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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Gefährlicher Hefepilz: Infektionen mit Candida auris nehmen zu
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Gefährlicher Hefepilz: Infektionen mit Candida auris nehmen zu

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 29. Mai 2024 09:03
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Candida auris: Klingt exotisch und harmlos. Dabei handelt es sich um einen gefährlichen Krankheitserreger. Japanische Forscher entdeckten den Hefepilz erstmals 2009 in einem menschlichen Ohr – daher der lateinische Zusatz „auris“.

Inhaltsübersicht
Besonders gefährlich ist der Pilz auf der IntensivstationHohe Sterblichkeit bei geschwächten PatientenVerbreitung lässt sich wohl nicht mehr stoppenVerbreitung „von Hand zu Hand“Erste deutsche Fälle in der Covid-ZeitForscher fordern Meldepflicht bei Nachweis

Inzwischen tritt der Pilz weltweit auf. Noch sind die Fallzahlen in Deutschland relativ niedrig. Dennoch empfehlen die Forschenden des Nationalen Referenzentrum für Invasive Pilzinfektionen in Jena eine weitreichende Meldepflicht für den Pilz. Denn er verbreitet sich über Schmierinfektion und könnte leicht außer Kontrolle geraten.

Besonders gefährlich ist der Pilz auf der Intensivstation

Für Patientinnen und Patienten mit geschwächtem Immunsystem ist der Hefepilz besonders gefährlich, erklärt Prof. Oliver Kurzai. Er leitet das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Julius-Maximilians-Universität (JMU) in Würzburg und ist zugleich Leiter des Nationalen Referenzzentrums. Kurzai stellt klar: Der Pilz mit dem wohlklingenden Namen kann tödlich sein. Dann nämlich, wenn er ins Blut gelangt und eine Sepsis verursacht.

Hohe Sterblichkeit bei geschwächten Patienten

Die Sterblichkeit liege dann bei 50 Prozent und mehr, berichtet Prof. Kurzai. Er und sein Team analysieren pro Jahr 1.300 Proben aus ganz Deutschland. Im Labor an der Würzburger Uniklinik werden die verschiedenen Pilzinfektionen bestimmt und auf Resistenzen getestet. So können die Wissenschaftler die behandelnden Mediziner gezielt beraten und Therapieempfehlungen geben.

Candida auris tauchte im Jahr 2023 dabei sechsmal häufiger auf als in früheren Jahren. Diese sprunghafte Vermehrung auf das Sechsfache müsse man im Auge behalten, warnt Kurzai, auch wenn die Gesamtzahl sich – noch – auf einem sehr niedrigen Niveau bewege. Bundesweit wurden vergangenes Jahr 77 Fälle bekannt. Die Zahl scheint noch nicht dramatisch, doch die Forscher sind trotzdem alarmiert. Denn der Hefepilz lässt sich schwer bekämpfen.

Verbreitung lässt sich wohl nicht mehr stoppen

Prof. Kurzai berichtet über Studien aus den USA, wo sich Candida auris ebenfalls vermehre. Dort sei der Pilz jedoch schon weitgehend resistent gegen alle bewährten Medikamente, er erweise sich als äußerst anpassungsfähig. Und genau das mache ihn so gefährlich, so der Mikrobiologe. In Deutschland bestünden zumindest die in den USA beobachteten Resistenzen offenbar bislang noch nicht. So habe man bisher die infizierten Patienten hierzulande erfolgreich behandeln können. Todesfälle infolge von Candida auris seien demnach bisher ausgeblieben.

Verbreitung „von Hand zu Hand“

Ausrotten lasse sich der Pilz nicht mehr, meint der Experte, allenfalls seien die Infektionen einzudämmen. Das gehe nur durch konsequente Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Denn sei der Pilz einmal im Haus, verbreite er sich „von Hand zu Hand“, so Kurzai. In Japan, wo der erste Fall bekannt wurde, war möglicherweise ein Fieberthermometer mit dem Pilz kontaminiert. Beim Messen der Temperatur im Ohr konnte sich der Pilz verbreiten.

Erste deutsche Fälle in der Covid-Zeit

In Deutschland trat der erste Fall während der Corona-Pandemie auf, sagt Kurzai. Man gehe davon aus, dass ein Holzspatel mit dem Pilz in Kontakt gekommen sei, bevor er im Mund eines Patienten zum Einsatz kam. Das Personal arbeitete damals – wie auf den meisten Intensivstationen – unter erheblichem Druck, erklärt der Würzburger Forscher: „Da komme es zu Unachtsamkeiten, die dann weitreichende Folgen haben können.“

Forscher fordern Meldepflicht bei Nachweis

Solche alltäglichen Übertragungswege lassen sich offenbar selbst bei regelmäßiger Desinfektions-Routine nicht ganz vermeiden. Kurzai fordert deshalb eine verschärfte Meldepflicht für Candida auris. Diese gilt momentan nur, wenn eine Infektion eingetreten ist, nicht aber bei einer reinen „Besiedlung“ des Menschen, also einem Nachweis des Pilzes ohne Infektionssymptome.

Für gesunde Menschen ist der Hefepilz meist harmlos. Dennoch kann ein gesunder Träger den Pilz weiterverbreiten und damit ungewollt andere gefährden.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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