Während die meisten Künstlerinnen und Künstler in der Corona-Pandemie gezwungenermaßen auf Pause drückten, nahm Ski Aggus Karriere in dieser Zeit an Fahrt auf.
Erste Tracks hatte er zwar bereits 2018 auf Soundcloud hochgeladen, doch die erste offizielle Single teilte er erst 2020 auf Spotify: „Weißwein & Pappbecher“. Ein Song über Freunde, Substanzkonsum und Leichtigkeit – ein Lebensgefühl, das bei vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den Corona-Jahren einen Nerv getroffen haben dürfte.
Mit Eurodance und Nostalgie zum Erfolg
Seine Beats ließen sich in den ersten Jahren noch im Rap und Trap verorten. Das änderte sich 2022. Ski Aggu fing an, auf Trance und Eurodance-Beats zu rappen – und ließ dabei eine gewisse Nostalgie mitschwingen. Texte über Hubba-Bubba-Kaugummis und Skip-Bo-Spielkarten legte er auf Beats von 2000er-Liedern. Die Musik von „Party Sahne“ bezog er etwa aus dem Ceasars-Hit „Jerk it Out“ von 2002.
Ein weiteres Erfolgsmittel: Kindheitserinnerungen eines Millennials. Als August Jean Diederich, wie Ski Aggu mit bürgerlichem Namen heißt, in den 2000ern in Berlin-Wilmersdorf aufwuchs, lief im Fernsehen ein Lied rauf und runter: „Axel F“ von Crazy Frog. Ein animierter, blauer Frosch, der mit verzerrter Stimme Eurodance-Stücke sang. Für Ski Aggu bis heute Inspiration, wie er 2022 im splash!-Interview verriet: „Seit ich klein bin, höre ich den und feiere ich den. Der macht was mit mir.“
Spaß statt Gangster-Rap: Ski Aggu polarisiert
Ski Aggu stellt in seiner Musik Spaß und Blödeleien über tiefgründige Geschichten – für Rapper eher ungewöhnlich. Und genau das kritisieren andere Künstler aus dem Genre, wie etwa Rapper Jaysus: „Das, was heute als Deutschrap verkauft wird, hat mit der Seele von Hip-Hop nichts mehr zu tun“, sagt der Musiker im Format „13 Fragen“.
Gleichzeitig vertritt Ski Aggu für Deutschrap-Verhältnisse recht progressive Werte. In seinem Musikvideo zu „Maximum Rizz“ ist eine Frau zu sehen, die sich gegen Belästigung wehrt. Er gendert, spricht sich gegen Rassismus aus und setzt sich auf seinen Konzerten für mehr Inklusion ein. Dass ihm diese Themen wichtig sind, liegt vielleicht auch in der Familie: August Jean Diederich ist der Enkel von SPD-Politiker Nils Diederich, der den Wahl-O-Mat mitentwickelt hat.
Von der Nische an die Spitze der Charts
Mit seiner Haltung und seinem Techno-Deutschrap wurde Ski Aggu so erfolgreich, dass er sich von der Nische in den Mainstream hochgearbeitet hat. Drei Jahre, nachdem er seine Karriere begonnen hatte, landete er mit „Friesenjung“ 2023 den ersten Nummer-Eins-Hit. Er veröffentlichte drei Alben und 35 Singles in fünf Jahren und spielte in ausverkauften Hallen. Jedoch wurde dieser Erfolg vergangenes Jahr unerwartet unterbrochen.
Gegen den Chef von Ski Aggus damaligem Musiklabel „Bamboo Artists“ wurden 2025 schwere Vorwürfe erhoben. Laut Spiegel-Recherchen soll es dabei etwa um schlechte Arbeitsbedingungen oder körperliche und psychische Überlastung gehen. August Jean Diederich soll noch eine weitere geschäftliche Verbindung zu dem Bamboo-Artist-Chef gehabt haben. Northdata führt ihn und Diederich als gemeinsame Geschäftsführer eines Immobilienunternehmens. Die erhobenen Vorwürfe weist der Bamboo-Artists-Gründer in einem anwaltlichen Schreiben zurück.
Kontroversen und eine Auszeit
Kurz nachdem die Spiegel-Recherche erschienen war, kündigte Ski Aggu auf Social Media eine Auszeit an. Nach vier Monaten kehrte er in die Öffentlichkeit zurück – und machte sofort wieder Schlagzeilen: In einem inzwischen gelöschten Live-Stream auf Twitch behauptete Diederich, er habe den ehemaligen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn auf einer Party beim Kokainkonsum gesehen. Spahn antwortete mit einer Anzeige wegen Verleumdung.
Jetzt meldete sich Ski Aggu mit neuem Dubstep- und Hardtekk-Album zurück. Und mit einer Ankündigung für seine Live-Shows: Bei Ski-Aggu-Konzerten soll es künftig ein Handyverbot geben. Als selbst „handysüchtige Person sage ich, dass wir uns zu unserem Glück zwingen müssen, indem wir Handys auf dem Konzert verbieten“, zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur. Vielleicht ist auch das Ausdruck einer Form von Millennial-Nostalgie.

