Für zwei von drei Deutschen ist es klar: Sie sparen vor allem für ihre Altersvorsorge. Sie ist das Sparmotiv Nummer eins, das zeigt eine Umfrage des Verbands der Privaten Bausparkassen aus dem vergangenem Sommer. Manche legen zusätzlich Geld für ihre Kinder und Enkelkinder zurück. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Zum Beispiel können Eltern oder Großeltern ein Depot für das Kind eröffnen und dort Geld in ETF anlegen. Zunächst sollte man sich aber zwei Fragen stellen, erklärt Alexander Roos von der Verbraucherzentrale (VZ) Bayern im Interview mit BR24. Erstens: Wie lange kann man das Geld investieren? Und zweitens: Was macht es mit mir, wenn Aktienkurse fallen – so wie es gerade passiert?
Anlagezeitraum: Wann braucht das Kind das Geld?
Der Anlagezeitraum ist ein wichtiges Kriterium, bevor man sich für eine Anlageform entscheidet, erklärt Roos. Legt man das Geld für ein dreijähriges Kind an, kann man es 15 Jahre bis zum 18. Geburtstag ansparen. In diesem Fall könne sich ein Depot mit breit gestreuten ETF-Sparplänen lohnen. Auf lange Sicht sind Aktien laut Verbraucherzentrale trotz zeitweise hoher Wertschwankungen die ertragsstärkste Anlageform. Kursverluste werden über Jahre hinweg meist ausgeglichen.
Tages- oder Festgeld: Abhängigkeit von Zinsen und Inflation
Spart man für einen Jugendlichen, benötigt er das Geld vielleicht schon in wenigen Jahren für einen Führerschein. Dann kann sich statt eines Depots ein Tages- oder Festgeldkonto anbieten. Auf ein Tagesgeldkonto kann man regelmäßig unterschiedliche Beträge überweisen. Das Geld ist immer verfügbar und es wird zu einem bestimmten Satz verzinst. Auf dem Festgeldkonto spart man dagegen einen festen Betrag, zum Beispiel 1.000 Euro. Auch Zeitraum und Zins sind festgelegt. Innerhalb dieser Zeit steht das Geld nicht zur Verfügung.
Für beide Anlageformen ist die Inflation ein wichtiges Kriterium. Im März stieg die Inflationsrate auf 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Manche Banken boten Neukunden im März Tagesgeldzinsen zwischen 2,75 Prozent und 3,4 Prozent an. Damit konnte der Wert des Geldes erhalten oder leicht gesteigert werden. Nimmt die Inflation jedoch weiter Fahrt auf, verliert das angelegte Geld an Wert – die Inflation frisst die Zinsen auf.
Faktor Mensch: Was machen Kursschwankungen mit mir?
Die zweite Frage für Eltern und Großeltern ist: Was machen Kursschwankungen an der Börse mit mir? Wer vorübergehende Verluste aushält, kann sich ein Depot mit ETFs zulegen. Wer lieber auf Nummer sicher gehen möchte, dem rät Alexander Roos von der VZ Bayern eher zu einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto. Vorhandene Depots, die durch die aktuellen Kursschwankungen ins Minus rutschen, sollte man liegen lassen, bis sich die Börsen wieder beruhigen.
Depot für Kinder: Das wird empfohlen
Viele Banken bieten kostenlose Kinderdepots an. Häufig fallen nur geringe Kaufgebühren für Sparpläne an, erklärt die Stiftung Warentest. Im vergangenen Jahr haben laut Deutschem Aktieninstitut 9,2 Millionen Menschen ausschließlich in Aktienfonds investiert. Und die Auswahl ist groß: An deutschen Börsen werden rund 2.000 verschiedene ETF gehandelt, für viele davon gibt es Sparpläne.
Anlegen für Kinder: Rechtliche Fragen
„Geldanlage für Kinder unterliegt gewissen Regeln“, darauf weist die Stiftung Warentest hin. Wird das Geld auf den Namen des Kindes angelegt, gehört es dem Kind. Eltern oder Großeltern verwalten es treuhänderisch und dürfen es nicht nutzen, auch nicht in Notsituationen. Im Gegenzug können sie Steuern sparen. Denn für das Kinderdepot gilt der reguläre Steuerfreibetrag von 1.000 Euro pro Jahr. Sobald das Kind volljährig wird, kann es mit dem Geld machen, was es möchte. Eltern und Großeltern haben keinen Zugriff mehr darauf.
Finanzexperten empfehlen: Die Mischung machts
Jede Anlageform hat ihre Vor- und Nachteile. Die Verbraucherzentrale betont, dass keine von ihnen gleichzeitig sicher, immer verfügbar und trotzdem hochrentabel sein kann. Daher empfehlen die Experten, das Geld fürs Kind auf verschiedene Anlageformen aufzuteilen.

