Rund zwei Milliarden Musliminnen und Muslime weltweit, davon rund 700.000 in Bayern, feiern dieses Jahr am 27. Mai das muslimische Opferfest, eines der höchsten Feste des Islam. Es hat nach islamischer Tradition gestern Abend begonnen und markiert den Höhepunkt der Pilgerfahrt, des Haddsch, nach Mekka.
Fest erinnert an Ibrahim, der bereit ist seinen Sohn zu opfern
Bis Samstag dauert das Fest, das unter türkischen Muslimen „Kurban Bayrami“ und unter arabischen „Eid al-Adha“ heißt. Gläubige beten in der Moschee, Familien unternehmen Ausflüge, Kinder bekommen Geschenke. Dem Opferfest liegt eine Erzählung zugrunde, die Judentum, Christentum und Islam geprägt hat: Das Fest erinnert an Abraham, den Urvater der drei Weltreligionen. Im Islam wird Abraham Ibrahim genannt und als Prophet verehrt. Auf Geheiß Gottes soll er Ismael, seinen erstgeborenen Sohn opfern. In der jüdisch-christlichen Tradition ist es nicht Ismael, der geopfert werden soll, sondern Abrahams Sohn Isaak.
Nach muslimischer Überlieferung ist Allahs Aufforderung eine Prüfung von Ibrahims Treue und Glaubensstärke. Im letzten Moment hindert Allah ihn daran, seinen Sohn zu töten. Daraufhin opfert Ibrahim aus Dankbarkeit ein Tier. In Erinnerung an den islamischen Propheten Ibrahim ist es beim Opferfest Brauch, ein Tier zu schlachten, wenn man es sich finanziell leisten kann – meist ein Schaf oder Lamm. Muslime in Deutschland legen allerdings unterschiedlich aus, wie und ob ein Tier geschlachtet werden soll. In Deutschland ist das Schächten nach dem Tierschutzgesetz verboten. Muslime, die trotzdem an der Tradition festhalten möchten, können dafür aber eine Sondergenehmigung beim Veterinäramt beantragen.
Das Opferfest ist in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag. Muslimische Schülerinnen und Schüler in Bayern sind aber an dem Tag normalerweise vom Unterricht befreit. In diesem Jahr fällt das Fest ohnehin in die Pfingstferien.
Opferfest markiert auch Höhepunkt der Pilgerreise Haddsch
Außerdem wird beim Opferfest auch der Höhepunkt und Abschluss des Haddsch gefeiert, der Pilgerreise nach Mekka. Jeder Muslim soll sie einmal in seinem Leben absolvieren, so sieht es der Koran (Sure 3, Vers 97) vor, zumindest sofern Vermögen und Gesundheit das erlauben. Erwartet werden heuer mehr als zwei Millionen Pilger in Mekka. Die Wallfahrt zum Geburtsort des Propheten Mohammed in Saudi-Arabien ist eine der sogenannten fünf Säulen des Islams. Während des Haddsch kleiden sich die Männer in weiße Tücher, das Gesicht der Frauen muss unverschleiert bleiben. Die Pilger laufen in einem mehrtägigen Ritus verschiedene Orte ab, beten und suchen spirituelle Erfahrungen. Zu den Ritualen gehört auch, siebenmal die Kaaba zu umschreiten, das zentrale Heiligtum des Islams im Innenhof der al-Haram Moschee.
Die Behörden in Saudi-Arabien haben den Hitzeschutz nach offiziellen Angaben deutlich verstärkt, damit es nicht noch einmal zu einer Katastrophe wie 2024 kommt. Damals starben mehr als 1.300 Menschen bei Temperaturen von über 50 Grad Celsius. Saudi Arabien hat deshalb in den vergangenen Jahren umgerechnet mehrere Milliarden Euro in die Infrastruktur für die Pilgerfahrt und Versorgung der Pilgerströme investiert. So soll es in diesem Jahr deutlich mehr schattige, gekühlte und überdachte Flächen geben. Außerdem finden strenge Zugangskontrollen statt. Weil immer mehr ausländische Pilger anreisten, hat Saudi-Arabien die Zahl je Land begrenzt.
Pilgermonat im Schatten des Iran-Kriegs
In diesem Jahr steht die Wallfahrt auch im Schatten des Iran-Kriegs. Zwischen Saudi-Arabien und dem Iran kam es in der vergangenen Monaten wiederholt zu Angriffen. Dennoch erhielten auch rund 30.000 iranische Pilgerinnen und Pilger ein Visum für die Wallfahrt. Die Visavergabe durch die saudischen Behörden ist streng geregelt und richtet sich nach der Größe der muslimischen Bevölkerung im jeweiligen Land. Muslimen und Musliminnen aus Deutschland stehen jährlich nur einige Tausend Plätze zur Verfügung.

