Vier Jahre hat es gedauert. Jetzt kehrt eine der erfolgreichsten Serien des Streamingriesen HBO auf die Bildschirme zurück: das düstere Coming-of-Age Drama „Euphoria“. Die Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller, wie Zendaya, Jacob Elordi oder Sydney Sweeney, sind längst zu Hollywood-Stars gereift. Und mit ihnen natürlich auch ihre Serienfiguren. Die Highschool ist vorbei, das Erwachsenenleben hat begonnen. Von Erwachsensein kann allerdings noch keine Rede sein.
Rue, die Protagonistin der Serie, gespielt von Zendaya, ist inzwischen Drogenkurierin. Ihre Sucht hatte sie schon zu High-School-Zeiten in diverse Schlammassel gebracht. Nun muss sie Schulden begleichen. Und schmuggelt deshalb Rauschmittel von Mexico in die USA. Das trifft einen Nerv, denn die USA leidet seit mehreren Jahren an einer Fentanyl-Krise, mit vielen jungen Todesopfern. Darunter auch Schauspieler Angus Cloud, der in der Serie den Drogendealer Fezco verkörpert hat. Obwohl er bereits vor Drehbeginn starb, entschied sich Showrunner Sam Levinson dafür, ihn in der Geschichte am Leben zu halten – zumindest stimmlich, seine Figur sitzt mittlerweile im Gefängnis.
Schräge Religionslektionen
Was Levinson in der neuen Staffel allerdings nicht schafft: das Wesen der Serie am Leben zu halten. Es gehörte zu den großen Stärken von „Euphoria“, Sexualität, Drogensucht und Gewalt als Teil der Selbstfindungsphase von Jugendlichen abzubilden. Und das, ohne gleich ein moralisches Urteil vorzugeben. Das blieb dem Publikum überlassen. Jetzt wirkt das anders.
Auf ihrer Drogentour kommt Rue mit Religion in Berührung. Fernab von Technologie und Zivilisation trifft sie auf eine ultra-christliche Familie. Klingt wie ein Ausweg für sie, nur ihre Queerness steht im Weg. Religiöse Symbolik in „Euphoria“ ist nichts Neues, sie war, neben den expliziten Darstellungen, oft in der Bildsprache präsent. Schräge Religionslektionen gab es allerdings noch nie.
Serie greift Debatte um die Plattform OnlyFans auf
Auf der anderen Seite versucht die Serie, sich in die seit Jahren geführte, OnlyFans-Debatte einzuklinken: Cassie, die Figur von Sydney Sweeney, will schnelles Geld mit freizügigem Content verdienen. „Stell dir mal all die unglücklichen Männer auf der Welt vor. Für nur 50$ kriegen sie ein Bild und eine persönliche Nachricht von mir. Dann denken sie, sie seien etwas Besonderes“, sagt Cassie.Ist das einfach Prostitution? Oder eine Art Ermächtigung, weil Cassie den Male Gaze zu Geld macht? So ganz klar ist das nach einer Folge noch nicht. Vielleicht gelingt es in der Staffel ja, einen Raum jenseits dieser zwei Alternativen aufzumachen.
Wüste als bildliches und musikalisches Setting
Die größten Veränderungen lassen sich auf ästhetischer Ebene beobachten. Das amerikanische Vorstadt-Setting ist der Wüste gewichen. Die neue Staffel kommt wie ein Western daher. Totalen aus Prärie-Landschaften, vor allem aber die musikalische Untermalung durch Hans Zimmers Kompositionen unterstützen diese Atmosphäre.
Es dürfte interessant sein, wie diese neue Staffel aufgenommen wird. Denn nicht nur die Westernsequenzen – Optik, Musik und Erzählweise sind generell anders als in den Staffeln davor. Nicht das, was Fans gewohnt sind. Am meisten fehlen hier die Electro-Soul-Klänge des Musikers Labrinth, der die Serie maßgeblich mitgeprägt hatte. Viel Neues also, was die Fans zu verkraften haben. Für eine Sache lohnt sich das Streamen aber definitiv: In der neuen Staffel von „Euphoria“ sind die letzten Auftritte des Schauspielers Eric Dane zu sehen, der im Februar an der Nervenkrankheit ALS gestorben ist.

