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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > „Hoher Kostendruck“: Zahl der Insolvenzen gestiegen
Wirtschaft

„Hoher Kostendruck“: Zahl der Insolvenzen gestiegen

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 15. April 2026 08:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Wieder hat es ein Traditionsunternehmen erwischt: Für die Allgäuer Supermarktkette Feneberg wurde kürzlich das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Dieses Schicksal ist kein Einzelfall. Inmitten der Konjunkturflaute steigt die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland weiter an. Im Januar haben die Amtsgerichte insgesamt 1.919 beantragte Unternehmensinsolvenzen registriert, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte. Das entspricht einem Anstieg von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und gilt damit zunächst als moderat.

Inhaltsübersicht
Insolvenzen: Wer konkret betroffen istHält der Trend an? Das sagt ein ForscherBruttoinlandsprodukt gewachsenAppell der Experten an die Politik

Insolvenzen: Wer konkret betroffen ist

Doch Experten sehen darin nur einen Vorboten einer deutlich stärkeren Entwicklung. Der Vorsitzende des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID), Christoph Niering, betonte, dass die aktuellen Zahlen die weltpolitischen und wirtschaftlichen Belastungen noch nicht vollständig widerspiegeln. Kurzfristig rechnet er mit einem deutlichen Anstieg: „Nicht nur Transport- und Logistikunternehmen, die unmittelbar von hohen Kraftstoffpreisen betroffen sind, sondern auch energieintensiv produzierende Unternehmen stehen aktuell unter großem Druck.“

Auch aus Sicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer ist die Lage angespannt. DIHK-Chefanalyst Volker Treier erklärte: „Im Januar haben so viele Unternehmen insolvenzbedingt ihre Pforten schließen müssen wie seit elf Jahren nicht mehr.“ Für viele Betriebe sei der Kostendruck inzwischen so hoch, dass finanzielle Reserven aufgebraucht seien.

Hält der Trend an? Das sagt ein Forscher

Dabei ist zu beachten, dass die amtlichen Zahlen zeitverzögert sind. Insolvenzanträge gehen oft schon rund drei Monate vor ihrer Erfassung in die Statistik bei den Gerichten ein. Frühindikatoren zeichnen ein noch düstereres Bild: Das Wirtschaftsforschungsinstitut IWH aus Halle, das aktuelle Insolvenzbekanntmachungen auswertet, meldet für das erste Quartal 2026 den höchsten Stand an Firmenpleiten seit über 20 Jahren.

Insgesamt wurden laut IWH 4.573 Insolvenzen gezählt. Besonders auffällig ist der März mit 1.716 Fällen – ein Wert, der 71 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 liegt. IWH-Forscher Steffen Müller hält eine Fortsetzung dieses Trends für wahrscheinlich und warnt vor anhaltend hohen Zahlen.

Auch langfristig zeigt sich eine deutliche Verschärfung der Lage. Bereits im Jahr 2025 waren 24.064 Unternehmen insolvent gegangen – so viele wie seit 2014 nicht mehr. Schon in den Jahren 2023 und 2024 hatte die Zahl der Firmenpleiten jeweils um mehr als 20 Prozent zugenommen. Die Pleitewelle rollt damit seit mehreren Jahren.

Bruttoinlandsprodukt gewachsen

Besonders betroffen sind aktuell einzelne Branchen. Im Januar verzeichnete das Gastgewerbe mit 9,1 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen die höchste Quote. Auch die Bereiche Verkehr und Lagerei sowie das Baugewerbe sind stark belastet.

Trotz steigender Fallzahlen ist die Höhe der Forderungen zuletzt gesunken. Die Gläubigerforderungen aus den im Januar gemeldeten Insolvenzen beliefen sich auf rund 3,1 Milliarden Euro, nach etwa 5,3 Milliarden Euro im Januar 2025. „Dieser Rückgang der Forderungen trotz steigender Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im Januar 2026 weniger wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt hatten als im Januar 2025“, erklärte Destatis.

Makroökonomisch bleibt die Lage fragil. Zwar wuchs das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2025 leicht um 0,3 Prozent, ein kräftiger Aufschwung ist jedoch nicht in Sicht. Laut Bundeswirtschaftsministerium entwickelte sich die Wirtschaft auch im ersten Quartal 2026 nur schwach. Belastend wirken weiterhin die Folgen geopolitischer Krisen, insbesondere der Energiepreisschock infolge des Nahost-Konflikts.

Appell der Experten an die Politik

Schon zuvor galten steigende Energiekosten als eines der größten Geschäftsrisiken. Laut DIHK-Konjunkturumfrage war fast jedes zweite Unternehmen betroffen. „Alarmierend ist, dass sich die Belastungsspirale zuletzt beschleunigt hat“, sagte Treier. Steigende Energiepreise und anhaltende Lieferkettenprobleme treiben die Kosten weiter nach oben, während eine kurzfristige Entspannung nicht absehbar ist.

Vor diesem Hintergrund fordern Wirtschaftsexperten entschlossenes politisches Handeln. Erste Maßnahmen wurden bereits beschlossen: Die temporäre Senkung der Energiesteuern auf Diesel und Benzin gilt als ein Schritt in die richtige Richtung. Ob dies ausreicht, um die Insolvenzwelle zu bremsen, bleibt jedoch offen.

Mit Informationen von dpa und Reuters

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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