste Woche gehen die Tarifverhandlungen weiter.

